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	<title>Kommentare zu: Erfahrungen aus den Tiefebenen der Politikabstinenz</title>
	<link>http://zukunftswerkstatt-soziale-arbeit.de/2010/04/26/erfahrungen-aus-den-tiefebenen-der-politikabstinenz/</link>
	<description>Forum für Studies, Profs, Praktiker und alle anderen</description>
	<pubDate>Sat, 19 May 2012 00:27:28 +0000</pubDate>
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		<title>Von: Raimund Janßen</title>
		<link>http://zukunftswerkstatt-soziale-arbeit.de/2010/04/26/erfahrungen-aus-den-tiefebenen-der-politikabstinenz/#comment-539</link>
		<author>Raimund Janßen</author>
		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 18:49:45 +0000</pubDate>
		<guid>http://zukunftswerkstatt-soziale-arbeit.de/2010/04/26/erfahrungen-aus-den-tiefebenen-der-politikabstinenz/#comment-539</guid>
		<description>Sehr geehrte Frau Seithe,
ich finde es bewundernswert und mutig wie offensiv Sie die  Missstände in der Sozialen Arbeit ansprechen. Aus meiner persönlichen Erfahrung als Dipl.-Soz.Päd. kann ich nur unterstreichen, dass unsere Profession längst im Prekariat angekommen ist. Vor einem Jahr noch habe ich als Sozialpädagoge Hartz-IV-Empfänger betreut und heute bin ich selbst in Hartz-IV-Falle. Mit fast 25 Jahren Berufserfahrung in der Sozialen Arbeit als Erzieher, Heilpädagoge und Sozialpädagoge finde ich nun, da ich 52 geworden bin, keine Anstellung mehr. Es werden fast ausschließlich nur noch befristete Stellen angeboten, die zudem noch schlecht vergütet sind. Für viele Arbeitgeber bin ich aufgrund meines Alters und meiner Erfahrung scheinbar zu teuer geworden. In den letzten Jahren habe ich mich, aufgrund von Befristungen, bis auf 2.300 Euro brutto in Vollzeit abqualifizieren lassen müssen. Solch eine miserable Vergütung ist aber heute beinahe üblich und ich empfinde es als eine persönliche Demütigung, angesichts meines langjährigen beruflichen Engagements in der Sozialen Arbeit. Mit dem Ausstieg aus dem BAT und der Einführung des TVÖD ist unsere Profession drastisch abgestuft worden und die Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit haben sich parallel dazu dramatisch verschlechtert. Unser "Kunde" ist nicht mehr ein "hilfebedürftiger Mensch", sondern der Auftraggeber z.B.eines sozialen Projektes. Unsere ehemaligen Klienten bzw. Kunden werden im Rahmen des Sozialmanagements zu "Kostenverursachern" degradiert. Ich bin der Meinung das unsere Hochschulen für Soziale Arbeit diesen falschen Ansatz nicht mehr mittragen dürfen und sich dagegen wehren sollten. Soziale Arbeit braucht endlich eine starke Lobby in der Gesellschaft. Soziale Arbeit benötigt eine starke Profession, die sich offen gegen eine Politik bekennt, die Menschen entweder in Leistungsträger oder Kostenverursacher unterteilt.
Ich könnte an dieser Stelle noch weitere Kritikpunkte an dem bestehenden System Sozialer Arbeit vorbringen, ich möchte aber an dieser Stelle meinen Kommentar beenden und Ihnen Frau Seithe dafür danken, dass Sie zu den wenigen Dozenten in diesem Lande gehören, die sich nicht von dem ökonomischen Modell des "Homo oeconomikus" verblenden lassen. Ich persönlich hätte sehr gerne bei Ihnen studiert.
Weiterhin viel Glück und Erfolg.

Mit freundlichem Gruß
Raimund Janßen</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr geehrte Frau Seithe,<br />
ich finde es bewundernswert und mutig wie offensiv Sie die  Missstände in der Sozialen Arbeit ansprechen. Aus meiner persönlichen Erfahrung als Dipl.-Soz.Päd. kann ich nur unterstreichen, dass unsere Profession längst im Prekariat angekommen ist. Vor einem Jahr noch habe ich als Sozialpädagoge Hartz-IV-Empfänger betreut und heute bin ich selbst in Hartz-IV-Falle. Mit fast 25 Jahren Berufserfahrung in der Sozialen Arbeit als Erzieher, Heilpädagoge und Sozialpädagoge finde ich nun, da ich 52 geworden bin, keine Anstellung mehr. Es werden fast ausschließlich nur noch befristete Stellen angeboten, die zudem noch schlecht vergütet sind. Für viele Arbeitgeber bin ich aufgrund meines Alters und meiner Erfahrung scheinbar zu teuer geworden. In den letzten Jahren habe ich mich, aufgrund von Befristungen, bis auf 2.300 Euro brutto in Vollzeit abqualifizieren lassen müssen. Solch eine miserable Vergütung ist aber heute beinahe üblich und ich empfinde es als eine persönliche Demütigung, angesichts meines langjährigen beruflichen Engagements in der Sozialen Arbeit. Mit dem Ausstieg aus dem BAT und der Einführung des TVÖD ist unsere Profession drastisch abgestuft worden und die Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit haben sich parallel dazu dramatisch verschlechtert. Unser &#8220;Kunde&#8221; ist nicht mehr ein &#8220;hilfebedürftiger Mensch&#8221;, sondern der Auftraggeber z.B.eines sozialen Projektes. Unsere ehemaligen Klienten bzw. Kunden werden im Rahmen des Sozialmanagements zu &#8220;Kostenverursachern&#8221; degradiert. Ich bin der Meinung das unsere Hochschulen für Soziale Arbeit diesen falschen Ansatz nicht mehr mittragen dürfen und sich dagegen wehren sollten. Soziale Arbeit braucht endlich eine starke Lobby in der Gesellschaft. Soziale Arbeit benötigt eine starke Profession, die sich offen gegen eine Politik bekennt, die Menschen entweder in Leistungsträger oder Kostenverursacher unterteilt.<br />
Ich könnte an dieser Stelle noch weitere Kritikpunkte an dem bestehenden System Sozialer Arbeit vorbringen, ich möchte aber an dieser Stelle meinen Kommentar beenden und Ihnen Frau Seithe dafür danken, dass Sie zu den wenigen Dozenten in diesem Lande gehören, die sich nicht von dem ökonomischen Modell des &#8220;Homo oeconomikus&#8221; verblenden lassen. Ich persönlich hätte sehr gerne bei Ihnen studiert.<br />
Weiterhin viel Glück und Erfolg.</p>
<p>Mit freundlichem Gruß<br />
Raimund Janßen</p>
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