Rehabilitation Leidensgerecht

Ich bin Berufseinsteigerin und nun zum ersten Mal im Rahmen einer Hilfeplankonferenz auf den Begriff leidensgerechte Berufe gestoßen. Gemeint sind geeignete Arbeitsbereiche bei der beruflichen Rehabilitation.

Ich war schockiert über diese Begriff!!!

Die Idee nach einer längeren Erkrankungsphase und bei  gewissen erkrankungsbedingten Beschwerden nicht in jedem Arbeitsbereich mehr tätig sein zu können, ist mir klar .Nur nach einiger Recherche habe ich einen Leitfaden zu leidensgerechten Berufen gefunden. Darin ist mehr oder weniger ein „Katalog“ aufgeführt, mit welcher Erkrankung man in welchen Arbeitsbereich tätig sein „darf“.

Wer  lieber in einem anderen Bereich rehabilitieren möchte – Pech gehabt! Dann gibt es eben keine Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben!

Innerhalb des Hilfeplangespräches war es mir nicht möglich mit fachlichen Argumenten gegen diesen Blödsinn anzukommen.  Obwohl eine individuellere Lösung nicht nur sinnvoller, sondern auch weit aus günstiger für die Kostenträger wäre…

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1 Antwort zu Rehabilitation Leidensgerecht

  1. Jürgen Bosbach sagt:

    Neulich dachte ich, eher schuldig zu werden, als ich in einen Hundehaufen treten könnte. Im Bereich beruflicher Rehabilitation geben Rententräger, die Agentur und Argen im wesentlichen die Regeln vor. Die fachliche argumentative Rückkoppelung über die sozialarbeiterische Sichtweise ist längst bedeutungslos geworden. Entscheidend sind Vermittlungszahlen für die es mitunter Prämien gibt. Ich bin seit 1990 als Integrationsfachdienst und später als Reha-Fachmann tätig. In diesem Zusammenhang begegnen mir überwiegend Menschen die 25 bis 35 Jahre Erwerbsarbeit durchlebt haben. Jetzt sind sie krank, gekündigt, schwerbehindert und verpflichtet eine „leidensgerechte“ Tätigkeit zu finden. Nur sehr selten jedoch sind Arbeitgeber trotz finanzieller Förderung bereit einen passenden Arbeitsplatz einzurichten. Folglich vermitteln wir mitunter in Arbeitsbedingungen, die wir selbst bei genauer Betrachtung für uns ablehnen würden. Von der Sozialarbeit wird das Unmögliche verlangt, nämlich so zu tun als würde eine gewinnorientierte Wirtschaft selbst soziale Verantwortung übernehmen. Die Tragödie ist die, wenn man Stellenanzeigen für Sozialarbeit auswertet, dass gerade die Bereiche beruflicher Wiedereingliederung nachgefragt werden. Manch einer unterliegt dann der Gefahr vom emphatischen zum Blockwart zu werden. Kurz, wir müssen von der Politik eine Sozialarbeit fordern, die das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen wieder achtet und nicht verlangt, unsere Kunden wieder in ein Arbeitslager einzugliedern. Das sind zugegeben harsche Worte. Aber welchen Sinn macht es, wenn wir Verhaltensanregungen zum Abbau von Dis-Stress anbieten und gleichzeitig existentiell beschissene Lebenslagen vermitteln?

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