Um wen geht es hier eigentlich?

Gestern telefonierte ich mit einer Bekannten, die im Altenpflegebereich tätig ist. Sie berichtete mir über einen Vorfall, der mich ziemlich erschütterte: Sie und ihre Kollegin hatten zusammen an einem Sonntag Dienst und haben sich während ihrer Pausen mit den alten Menschen beschäftigt und Spiele (z.B. Mensch ärgere Dich nicht) gespielt. Sie erzählte mir, dass diese richtig glücklich waren, dass sich einmal jemand mit ihnen beschäftigt und ein bisschen Abwechslung in den tristen Alltag kommt. Dieses (auch für sie) freudige Erlebnis erzählte sie ihrer Vorgesetzten, weil sie der Meinung war, dass solche Dinge mehr gefördert werden sollten und es nur zu einer Verbesserung der Lebenssituation der alten Menschen führt. Doch da hatte sie falsch gedacht und traf auf alles andere als Verständnis. Sie und ihre Kollegin wurden gefragt, wie sie es sich denn erlauben könnten an einem Sonntag, wo sie sowieso nur zu zweit sind und eigentlich keine Zeit haben dürften, sich in ihrer Pause noch der Freizeitgestaltung der Bewohner zu widmen! Das wäre nicht ihr Aufgabenbereich und dafür würden sie auch nicht bezahlt!

Ich frage mich in solchen Situationen immer: um wen geht es hier eigentlich? Um den Menschen anscheinend schon lange nicht mehr. Lasst doch die alten Leute vor sich hin vegetieren. Wer braucht denn schon den Umgang mit dem Personal, außer zum Waschen oder Füttern? Und wenn Mitarbeiter ihren sozialen Beruf auch einmal mit Leben füllen, dann ist das nicht gewünscht. Sie und ihre Kollegin fühlen sich jedoch allein gelassen, da die anderen MitarbeiterInnen nur hinter vorgehaltener Hand über die miserablen Zustände sprechen. Sie fühlt sich machtlos und im Stich gelassen, weil von Solidarität überhaupt nichts zu merken ist. Sie ist auch soweit, dass sie überlegt, das Arbeitsfeld zu wechseln. Ich musste ihr aber leider sagen, dass andere Bereiche der Sozialen Arbeit oder auch speziell im Pflegebereich nicht viel besser dastehen!

Zeitprobleme

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2 Antworten zu Um wen geht es hier eigentlich?

  1. ich sagt:

    Also glücklicherweise ist das nicht überall der Fall! In der Einrichtung in der ich arbeite gibt es extra Beschäftigungstherapeuten, die sich um die Bewohner kümmern und ich hab bis jetzt auch noch nix davon gehört, dass ich mich nicht mit meinen Bewohnern beschäftigen darf. Ich denke das is bei uns kein Problem. Aber ich denke es ist nur sinnvoll, wenn man am Wochenende mal mehr Zeit hat und sich mit den alten Menschen beschäftigt. Denn oft ist dafür keine Zeit, leider! Und die Pause zu opfern ist doch dann die Sache der Angestellten.
    Überall ist es anders, alles ist eben auch vom Geld abhängig heutzutage.

  2. m.s. sagt:

    hallo dh,
    habe mir erlaubt, den Witz etwas größer zu machen
    Ja, es ist unglaublich. Ich frage mich, ob der Vorgesetzte selber gemerkt hat, was er da machte?

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