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Öffentlichkeitsarbeit der kritischen Sozialen Arbeit - Fortsetzung

Grundprinzipien einer  Öffentlichkeitsarbeit, die zur  Veränderung des Bildes der Sozialen Arbeit führen soll


Vorbemerkung:
Das Bild der Öffentlichkeit, der anderen sozialen Fachkräfte und auch der Medien kann sich nur ändern, wenn die Profession und ihre Mitglieder anfangen, geschlossen, selbstbewusst, hochkompetent zu agieren und dieses nach außen zu tragen.

Die Veränderungen nach innen  (Schaffung von Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl der Professionellen) sind in gewissem Sinne Voraussetzungen für die Veränderung nach außen. Dennoch bleibt nichts anderes übrig, als beide Ziele zeitgleich zu verfolgen.
Andererseits sind manche Entwicklungen nach innen auch eine Art Reflex von Erfolgen und Veränderungen der Bedeutung nach außen.

1. Öffentlichkeitsarbeit muss ernst genommen werden

Öffentlichkeitsarbeit kann man nicht so nebenbei machen.

  • Es bedarf eines gewissen Zeit- und Kraftaufwandes, vor allem braucht man auch Ausdauer und Geduld.
  • Es ist sinnvoll, wenn sich Leute für die Öffentlichkeitsarbeit ihres Verbandes, ihrer Gruppe, ihrer Initiative spezialisieren. Auf diese Weise können sie besser Erfahren sammeln, Kontakte z.B. zur Presse aufbauen  und die Verteiler für ihre Öffentlichkeitsarbeit aufbauen, pflegen und ständig erweitern.
  • Wenn es um das Schreiben von Texten, um das Filmemachen geht und auch, wenn es darum geht, öffentlich aufzutreten, brauchen die Spezies für Öffentlichkeit ernsthafte Schulung und Fortbildung. Ebenso brauchen sie unbedingt die Unterstützung und Rückmeldung von ihrer Gruppe

 

2. Unsere Öffentlichkeitsarbeit muss wirklich unsere sein. Wir sollten Öffentlichkeitsarbeit im eigenen Interesse betreiben:


Wir müssen wegkommen von  einem Verständnis, dass es bei Öffentlichkeitsarbeit darum geht, einem imaginären Kunden das eigene Produkt zu verkaufen und es deshalb so darzustellen wie auf Werbeplakaten. Weg von der Schönfärberei der Berichterstattung – an Träger und Geldgeber aber auch an Öffentlichkeit. Nur dann wird man ernst genommen, wenn man die Souveränität hat, realistisch zu sein.

Öffentlichkeitsarbeit im eigenen professionellen Interesse heißt, 

  • Erfolge, Kenntnisse über Soziale Arbeit und auch die Problemlagen der Sozialen Arbeit ohne Verbrämung, ohne unangemessene Fallskandalisierung oder Falldramatisierung, aber auch ohne Verharmlosung und Verbrämung  nach außen zur Verfügung stellen,
  •  informieren über die Profession und über ihre Gefährdungen,
  •  regelmäßig Informieren, d.h., nicht nur punktuell und aus Anlässen heraus.

Beispiele:

  •  Kolummne in der Tageszeitung: “Neues aus der Sozialen Arbeit…”;
  •   Buch: “Tagebuch : Soziale Arbeit”  anonymisierte Schilderung von Fällen, von Erfolgen, von Schieflagen, von Behinderungen durch Sparauflagen, durch Strukturvorgaben)
  • “Schwarzberichte“ (statt oder parallel zu den offiziellen)
  •    Zeitschriftenbericht: Alltag einer Sozialarbeiterin

 

3. Negative Konnotation der Sozialen Arbeit bekämpfen durch positiv bewertete Begriffe

Wenn man das in der 1. Folge dieser Gedankenserie beschriebene Außenbild unserer Profession ansieht,  so sind die gegenwärtig wirkenden Konnotationen: !

“wirkungslos, zu teuer, kann jeder, brauche ich nicht….”

  • Beispiel für eine neue Konnotation, die der gegenwärtigen entwertenden Bedeutung entgegensteuert, wäre z.B. der Slogan:  „Soziale Arbeit: Qualität für uns alle.“
    Wenn man mit solchen Sätzen arbeitet, die eine neue, veränderte, positive und auch zur alten Bedeutung konträre Assoziation wecken, und dies konsequent und selbstbewusst tut, kann sich eine Bedeutung verändern und sogar umkehren (Beispiel: „Black is beautiful“).
    Wo könnte der Spruch “Soziale Arbeit: Qualität für uns alle” stehen, wie könnten wir ihn  in Umlauf bringen? auf Plakaten? als Buchtitel?
  • Beispiel:  Sozial Award – Preis für den unsozialsten Träger, die Stadt mit der größten ……


4. Inhalte konkret, verständlich, anschaulich vermitteln

Es geht in unserer Öffentlichkeitsarbeit nicht darum, uns als Fachdisziplin darzustellen, die so akademisch und wissenschaftlich ist, dass sie keiner versteht.

  •  Das heißt allerdings nicht, grundsätzlich keine Fachbegriffe zu verwenden und sich ausschließlich alltagssprachlich auszudrücken. Aber wenn wir sie benutzen, dass müssen wir sie erklären und erläutern, damit nachvollziehbar ist, was wir meinen.
  •  Eine freie Journalistin meinte vor kurzem auf die Frage, was wir schreiben sollen, damit man uns wahrnimmt und unsere Probleme auch erkennen kann: „Schreibt, was ihr im Alltag erlebt, was ihr tut, was ihr tuen möchtet, es aber nicht geht, weil ihr die Bedingungen nicht habt. Schreibt, was euch belastet, was euch Befriedigung und Freude in eurem Beruf vermittelt, was euch traurig macht oder aber verzweifelt, weil ihr nicht so arbeiten könnt, wie ihr esfür eure KlientInnen wünschen würdet. Schreibt endlich auf, was ihr bisher für euch behaltet, was ihr schluckt, wozu ihr schweigt.“
  • Wir müssen also das Bild selber prägen und inhaltlich bestimmen, das die Öffentlichkeit von uns hat.   Der Aufruf gilt: Macht für die Öffentlichkeit eure „Überlastungsanzeige“, die ihr nicht wegschicken könnt aus Angst vor Folgen und Einträgen in der Personalakte, schreibt für die Menschen draußen die ungeschönten Berichte, die ihr euch nicht traut, eurem Träger oder dem Amt abzugeben, beschreibt die Erfolge, auf die ihr eigentlich stolz seid, die aber keiner wissen will, weil es nicht die Erfolge sind, die erwartet werden….
  •  Bei alledem muss man sich natürlich durch Anonymisierung der Fälle, der Einrichtungen, der Städte etc. vor dem Vorwurf des Geheimnisverrates oder gar der Missachtung des Datenschutzes und dem informellen Selbstbestimmungsrecht der Klientel schützen.
    Hilfreich kann hierfür auch eine Organisation sein, die für solche Texte die Verantwortung übernimmt, die SchreiberInnen so als Einzelpersonen schützt und ggf. auch rechtlich unterstützt.  

 

Teil 2 Öffentlichkeitsarbeit der kritischen Sozialen Arbeit

Welche Ziele verfolgen wir bei unserer Öffentlichkeitsarbeit?

 1. Soziale Arbeit  soll von der Öffentlichkeit, der Fachöffentlichkeit und der Politik sowie den Medien zur Kenntnis genommen werden.

Dabei will Soziale Arbeit Achtung und Respekt für ihre Ausbildung und ihre Leistungen erfahren.

Es gilt zu informieren über die eigene Profession in folgendem Sinne:

  • Soziale Arbeit ist vorzustellen als das, was sie ist: akademisch, fachlich fundiert, differenziert, parteilich, engagiert
  • und was sie leistet (in welchen Bereichen macht sie was, wo mischt sie mit, wird aber nicht gesehen?) wie sie arbeitet (ihre Methoden, ihre Lösungen, die Komplexität der Problemlagen, die sie bearbeitet, gute Fall- und Arbeitsbeispiele)
  • sowie auch mit ihren aktuellen Problemlagen.
  • Es muss vermittelt werden, was Soziale Arbeit kann, was die anderen Berufe aber nicht können (Alleinstellungsmerkmale)
  • Es muss vermittelt werden, was Soziale Arbeit im Kern ist, welche methodischen und ethischen, welche theoretischen Grundlagen sie hat.·
     
    Gerade zuletzt Genanntes setzt allerdings voraus, dass die Professionellen selber diese Kenntnisse haben und von sich und den Potenzen und Kompetenzen der Sozialen Arbeit überzeugt sind und dass sie entsprechend qualifiziert arbeiten können.
  • Es muss vermittelt werden, dass wir Dinge können, die man erst lernen muss, die hohe Anforderungen mit sich bringen, die keineswegs jeder kann.
  •  Es muss vermittelt werden, dass Wirkung und Erfolg nicht so platt zu definieren und so einfach zu erreichen sind, wie es sich die Politiker vorstellen.

2. Soziale Arbeit soll als die „Expertin für Soziales“ erkannt, genutzt, geachtet, geschätzt werden.

  • Es muss klar werden, dass wir  mit sozialen Problemen und deren Ursachen und Lösungen täglich zu tun haben
  • Es muss deutlich gemacht werden, dass wir in allen sozialen Fragen die Verbindung zur Wirklichkeit der Betroffenen halten und gleichzeitig professionelle Einsichten zu den Hintergründen und den Lösungsansätzen entwickelt haben.
  • Wir müssen der Öffentlichkeit und der Politik - aber auch unseren möglichen gesellschaftskritischen Bündnispartnern -  klar machen, dass wir eine gesellschaftliche Kraft sind, die sich für soziale Gerechtigkeit aktiv einsetzt und für Chancengleichheit, für Teilhabe aller und die für die Verhinderung  gesellschaftlicher Tendenzen wie Ausgrenzung, Diffamierung der sogenannten „neuen Unterschicht“ , die immer weiter auseinandergehende Schere zwischen Arm und Reich usf.
  • W ir müssen klar machen und beweisen, dass wir in der Lage sind – trotz unserer Abhängigkeit vom Geldgeber Staat -   kritisch auf die bestehenden Verhältnisse zu schauen.  

3.  Die Öffentlichkeit soll dafür sensibilisiert werden,   

  • dass die Soziale Arbeit zurzeit bedrängt und durch verschlechterte Rahmenbedingungen gehindert wird,
  • dass sie trotz immer ungünstiger werdender Bedingungen versucht, für ihre Klientel das Beste daraus zu machen,
  • dass wir sehr viel mehr könnten und bewirken könnten, wenn man uns wirklich ließe,
  • dass die voranschreitende Veränderung und Verkürzung der Sozialen Arbeit den Betroffenen (und das sind potentiell sehr viele) schadet.
  • Es muss vermittelt werden, dass Menschen nicht der Effizienz und den Gesetzen des Marktes unterworfen werden dürfen.

Damit soll  in der Öffentlichkeit eine Basis entstehen, auf der die gegenwärtigen Problemlagen und Gefährdungen, Kämpfe und Forderungen der kritischen Kräfte verstanden werden können und ihre Rechtfertigung mitgetragen wird.

professionelles Selbstbewusstsein - wie können wir das erreichen - Fortsetzung

Fortsetzung Berufsidentität und professionelles Selbstbewusstsein

ZIELE UNSERER IDENTITÄTSARBEIT

  •  Es muss also darum gehen, Selbstbewusstsein zu entwickeln, solidarische Zusammenschlüsse zu fördern, Konkurrenz zwischen InteressenvertreterInnen abzubauen, solidarische Handlungsformen zu  lernen.
  •  Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die theoretische Vermittlung mit dem Inhalt „Was ist Soziale Arbeit“. Dies darf  aber  nicht abstrakt bleiben und isoliert stehen gelassen  werden, sondern mit ganz konkret mit Praxiserfahrungen verknüpft werden.
  • Professionelle sollten in der Lage sein, die Autonomie der eigenen Profession in der Praxis einklagen zu können. Das erfordert nicht nur Selbstbewusstsein und Mut, es erfordert auch Argumentationsfähigkeit und das konkrete Wissen um Zusammenhänge und Hintergründe
  • Ganz wichtig ist es, die VertreterInnen der Theorie dazu bringen, sich der Praxis zuzuwenden und Hilfestellungen für die Identitätsbildung zu geben.

 1. AKTEURE  im Kontext der Entwicklung einer selbstbewussten beruflichen Identität als Soziale Arbeiterinnen

Es fängt zweifellos mit der AUSBILDUNG an der Hochschule an:

  •   Es wäre die Aufgabe der Hochschule,  im Rahmen des Studiums auch so etwas wie Stolz auf das eigene Fach und auf die spezifische berufliche Aufgabe zu vermitteln und die berufliche Identität zu fördern.
  • Das ist schwierig, wenn den Studierenden nur und im Wesentlichen von  WissenschaftlerInnen der Bezugswissenschaften Bilder über Soziale Arbeit übermittelt werden, ohne dass es eine klare „Führungsrolle“  der Disziplin Soziale Arbeit selber und ihrer VertreterInnen im Rahmen der Ausbildung zur Sozialarbeiterin gibt.
  • An den Hochschulen sollten die Vorstellungen der Bezugswissenschaften (z.B. Recht, Psychologie, Sozialmanagement) auf der einen und die Aussagen der Disziplin Soziale Arbeit auf der anderen Seite mit den Studierenden zusammen diskutiert und hinterfragt werden.
  • Auch die Vermittlung der Kernelemente Sozialer Arbeit und ihre Bedeutung muss natürlich im Rahmen der Ausbildung eine zentrale Stelle einnehmen, damit für die Studierenden ihre Profession selber überhaupt erkennbar und wiedererkennbar wird.
  •  Auseinandersetzungen, Argumentationen im Umgang mit verwaltungs- und betriebswirtschaftlich ausgerichteten Anforderungen und Vorstellung der Praxis müssten schon an den Hochschulen geübt werden.
  •   Und schließlich sind die Hochschulen auch der Ort, wo gemeinsames Handeln, Solidarität statt Konkurrenz und die Erfahrung des „Gemeinsam sind wir stark“ im alltäglichen Hochschulalltag und in gezielten Projekten  erfahren, entwickelt, gestärkt werden könnte.

 Die WISSENSCHAFT

hat  im Zusammenhang mit Berufsidentität und professionellem Selbstbewusstsein der Sozialen Arbeit eine wichtige Rolle. Je mehr sie dazu bereit ist, nicht distanziert über die Praxis zu forschen und sinnieren und sie nicht nur zu analysieren, sondern für eine wissenschaftlich geleitete, sozialwissenschaftlich geerdete professionelle Praxis ist der Fachwelt und der Öffentlichkeit gegenüber aufzutreten, des leichter wäre es für PraktikerInnen, sich als selbstbewusste Professionelle zu erleben und zu verhalten.

 Die PRAXIS aber muss selber anfangen,
sich zu rühren, das eigene Selbstbewusstsein zu entwickeln und zu zeigen.   

  • Für PraktikerInnen ist es eine schwere Aufgabe und  eine zusätzliche Belastung, diesen Schritt zu gehen. Alle sind bis unter die Augenlider eingespannt und rennen ihren Alltagsaufgaben hinterher. Keiner will kritische Worte hören oder sprechen. Dazu bleibt gar keine Luft.
  • Und dennoch hängt die Zukunft unserer Profession Soziale Arbeit (verstanden als den Menschen zugewandte Profession und nicht als sozialpolitische Dienstleistung für die Hüter des Humankapitals) davon ab, ob PraktikerInnen sich aufraffen, das verschüttete Selbstbewusstsein wiederfinden und verbreiten, den Anforderungen aus der neoliberalen und damit aus der ökonomisierten Denk-Ecke wiederstehen lernen und die Autonomie ihrer Disziplin und Profession  einklagen lernen.      
  • Das A und O auf diesem schwierigen Weg ist es, ob es kritischen PraktikerInnen gelingt, sich auf den unterschiedlichsten Ebenen und in allen möglichen Zusammenhängen zu vernetzen und gemeinsam zu agieren.
  • Es gilt, sich zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen, Informationen schnell weiterzugeben, kritische Initiativen und kritische Interessenvertretungen zu stärken oder zu gründen, Aktionen anzuregen, anzuleiten, Bündnisse zu schließen, gemeinsame Konzepte und Statements zu entwickeln.·
  • Es geht darum, dass sich die kritischen VertreterInnen unserer Profession zunehmend und immer lauter und mit einer Stimme zu Wort melden -  sowohl an ihren konkreten Arbeitsplätzen als auch in gesellschaftlichen Zusammenhängen und Diskussionen.

2. RESSOURCEN  und WEGE

zur Entwicklung einer selbstbewussten beruflichen Identität als Soziale Arbeiterinnen

Zusammenschlüsse

  • Arbeitskreise kritische Soziale Arbeit
  •   Gewerkschaften
  •  Berufsverband
  •  Gilde Soziale Arbeit e.V.
  •  Bündniss, regionale (z.B.: Jugend verschwindet in Berlin, Bremerbündnis) und überregionale  (z.B. Bündnis Kinder- und Jugendhilfe – für Professionalität und Parteilichkeit)
  • Fachverbände      

und auch jede informelle Form des Zusammenschlusses –

  • vom Sozialarbeiter –Stammtisch bis hin zum
    Unabhängiges Forum kritische Soziale Arbeit (www.einmischen.com)

 
Vermittlungsebenen und Instanzen

  • Hochschulen,
  •  Bundeskongress in Hamburg 13.-15.9.2012
  • Kritische Ringvorlesungen
  •   Vorträge
  •   Lehraufträge
  •    Tagungen
  •     Workshops

 Internetpräsens, die das gemeinsame Anliegn und die Identität als Sozialarbeitende stärkt

 

Aktionen um Präsens zu zeigen,

z.B.:

  •   Projekt „Tagebuch Soziale Arbeit“ (s. www.einmischen.com“)
  •   Tag der internationalen Sozialen Arbeit März 2013
  •    Aktion Soziale Arbeit in Berlin: 19.Oktober 2012
  •    Demonstrationen
  •    Kundgebungen
  •    Mahnwachen
  •    Unsichtbares Theater usf.

Teil 1 Berufsidentität und gemeinsames Berufsverständnis in der Sozialen Arbeit

Gedanken zur Analyse des Iststandes:
Berufsidentität und gemeinsames Berufsverständnis in der Sozialen Arbeit

Das Selbstbewusstsein des einzelnen Sozialarbeitenden ist eher gering (keine vertiefte, “nur” breite Ausbildung, nur “kleiner Psychologe“…, Identifikation mit der abgewerteten Klientel, geringer Status, Einkommen zum Teil am Existenzminimum, kein Bewusstsein von der eigenen beruflichen Autonomie…, Professionelle stellen sich in der Praxis oft Laienarbeit gleich, haben Hemmungen, sich als Professionelle darzustellen.

Der Zusammenhalt als Berufsgruppe ist oft sehr schlecht. Jeder kämpft so zu sagen für sich allein. Der Organisationsgrad in Gewerkschaften ist ziemlich gering. Der Berufsverband ist den KollegInnen eher unbekannt.
Deshalb gibt es auch keinen, der für die Profession sprechen kann, der sie nach außen inhaltlich, fachlich und berufspolitisch vertreten kann.
Schon die in Sachen Soziale Arbeit „engagierten“ Gewerkschaften bilden selber die Zerrissenheit und Marginalität der Sozialen Arbeit ab, s. GEW, s. ver.di
Es gibt dagegen unglaublich viele fachspezifische Zusammenschlüsse.

Arbeitsbereiche der Sozialen Arbeit gegeneinander auszuspielen ist auf diesem Hintergrund ein Leichtes.

Es gibt kaum ein Verständnis von „der“ Sozialen Arbeit. Die meisten PraktikerInnen würden ihre Arbeit arbeitsfeld- oder zielgruppenspezifisch benennen und beschreiben. KollegInnen aus voneinander weit entfernten Arbeitsfeldern haben nicht mehr den Eindruck, den gleichen oder gar denselben Beruf auszuüben.

Die theoretischen, ethischen und methodischen Kernelemente der Profession werden von den PraktikerInnen nicht mehr wahrgenommen, bestenfalls als ein dahinterstehendes, gut gemeintes Konzept, das aber nicht trägt.

Soziale Arbeit hat deshalb nur wenig Halt in sich. Soziale Arbeit nimmt oft einfach die Form und Gestalt an, die ihr von außen angeboten oder auch vorgeschrieben wird. Es gibt kein Selbstverständnis beruflicher Autonomie.

Nicht wenige Sozialarbeitende glauben selber nicht an ihre Professionalität und arbeiten aus dem Bauch heraus mit wenig oder eher zufälliger Qualität. Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit klaffen auseinander.
Die Theorie hält sich zurück, wenn es darum geht, Praxis zu orientieren. Theorie ist außerdem natürlich selber in unterschiedliche Positionen gespalten.
Damit bleibt die Kraft und bleiben die Chancen der Theorie für die Orientierung, Profilierung der Praxis nach außen ungenutzt.

 


 

Öffentlichkeitsarbeit in der Sozialen Arbeit

Aufgaben und Problemstellungen der Öffentlichkeitsarbeit der Sozialen Arbeit,


mit diesem Thema werde ich mich in den nächsten Blogbeiträgen befassen.

Ausgangsgedanken:

Das Bild der Sozialen Arbeit in Öffentlichkeit, Politik, in den Medien oder auch bei KollegInnen anderer sozialer Berufe ist nicht das Bild, das wir selber von uns haben.

Die Öffentlichkeit sieht die Soziale Arbeit in großen Teilen so: “Soziale Arbeit kann jeder, sie wirkt nicht, ist viel zu teuer, man braucht dafür keine Ausbildung, das sind keine Fachleute, da gehe ich lieber gleich zu …

Die problematische, aktuelle Entwicklung in der Sozialen Arbeit wird deshalb auch meist als notwendige Modernisierung, als erforderliches Zurechtstutzen von Auswüchsen gesehen nach dem Motto: “Der Staat sorgt endlich mal dafür, dass diese Verschwendung aufhört….”

Die Medien verbreiten im Wesentlichen folgendes Bild: Soziale ARbeit in ihrem Alltag ist nicht interessant, sie ist  nur bei Skandalen spektakulär genug. Aber sie  ist geeignet sich durchaus fürs Fernsehnachmnittagsprogramm. Die Medien transportieren und bestätigen weitgehend das Bild, wie es in der Öffentlichkeit in weiten Teilen schon herrscht:
Die eigentliche Profession Soziale Arbeit wird nicht zur Kenntnis genommen, wird negiert, ihre Existenz wird unterschlagen, manchmal wird sie direkt geleugnet und  ihre Leistungen werden anderen Berufsgruppen zugeschlagen.

Die kritischen und sozial engagierten Medien handeln meistens leider nicht viel anders. Hinzu kommt, dass sie  - da sie die Soziale Arbeit nicht wirklich richtig wahrnehmen – auch deren Bedrohung nicht ernst nehmen und nicht kapieren, dass es sich bei der Berufsgruppe und ihren kritischen VertreterInnen um einen Teil der kritischen Bewegung dieser Gesellschaft  handelt. Damit bringt sich die linke, kritische  Bewegung um Akteure, die in ganz besonderem Maße von ihrem Aufgabenfeld her geeignet wären, gesellschaftliche Analysen zu leisten und Forderungen zu untermauern.

In der Politik wird die Soziale Arbeit heute als Besitzstand der Politik und der Verwaltung verstanden, die man ganz konkret zur Umsetzung neoliberaler, kostenreduzierender und neokonservativer Absichten nutzen kann.
Die kritischen Kräfte sind aus ihrer Sicht die „Ewig Gestrigen“.
Die Politik versagt der Profession ihre Autonomie, verleugnet das Doppelte Mandat – und sitzt am Hebel, weil sich Soziale Arbeit nur aus Steuermitteln finanzieren kann, da ihr AdressatInnen sie nicht kaufen können und weil ihre AdressatInnen sie auch gar nicht kaufen würden.
Da das oben beschriebene Bild in der Öffentlichkeit besteht, der Sozialarbeiterberuf in der Öffentlichkeit über kein klares Profil und über keine öffentliche Anerkennung und Achtung verfügt,  da es also keine Lobby für Soziale Arbeit gibt, da die Medien die Forderungen der Politik eins zu eins umsetzen und vor allem auch, da die Profession sich nicht wehrt, sich nicht mit einer Stimme zu Worte meldet und weil sie nicht über ein professionelles Selbstbewusstsein verfügt – ist es für die Politik ein leichtes, ihre Modernisierungsabsichten durchzusetzen.

Die weitere Fachöffentlichkeit (verwandte Berufsbereiche wie Lehrer, Ärzte, Sozialrichter, Psychologen) sieht in der Sozialen Arbeit keine eigene Profession, sondern eine eklektizistische vorgehende, nur begrenzt ausgebildete Truppe, die man als Hilfskräfte einsetzen kann. SozialarbeiterInnen sind keine FachkollegInnen, mit denen man auf Augenhöhe sprechen und verhandeln wird.

Folgerung:

  • Folglich ergibt sich als dringende Aufgabe der Profession Soziale Arbeit - ganz besonders in der derzeitigen Auseinandersetzung - dass sie daran arbeitet, das Bild der Sozialen Arbeit nach außen verändern.
  • Parallel dazu aber müssen wir an dem schlechten Zustand der allgemeinen Berufsidentität arbeiten und an dem oft viel zu geringen Selbstbewusstsein der PraktikerInnen. 

In den folgenden Texten möchte ich mich deshalb zunächst mit der notwendigen Berufsidentität in unserer Profession auseinandersetzen.

Anschließend mache ich mir Gedanken zu den Zielen, Aufgaben und Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit Sozialer Arbeit.

es folgt demnächst Teil 1:
Berufsidentität und gemeinsames Berufsverständnis in der Sozialen Arbeit - Analyse Iststand

 

Krawalle der Ausgegrenzten

Was ist in England los?

Da greifen Menschen zu Chaos und Gewalt, nehmen sich “einfach”, was sie haben wollen, negieren jede Grenze und jede Regel und lassen - offenbar ohne Skrupel - über dieses Land das Chaos hereinbrechen. Die Bilder erschrecken. Man möchte nicht dabei sein. Und auch auch als Sozialarbeitende steht man mit Grausen vor dem Desaster, dass Menschen so verrohen können, dass sich Gewalt so sinnlos äußert.
Es fällt schwer angesichts der brennenden Häuser einen klaren Kopf zu behalten und kritisch zu sehen, dass hier Menschen auf Lebensverhältnisse reagieren, die ihnen nichts zu bieten haben als Armut, Ausgrenzung, Perspektivlosigkeit und strukturelle und kulturelle Gewalt, die ihnen aber gleichzeitig  von früh bis spät vorgaukeln, dass das persönliche Glück das einzige Lebensziel und materieller Reichtum der einzige Sinn des Lebens sei. Die Medien und die Werbung belügen und betrügen sie von morgens bis abends und machen ihnen die Erreichbarkeit aller Konsumgüter vor. Aber sie können nicht teilhaben. Sie stehen vor dem hellerleuchteten Schaufenster des Reichtums ihrer Gesellschaft. Aber sie dürfen nicht rein. Klar, dass sie irgendwann nicht mehr einsehen, dass sie draußen stehen bleiben sollen.  Sie wachsen in einer Atmosphäre der Verachtung, des Hasses und der Gewalt auf, nicht weil das alles von vorneherein in ihnen steckt, sondern weil ihnen genau so begegnet wird.
Im Grunde muss man sich wundern, dass sie so lange warten, bevor sie ausbrechen.
In Deutschland zerbrechen sich nun sofort alle Leute die Köpfe darüber, ob uns hier auch so ein Ausbruch der ausgeschlossenen, ausgestoßenen und verachteten Gesellschaftsteile bevorstehen könnte.

  • Nein, sagen einige, bei uns sind doch alle integriert, wir sorgen schon dafür, dass sie es sind und wir halten sie doch still mit unserem Geld, wir versorgen sie doch ausreichend.

Eine ziemlich freche Position, finde ich, zynisch eigentlich in einem Land, w0 Integration zu einer Bringeschuld umdefiniert wurde und über Centbeträge gestritten wird, die Kinder brauchen oder nicht brauchen für eine menschenwürdige Entwicklung.

  • Doch, sagen die anderen,  bei uns gibt es genauso Ausgegrenzte, Menschen, die Wut ansammeln könnten über ihre schlechten Lebensbedingungen, Wut auf die satte Gesellschaft, die sie einfach an den Rand schiebt, Wut auf eine Gesellschaft, die ihnen nichts zu bieten hat und ihnen einfach voller Verachtung  den Rücken zukehrt.

Aber dann folgt meistens gleich die Aussage: Wir brauchen mehr Polizei zm Schutz vor diesen Gewalttätern und Plünderern, vor drohenden Krawallen und Gefahren.

Wenn ich vielleicht eine Sekunde lang geglaubt haben sollte, gehofft habe, dass da also doch endlich einmal  Leute sind, die  zur Kenntnis nehmen, dass eine Spaltung durch diese Gesellschaft läuft, dass die Gesellschaft wirklich einen ganz schön großen Teil  ihrerMenschen ausgrenzt und dass diePolitik aktiv und aggressiv an dieser Ausgrenzung beteiligt ist - schon im nächsten Moment wird mir klar:

Die Soziale Benachteiligung eines Teils der Bevölkerung wird von solchenLeuten zwar konstatiert, aber nur als logistisches Problem, als Risiko, als einzukalkulierende Störung unseres Wohlstandes und unserer Ruhe betrachtet: Wie können wir dieses Risiko eindämmen? Wie können wir uns schützen? Wie können wir möglichst präventiv solche Leute aussondern? Wieviel Polizei brauchen wir? usf. Und es wird selbstverständlich davon ausgegangen, dass dieser Ausgrenzungsprozess zwar vielleicht problematische Folgen hat, dass er aber unvermeidbar ist und in Zukunft, bei noch knapperen Mitteln, noch massiver werden könnte.
Keine, fast keine Stimme sieht die eskalierende Situation als Beweis für die Notwendigkeit, diese Ausgrenzung zu beenden,sSoziale Benachteiligung abzuschaffen, die Lebensbedingungen dieser Menschen menschenwürdig zu machen. Niemand ist bereit oder kann es sich auch nur vorstellen, dass  Politik und die sie dominierende Wirtschaft die grundlegenden Ursachen dieses Risikos beseitigt, zum einen von mir aus, um sich selber zu schützen, zum anderen aber natürlich, um diesen Menschen Menschenwürde und Gerechtigkeit zu teil werden zu lassen.
Es ist tatsächlich so:
Heute geht es nicht mehr um den Schutz der Armen vor der Gesellschaft, sondern nur um den Schutz der Gesellschaft vor den Armen.
Und wo steht da die Soziale Arbeit? Wo soll und wo darf sie stehen? Und wo will sie stehen?

Unsere verrohte, unmenschliche Welt sollte sich wirklich nicht wundern, wenn es aus dem Wald so herausschallt, wie hineingerufen wurde.

In Berlin hat ein neues AKS Treffen stattgefunden

Am vergangenen Donnerstag haben sich 16 Leute zum ersten AKS Treffen in Berlin eingefunden. Etwa die Hälfte der TeilnehmerInnen waren in Bachelor- oder Masterstudiengängen involviert, die anderen kamen aus der Praxis. Zwei Hochschullehrerinnen waren auch da.
Schön war, dass die Gruppe sich alle Zeit der Welt genommen hat, um in der Runde die verschiedenen Sichtweisen und Kritikpukte der Einzelnen anzuhören und dann auch darüber zu sprechen. Die Atmosphäre war angenehm und locker. Niemand hat versucht, sich in den Vordergrund zu spielen.(Die beiden Hochschullehrerinnen haben sich zumindest darum bemüht). :)

Die Gruppe hat sich darauf geeinigt, sich in Zukunft ein mal im Monat zu treffen und zwar in der Regel am letzten Montag im M0nat.
Die nächsten Termine sind:
01.9.2011 um 19.30 Uhr  Kinzigstr. 9 (ausnahmsweise an einem Donnerstag)
26.9.2011 um 19.30 Uhr Kinzigstr. 9

Eine interessante Erfahrung und ein vielversprechender Start!

Die Studierenden, so fiel mir auf, waren durch die Bank unzufrieden mit den unkritischen Lehrinhalten und der oberflächlichen und neoliberal angepassten Konzeption der Sozialen Arbeit. Sie möchten sich gerne mit Fragen auseinandersetzen wie: Was ist eigentlich Soziale Arbeit, wie kann bzw. könnte sie aussehen unter anderen gesellschaftlichen und sozialpolitischen Bedingungen? Die anwesenden PraktikerInnen schlagen sich Tag aus Tag ein mit den Ärgernissen vor Ort herum: mit den prekären Arbeitsverhältnissen, unter denen sie selber leiden, mit den zu knappen Zeitkontingenten, den vorgeschriebenen methodischen Zugängen, die es kaum ermöglichen, KlientInnen wie Menschen zu behandeln und ihnen respektvoll zu begegnen usf. Sie wollten versuchen, solche Bedingungen zu bennen, dagegen Schritte zu ergreifen, die Öffentlichkeit zu informieren, sich mit der Politik und der Verwaltung darüber argumentativ auseinander zu setzen.
Auf den ersten Blick sah es aus, als gäbe es zwei verschiedene Interessenschwerpunkte, die man nicht unter einen Hut bekommen würde.  In der Diskussion wurde bald klar, dass die praktischen Probleme nicht wirklich angegengen werden können, wenn die politische, theoretische und fachlich-wissenschaftliche Basis nicht wirklich geklärt wurde. Und umgekehrt macht das Herunterbrechen der theoretischen Überlegungen auf ganz konkrete Probleme und Situationen aus der Praxis diese Überlegungen erst nützlich und sinnvoll.
Die Gruppe will jetzt beides machen: sie will theoretische Fragen diskutieren und gleichzeitg immer auch gemeinsame Strategien für konkrete Probleme der Praxis erarbeiten und in die Tat umsetzen. Der Versuch, sich weiter und umfassend zu vernetzen, mit KollegInnen zu diskutieren und bei den eher Unpolitischen und Angepassten Aufklärung zu betreiben, sowie der Versuch, mit Öffentlichkeitsarbeit auf die Probleme aufmerksam zu machen, sind weitere Arbeitsaufgaben, die die Gruppe sich gesetzt hat.

Die Gruppenmitglieder waren durchweg an einer kritischen Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Sozialen Arbeit interessiert und suchten für sich dringend Gleichgesinnte und einen Ort, wo sie über diese Fragen offen und angeregt reden können.

Man kann gespannt sein, wie es weiter geht.

eine, zwei, drei, viele Organisationen der Sozialen Arbeit?

Wer vertritt Sozialarbeitende gewerkschaftlich: der DBSH, die GEW oder ver.di? Ich denke alle, jeder für sich?

Wer vertritt die Soziale Arbeit fachpolitisch : der DBSH, die Gilde Sozialarbeit e.V., die Arbeitskreise Kritische Soziale Arbeit, die Fachverbände, die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit. ……..

Es gibt so viele Fachverbände wie Arbeitsfelder, so viele Gruppierungen wie Interessenvarianten, es gibt eigentlich niemanden, der für unsere Profession sprechen kann, wenn es darauf ankommt. Und es kommt darauf an.

Auf unserer Tagung - aufstehen - widersprechen - einmischen -  neues-bild-spirale-1.GIF
wurde viel über diese Frage und dieses Problem gesprochen und diskutiert.

Bei den festgehaltenen Ergebnissen die in den 9 Workshops erarbeitet wurden, tauchte das Thema immer wieder auf:

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Zitate von den Wandzeitungen:

“Wir brauchen ein organisatorisches gemeinsames Dach, so etwas wie ein Solidarisches Bündnis Soziale Arbeit”

  • Es ist wichtig, dass Soziale Arbeit mit einer Stimme spricht.

  •  Die Zerstückelung der Identität spiegelt sich in der Zerstückelung der Organisationen wieder.

  • Wie kann man es schaffen, die Zersplitterung der Sozialarbeiterischen Organisationen und Vertretungen ohne Konkurrenz und Kämpfe, unter einen solidarischen Hut zu bekommen?

Was könnten wir dafür tun?

  •  Innerhalb unserer Organisationen über regionale Grenzen hinweg zusammenschließen und zusammenarbeiten.
  • Im eigenen Verband, Gewerkschaft etc. aktiv werden in Richtung Vernetzung ud langfristig : Solidarisches Bündnis
  •  Überall Versuche von Bündnissen und Formen der direkten Zusammenarbeit verschiedenster Organisationen (DBSH, Ver.di, GEW, Gilde, AKS u.a.) herstellen.

Es geht nicht darum, dass einer von den vorhandenen Organisationen und Verbänden sich den Hut aufsetzt, sondern darum, dass wir in eine intensisve Phase der Vernetzung und Zusammenarbeit eintreten und schließlich immer wieder und immer mehr  Bündnisse schließen, die als Bündnis einer solidarischen Sozialen Arbeit nach außen hin erkennbar sind und von der Öffentlichkleit und Politik respektiert werden.

Ist es denn wirklich so schlimm?

“Ist es denn wirklich so schlimm”, fragen mich ZuhörerInnen, LeserInnen, Studierende. “Finden Sie nicht, dass sie alles nur schwarz malen. Das hilft doch keinem!”

· ·      “Bei uns ist es gar nicht so, bei uns können wir noch richtig gut arbeiten”.(Gut sage ich, wunderbar, seien sie froh!).
Wir haben uns anständige Bedingungen erkämpft. Jetzt können wir wirklich Soziale Arbeit machen. Es geht doch!” (Wunderbar sage ich, wie haben Sie das gemacht. Erzählen Sie, damit alle es hören, sozusagen “best practice” im Bereich Widerstand!).

Solche Reaktionen höre ich durchaus, wenn ich die Folgen der Ökonomisierung und neoliberalen Politk für unsere Profession darstelle.

Aber z.B. auch solche:

 ”Was solls, so ist das eben heute. Wenn wir uns darüber ständig grämen, verlieren wir noch die letzte Lust an unserem Beruf. Es ist doch auch nicht alles schlecht.

Wenn die mit so was kommen, dann unterlaufen wir solche Tendenzen. Wir machen einfach doch, was wir für richtig halten.”

Viele versuchen, die Wirklichkeit in ihrem sozialpädagogischen Alltag irgendwie zu verschönern, sich einzureden, alles sei gar nicht so schlimm oder man könnte z.B. doch einfach die ganze Ökonomisierung hinters Licht führen. Sie versuchen vor dem die Augen zu verschließen, was angeblich bisher nur droht oder auch auch vor dem, was ohnehin unveränderbar scheint.

Ich halte das für unangemessen.
Denn die Lage der Profession Soziale Arbeit  es ist schlimm. Es stellt sich aus meiner Sicht und Erfahrung  ganz ernsthaft die Frage: Sind wir noch zu retten? Bzw. müssen wir uns und die Profession retten? Es besteht nicht etwa nur eine vage Gefahr. Besteht bereits eine Notlage?
Auch wenn (noch) nicht überall die massiven Folgen von Vermarktlichung und neoliberaler Sozialpolitik in der Sozialen Arbeit zu erkennen sind gibt und wenn nicht überall alle ihre Aspektegleichermaßen deutlich  zum Tragen kommen - aus meiner Sicht geht es nicht mehr nur um mögliche Gefahren, “wenn man nicht aufpasst”. Es ist schon passiert. Wir haben nicht aufgepasst?

Viele Wissenschaftler und sogar  hellsichtige, kritische Vertreter der Sozialverwaltung (die es durchaus gibt) konstatieren die Tendenzen und Absichten der Ökonomisierung und die Herausforderungen des aktivierenden Staatessehr sehr wohl, stellen sie aber meist nur als mögliche Gefahren dar. Mehr sehen und sagen sie selten. Wenn man ihnen zuhört, könnte man meinen, sie möchten vor irgendwelchen, eher unwahrscheinlichen Irrungen warnen, sind aber guten Mutes, dass ihre Warnung gar nicht nötig ist. Dass es sich um Fakten, um längst eingetretene Gefährdungen handelt, bleibt im Ungewissen.
Manchmal frage ich mich deshalb, ob es  „höheren Ortes“ wirklich die Illusion gibt, das sei alles noch nicht Realität, nur Gefahr?

 

Ich halte es für nötig, der Wirklichkeit ohne Beschönigungsversuche ins Gesicht zu sehen. Nur wenn ich die Lage begreife, sehe ich die Notwendigkeit, etwas dagegen zu tun.

 

Ohnmacht oder Unbehagen an der Wirklichkeit?

noch ein Splitter von der letzten Ringvorlesung  “Das Politische im Sozialen” an der FH Jena:

Bei der anschließenden Diskussion meinte ein Teilnehmer, dass ihn all diese Analysen und Enthüllungen immer ohnmächtiger machten.
Kollege Kessl antwortete, dass - ganz im Gegenteil - seiner Erfahrung nach Reflexion und Wissen über die Hintergründe von Problemlagen eher Mut machen und Ansätze für aktive Gegenwehr ermöglichen.
Der Frager blieb unzufrieden. Er erwartete offenbar konkrete Hilfe für den Versuch, die eigene Ohnmacht zu überwinden.

Ich musste daran denken, dass es immer wieder LeserInnen meines Schwarzbuches gibt, die sagen: “Ja, sie haben ja  Recht, aber das ist einfach unerträglich. Wenn ich mich damit befasse, verliere ich die Freude an meinem Beruf oder auf meinen Beruf. Dann wird alles wertlos und sinnlos und ich fühle mich einfach beschissen. Das tut mir nicht gut. Sagen sie doch mal was Aufbauendes, was Schönes!”

Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass das gar nicht das Ohnmachtsgefühl ist, was hier so stark und so unangenehm erlebt wird. Es ist das massive und unausweichliche Unbehagen an der Wirklichkeit, die man bisher so vielleicht nicht wahr haben wollte und vor der man sich hat schützen können und der man nun gezwungen ist, voll ins Gesicht zu sehen.

Dieses Unbehagen aber ist unumgänglich. Es ist unangenehm, es setzt einem vielleicht zu. Aber es ist absolut angebracht, wenn man sich die Situation wirklich ansieht. Es ist eine durchaus angemessene Rekation auf die gegenwärtige Lage. Die kann einen nicht froh machen. Die kann einem eher Angst machen. Und solche Gefühle hat keiner gerne. Aber es kann keinem erspart werden.
Man wird in der Regel  erst wach und bereit, etwas zu tun, Widerstand zu leisten, sich zu engagieren, wenn man begreift - und nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem ganzen Menschen- , wie problematisch die gegenwärtige Situation in der Sozialen Arbeit, in der Sozialpolitk, in der öffentlichen Meinung, in der immer weiter auseinanderdriftenden Gesellschaft ist.
Das alles ist freilich eine Situation, die nicht durch Händeklatschen oder einmal den Mund aufmachen zu beseitigen ist. Der Versuch, etwas zu ändern, kostet Kraft und braucht einen sehr langen Atem. Ohnmächtig sind wir nur, wenn wir erwarten, dass sich etwas ändern kann, auch wenn wir nichts weiter dafür tun.

Wenn man sich aber entschließt, nicht mehr die Augen zu verschließen und auch nicht mehr passiv zu leiden, dann verschwindet dieses Unbehagen und es stellt sich Empörung ein und Lust darauf, dagegen zu setzen. Und das Gefühl der Ohnmacht weicht.