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Archiv der Kategorie Diskussion

Nutzen oder Schaden durch das New Public Management?

ein anderer Splitter von der letzten Ringvorlesung “Das Politische im Sozialen” an der FH Jena:

Fabian Kessl, der sich in seinem Vortag mit der “Neuen Steuerung” beschäftigte, stellt am Ende die Frage, ob die Einführung des New Public Management denn die Erwartungen erfüllt habe, die bei ihrer Einführung daran geknüpft wurden von vielen Sozialpädagogischen Fachkräften und Wissenschaftlern: die Enthierachisierung der Sozialen Arbeit z.B. in den Ämtern, mehr Bürgernähe und Bürgerbeteiligung, mehr Phantasie und Ideen in der Sozialen Arbeit, mehr Anerkennung durch die Gesellschaft, mehr Qualität usf.
Er kam zu der Antwort, dass das nicht der Fall sei, dass heute selbst die Verfechter des New Social Managements zugeben müssen, dass die meisten Erwartungen unerfüllt blieben.

Ich frage mich, ob das die entscheidende Frage ist, die man stellen kann.

Gut zu wissen, dass selbst diese Erwartungen  nicht erfüllt, ja zum Teil sogar konterkariert wurden.
Aber die entscheidende Frage bei der Bewertung des Sozial Managements in der Sozialen Arbeit, bei der Unterwerfung der Sozialen Arbeit unter Marktprinzipien muss ja wohl sein: Was hat all das aus der Sozialen Arbeit gemacht?
Ist das, was der aktivierende Staat uns abverlangt und ist das, was Ökonomisierung und Verbetriebswirtschaftlichung mit unserer Profession anstellen, für unsere Profession erträglich? Ist es überhaupt mit unserer Fachlichkeit und unserer Ethik vereinbar? Und welche konkreten Folgen müssen für die Klientel, die SozialarbeiterInnen selber, für die sozialpädagogischen Prozesse und für das, was Soziale Arbeit ist, wie sie sich versteht, welche Aufgaben sie versucht zu lösen und für welche Zielgruppen sie sich engagiert bzw. engagieren darf, festgestellt werden?

Ich behaupte, dass das unsere Profession dominierende Marktverständnis nicht nur nichts gebracht  hat, es hat vor allem geschadet.

Warum tun die denn nichts für uns?

kleiner Splitter aus der Diskussion der letzten Ringvorlesung “Das Politische im Sozialen” an der FH Jena:

Fabian Kessl erwähnte in seinem Vortrag, dass  man manchen Widerstand im Rahmen seiner alltäglichen, fachlichen Arbeit leisten kann, dass es aber viele Themen und Möglichkeiten gäbe, die man am besten gemeinsam, etwa im Verband, in einer Gewerkschaft angehen könne.

Ein Student fragte, wieso denn in solchen Zusammenhängen immer wieder gerade die Gewerkschaften genannt würden. Die täten doch gar nichts für uns!

Da hat jemand was falsch verstanden, dachte ich.

Gewerkschaften sind keine Dienstleistungen und auch  keine Instanzen, die sich fürsorglich sozusagen im allgemeingesellschaftlichen Auftrag für bestimmte Gruppen einsetzen.

Letztlich sind sie so etwas wie Selbsthilfegruppen zur Durchsetzung gemeinsamer politischer und beruflicher Interessen von Arbeitnehmern.

Nur wenn man sich dort engagiert und wenn dies viele gemeinsam tun, können sie auch  etwas für uns tun. Von alleine geht das nicht. Ohne Mitglieder kann auch unser Berufsverband (DBSH) weder als Berufsverband noch als Gewerkschaft (die er ja auch ist), nur wenig Macht und Kraft entfalten.

Warum bloß tun wir eigentlich nichts für uns?

Bundesfreiwilligendienst - 3. Teil

Hallo liebe LeserInnen, hallo m.s.,

ein Freiwilligendienst muss freiwillig bleiben. Warum ich das sage?

Ganz einfach:

Wenn der Freiwilligendienst beispielsweise zur Prüfung der Arbeitsbereitschaft/ Verfügbarkeit im Rahmen der SGBs (insbesondere SGB II, III)  verwendet würde, dann wäre er für diese Personen nicht freiwillig, sondern ein Druckmittel der Verwaltung.

Freiwilligkeit muss auch für Bezieher von Transferleistungen gelten - sonst wäre es mit ihr nicht weit her und ein Freiwilligendienst würde aller Sozialpolitik im Rahmen von “Dressur zur Arbeitswilligkeit” in die Arme spielen!

Deshalb müsste der Freiwilligendienst meiner Ansicht nach auch eine verknüpfende Änderung in den SGBs II und III im Rahmen der Verfügbarkeit nach sich ziehen. Bspw. denke ich dabei an folgenden Wortlaut:

Die Arbeitsbereitschaft/ Verfügbarkeit ist nicht allein deshalb auszuschließen, weil ein Leistungsempfänger/ Arbeitsloser (…) einen Freiwilligendienst ablehnt.

Oder was sagen Sie dazu? Verehrte LeserInnen?

Sind SozialarbeiterInnen heute unpolitisch?

Klar, unpolitische Soziale Arbeit gibt es nicht.

Das geht gar nicht, denn Soziale Arbeit ist selber praktizierender Teil der Sozialpolitik und von Politik vielfältig abhängig. Und gleichzeitig muss sie sich selber immer wieder entscheiden, wie und für wen sie Soziale Arbeit machen will, ob sie parteilich ist für die Menschen, mit denen sie zu tun hat oder ob sie sich einfach an die Anforderungen anpasst, die das System gerade an sie stellt – egal, was das für die Menschen heißt. .

Wenn wir trotzdem von „unpolitischen Sozialarbeitenden“ reden, dann ist damit gemeint, dass Sozialarbeitende sich anpassen, einfach mitmachen, sich nicht wehren oder sich ducken, die Probleme unserer Profession einfach nicht zur Kenntnis nehmen (wollen) und so tun, als könnten sie wirklich neutral bleiben….

In den 68er war es aus meiner Sicht genauso „normal“, politisch zu sein, wie es heute normal zu sein scheint, unpolitisch zu sein. Aber wie es damals auch unpolitisch denkende SozialarbeiterInnen gab, so gibt es auch heute politisch denkende VertreterInnen unserer Profession.

Aber wie viele sind das? Sind es nur ein paar verlorene Typen, die man an mehreren Händen abzählen kann? Oder sind es viele? Und gibt es Organisationen und Gruppen, in denen kritische Sozialarbeitende gemeinsam arbeiten, um Veränderungen durchzusetzen?

Es ist bekannt, dass der Organisationsgrad Sozialarbeitender eher gering ist, sowohl in den Gewerkschaften wie auch im Berufsverband. Aber gibt es noch andere Orte, an denen kritische Sozialarbeitende sich versammeln und gemeinsame Strategien erarbeiten?

 All das möchten wir gerne herausfinden. Deshalb befragen wir (Anne M. und ich) gerade Leute, die uns bekannt sind und die wieder andere kritische SozialarbeiterInnen oder entsprechende Gruppen kennen.

Vielleicht können wir so einen Eindruck von der Wirklichkeit aktueller, kritischer und politisch denkender Sozialer Arbeit machen. Vielleicht können wir mit den Ergebnissen dazu beitragen, dass sich Menschen und Gruppen kennen lernen und vernetzen.

Nur gemeinsam sind wir stark!

Bundesfreiwilligendienst - 2. Teil

Worum geht es?

Anknüpfend an den bestehenden Freiwilligendienst soll ein Bundesfreiwilligendienst an Stelle des bisherigen Zivildienstes geschaffen werden.

Dieser Dienst eröffnet keinerlei Arbeitsverhältnis, er soll neben dem bisherigen Freiwilligendienst bestehen, aber für alle Altersgruppen geöffnet werden. Die Bundesstrukturen des Zivildienstes sollen dabei weitgehend erhalten bleiben.

Argumentiert wird vor allem, dass freiwillige, insbesondere freiwillige soziale Arbeit eine Chance für junge Menschen und für die Gesellschaft sei.

Was ist von diesem Gesetz zu halten?

  •  Allem Anschein nach handelt es sich hier offensichtlich um ein Gesetz zur Förderung von Freiwilligenarbeit. Keine Frage: Freiwilligendienste sind wichtig und hilfreich, wenn es darum geht, junge Menschen bei ihrer persönlichen und beruflichen Orientierung zu helfen, ihre Sensibilität zu wecken für soziale Problemlagen und so fort. Der Wunsch, diesen Dienst auszuweiten und mehr jungen Leuten diese Chance zu geben, ist in Ordnung und sinnvoll. Ideen und Gedanken, wie er weiter verbessert werden könnte, sind notwendig. Dazu gibt es viele Ideen und Vorschläge insbesondere vom DGB und der Linken, aber auch der Grünen.

  • Nun war der Zivildienst, dessen Wegfallen unmittelbar diesen Gesetzesentwurf ausgelöst hat, etwas ganz anderes als ein Freiwilligendienst:
    Er war gedacht als Alternative zum Wehrdienst und hatte mit Freiwilligkeit nicht viel zu tun. Zivildienst war immer Zwangsdienst. Freiwillig war nur die Entscheidung für die andere Alternative.
    Ursprünglich war der Zivildienst als Abschreckung gedacht.
    Es ging weniger um die Aufgabe selber als vielmehr darum, dass sie für junge Leute möglichst wenig attraktiv wirkte.
    Im Laufe der Zeit ist allerdings eine Situation entstanden, in der der Zivildienst eine Säule unseres Sozialsystems geworden und nicht mehr weg zu denken ist.

  •  Da nun mit der Bundeswehrpflicht auch der Zivildienstdienst weg fällt, steht die Gesellschaft vor mehreren Problem:
  1. Es gibt mit einem Schlag 50 000 zusätzliche Studien- und LehrstellenanwärterInnen.
  2. Es fehlt mit einen Mal eine große Anzahl von fest eingeplanten Helfern in der Pflege und im Sozialen Bereich, genauer gesagt gab es z.B. im Jahr 2009 100 000 Zivis.
  3.  Es besteht zum Dritten das Ziel, den Zivildienst ebenso wie den Wehrdienst als Option in petto zu behalten. Deshalb sollen die Strukturen nicht zerschlagen werden und in hinreichendem Maße weiter besetzt und benutzt werden.

Mit dem “Das Bundesfreiwilligendienstgesetz” versucht  die Bundesregierung nun ganz geschickt diese Probleme sozusagen „alle auf einen Streich“ zu lösen:

a)     Um die alten Bundeswehrstrukturen erhalten zu können, nutzt man nicht die Gelegenheit, die bestehenden Freiwilligendienst - wie vielfach und lange gefordert - weiter auszubauen und besser auszustatten. Der BFD soll mit einer eigenen Struktur neben den Freiwilligendiensten “aber auf Augenhöhe” stehen bleiben.
Daran wird u. a. von der Opposition und den Wohlfahrtsverbänden Kritik geübt.

b)    Junge Leute, die auf einen Lehr- oder Studienplatz warten müssen, werden so  einstweilen beschäftigt .
Das erspart den Ausbau der Hochschulkapazität und verschleiert den sich vermutlich verschärfenden Lehrstellenmangel.

c)    Das durch den Wegfall der vielen Zivis entstehende Loch in der sozialen Infrastruktur soll erneut mit billigen Arbeitskräften, diesmal mit Freiwilligen gestopft werden, wobei gehofft wird, dass so eine Kontinuität zur früheren Situation mit den Zivildienstleistenden  hergestellt werden kann.

Folgende Hintergründe und Folgen sind für diese Planung anzunehmen:

  • Es geht darum, eine möglichst kostengünstige Lösung der Probleme der Sozialen Infrastruktur zu finden.
  • Es entsteht durch den BFD – mal wieder mal - ein neuer Billiglohnbereich, der für Frauen und Männer aller Generationen sowie für Langzeitarbeitslose (sie dürfen vom Taschengeld 60 Euro behalten) geöffnet werden soll. .
  • Mit dem BFD etabliert man diesen neuen Niedriglohnbereich speziell im Sozialen Feld, hervorgehoben wird die Kinder- und Jugendhilfe, besonders die Jugendarbeit.
  •  Es geht der  herrschenden Politik darum, fachliche Aufgaben von Pflege und Sozialer Arbeit zu Tätigkeiten zu erklären, für die man keinerlei Qualifikation braucht und die deshalb auch keine Kosten erzeugen dürfen.

 Menschliche Solidarität ist zweifellos wichtig. Und es scheint vielen absurd, was dagegen haben zu können, dass Menschen sich noch mehr ehrenamtlich engagieren. Solidarität kann aber nicht wirklich gefördert werden, wenn sie der herrschenden Ideologie widerspricht. Erfolgversprechender wäre es hier also viel eher, diese Ideologie  infrage zu stellen.
Es besteht der Verdacht, dass sich die neoliberale Ideologie mit diesem Gesetz

  • zum einen Sympathien verschaffen will, in dem sie sich als warm und menschlich anbiedert,
  • zum zweiten ist die ehrenamtlich geleistete pflegerische und soziale Arbeit für den Staat das kostengünstigste Modell.

Bundesfreiwilligendienst- geht uns das was an?

Da ist mal wieder ein Gesetz in der Diskussion.

Es geht um einen Bundesfreiwilligendienst. Ein
Nachfolgeprojekt des Zivildienstes.

Das sollte uns vermutlich was angehen!? Aber niemand kann was dazu sagen, an keiner Stelle im Kontext unserer Profession habe ich bisher etwas darüber gefunden.

wir wollen unserem Selbstverständnis treu bleiben ….

Wieder eine beeindruckende mail zum Schwarzbuch, die ich veröffentlichen darf und möchte, weil ich glaube, dass die AutorInnen etwas zum Ausdruck bringen, was viele denken:

 mail vom 14.1.2011

….. als Mitarbeiterinnen eines kleinen freien Trägers der Jugendhilfe, sind

wir auf Empfehlung eines ehemalig durch uns begleiteten Jugendlichen,

der heute Sozialpädagogik studiert, auf Ihr Buch “Schwarzbuch Sooziale

Arbeit” aufmerksam geworden und haben nun die letzte Seite gelesen…

 Schon seit geraumer Zeit und erst recht in der heutigen Wirtschaftskrise

und deren für uns und unsere Klienten spürbare Folgen, mussten wir

feststellen, dass etwas nicht stimmt in unserem System, dass den

Adressaten unserer Arbeit immer weniger Chancen bleiben auf ein

selbstbestimmtes Leben, dass unsere Arbeit zunehmend fremdgesteuert wird

von “Sachzwängen” der Kosteneinsparung, von Eingriffen des öffentlichen

Zuwendungsgebers in unsere Trägerautonomie.

Wir haben versucht, zu verstehen und zu analysieren, um was es in dieser

Zeit geht und wollten uns dennoch nicht in den “Alles wird

schlimmer”-Chor einreihen, der die gesellschaftlichen Zustände im

allgemeinen und ohne Ergebnis beklagt.

 Ihr Buch hat geholfen, unsere Überlegungen und unseren Widerstand auf

festere Beine zu stellen, klarere Positionen zu beziehen und uns

bestärkt, uns weiter und noch deutlicher auf die Seite “unserer”

Jugendlichen zu stellen und unsere politische Haltung offensiv zu

vertreten. Es war und wird nicht einfacher, erfordert

Fingerspitzengefühl und lehrt uns auch ein bißchen das Fürchten über die

Machtverhältnisse und das Machtverhalten selbst auf Landkreisebene …

 Ihr “Schwarzbuch” wird sicher  Einfluss haben auf die diesjährige

Überarbeitung unserer Konzeption und wird uns weiter in unserer Arbeit,

solange es sie noch gibt, begleiten. Unser einstimmige Teammeinung

bleibt internes Leitbild unserer Arbeit - nämlich, dass wir uns auch

weiter im Spiegel anschauen und unserem Selbstverständnis treu bleiben

wollen.

 In diesem Sinne möchten wir - als Praktikerinnen - Ihnen auf diesem Weg

für Ihre deutlichen und Mut machenden Worte im “Schwarzbuch Soziale

Arbeit” bedanken!

 

.

Das Politische im Sozialen

Unter diesem Titel findet in diesem Jahr an der FH Jena eine Ringvorlesung statt.

Hier das Programm:

12.01.  Mechthild Seithe (Jena): Einführung und Überblick Zur Begründung einer Repolitisierung der Sozialen Arbeit

 26.01.  C.W. Müller (Berlin): 1968 - Kritischer Rückblick auf die Politisierung der Sozialen Arbeit

23.03.  Timm Kunstreich (Hamburg): “Ohne Mandat - aber politisch produktiv. 

Perspektiven eine kritischen Sozialen Arbeit”

13.04.  Susanne Maurer (Marburg): Neue Frauenbewegung und Soziale Arbeit – „Das Private ist politisch!“

11.05.  Fabian Kessl (Essen): Kritischer Rückblick auf die Implementation von New Public Management der 1990er und   folgenden Jahre

08.06.  Birgit Bütow (Jena/Marburg):

              Soziale Arbeit in Ostdeutschland – Pragmatismus statt Gestaltung?

19.10.   Hans Thiersch (Tübingen): Lebensweltorientierung in neoliberalen Zeiten?! (Festwoche: 20 Jahre SW)

 09.11.   Michael Winkler (Jena): Kritische Sozialarbeit? Kritische Sozialarbeit!

 07.12.   Werner Lindner (Jena): Reflexive politische Strategien (in) der Sozialen Arbeit

 11.01. 12  Lothar Böhnisch (Brixen): Gestaltwandel des Politischen und die Folgen für die Soziale Arbeit

25.01.12   K.A. Chassé (Jena): Resümee und Ausblick

 

Den Start für die Ringvorlesung habe ich am 12.1.2011 machen dürfen.

Wer den Text haben oder nachlesen will, kann ihn sich hier ansehen.
(für das etwas auseinandergelaufene Layout möchte ich mich entschuldigen :) )

Härte hilft?

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Im Dezember konnten wir in der Welt folgenden schönen Artikel lesen, der die These von der zunehmenden Bereitschaft der Gesellschaft, mit Strenge, Sanktionen und letztlich Gewalt auf junge Menschen zu reagieren, die sich nicht normkonform verhalten, deutlich illustriert. Hier noch einmal nachzulesen.
Der DVJJ (Deutsche Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen e.V. ) hat dazu eine beachtenswerte Pressemitteilung verfasst.

Wir alle kennen den Trend, akzeptierende,  vom grundsätzlichem Respekt gegenüber anderen Menschen getragene Arbeitsanssätze der Sozialen Arbeit als Kuschelpädagogik zu diskreditieren. Eine Soziale Arbeit, die sich darauf einlässt,  outet sich als Ordnungskraft oder als Vertreterin einer Pädagogik, die Gewalt zu ihren legalen Mitteln zählt.

Ganz davon abgesehen, werden Menschen nur dann bereit sein, sich wirklich, aus eigenem Antrieb und nachhaltig, also intrinsisch motiviert zu verändern, wenn es gelingt, sie als Subjekte zu erreichen und mit ihnen gemeinsam Wege zu entwickeln, ohne ihnen das Rückgrad zu brechen oder brechen zu wollen. 
Eine Pädagogik, die davon Abschied nimmt, verzichtet auf ihren humanistischen Ansatz und ihre ethischen Grundlagen.
 
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Corinna wieder allein zu Haus

ein alltäglicher Fall:

Corinna musste im Heim untergebracht werden. Zu Hause herrschte das blanke Chaos. Die Mutter war nicht in der Lage, für ihr Kind zu sorgen.

Corinna machte sich im Heim gut. Deshalb sah niemand ein Problem darin, sie nach 2 Jahren zu ihrer Mutter zurückzuschicken, zu der immer noch ein intensiver Kontakt bestand. Die Mutter hatte das Blaue vom Himmel versprochen: Alles würde jetzt besser und alles würde gut.Und wenn Klienten so motiviert sind, dann ist ja alles o.k.? Zumal man enorm Geld spart, wenn die inzwischen 12Jährige wieder zu Hause leben kann.

Nach 2 Jahren ist das Zeitfenster wieder für Corinna also wieder zu und das Kind kommt wieder nach Hause –  leider, ohne dass was passiert ist und ohne, dass die Mutter sich anders verhält. Sie stellt die von ihr geforderte Ordnung in der Wohnung und im Alltag nicht her, obwohl das Jugendamt es verlangt. Sie begreift nicht, was das Kind braucht und dass es sie braucht.
Das Jugendamt ist sauer und empört und versucht es mit Druck.  Es gibt einige halbherzige Versuche, aber es klappt nicht.
Die MitarbeiterInnen im Jugendamt runzeln die Stirn zucken mit den Schultern. Die eine Hälfte der MitarbeiterInnen möchte das Mädchen erst einmal wieder zurück ins Heim bringen. Die andere Hälfte ist der Meinung, dass die Mutter ihre Chance gehabt hat und nun sehen muss, wie sie und dass sie mit ihrer Aufgabe fertig wird.

Wer eigentlich fragt sich: warum macht sie es nicht? Warum schafft sie es nicht?
Wer hilft ihr, es zu lernen?
Wer hilft ihr, es zu schaffen?

Und wer erkennt die Lage, wenn es wirklich nicht geht, und rettet das Kind langfristig?

Was ist hier Aufgabe der Sozialen Arbeit?  Was könnte sie wirklich, wenn die Köpfe befreit wären von der Schere der Ökonomie im Kopf und von der Vorstellung, dass Menschen zu funktionieren haben und man sie nur anschubsen muss, damit sie es endlich tun.