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Professionalität ohne politisches Mandat?

Anmerkungen  zu einem interessanten Buch:
Maja Heiner: Professionalität in der Sozialen Arbeit, Stuttgart 2004

Für ein Seminar im kommenden Semester habe ich mir heute Maja Heiners: Professionalität  in der Sozialen Arbeit (von 2004) genauer angesehen.

Das Buch ist erst einmal deshalb erfreulich,

  • weil es lesbar ist und z.B. einen guten Überblick über die Geschichte der Professionalitäts-diskussion innerhalb der Sozialen Arbeit gibt.
  • Es ist ferner sehr hilfreich, weil es die  Kritierien für professionelles Verhalten versucht zu operationalisieren und am konkretem Handeln festzumachen.
  • Die Analyse konkreter Praxisbeispiele ist sehr aufschlussreich und bildet die Vielfalt von Praxis hinsichtlich ihrer mehr oder weniger gelungenen Umsetzung von Professionalität anschaulich ab.

Die Kriterien von Professionalität, die Maja Heiner entwickelt und begründet sind nachvollziehbar und entsprechen auch meinen Vorstellungen einer professionellen Sozialen Arbeit. Also sehr wohl lesenswert…
Dennoch möchte ich zu einigen Aussagen von Maja Heiner hier kritische Anmerkungen machen.
Bei der Geschichte der Professionsdiskussion und auch bei ihren Aussagen zur Wirklichkeit der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen heutiger Sozialer Arbeit bin ich über einige Merkwürdigkeiten gestolpert, über die es m. E. lohnt,  zu diskutieren:
Maja Heiner nimmt  die Position ein, dass - ganz im Unterschied zu den marxistisch beeinflussten Ansätzen der 70er und noch der 80er Jahre - heute endlich eingesehen würde, dass es in der Sozialen Arbeit nicht um einen unauflösbaren Widerspruch zwischen gesellschaftlichen Interessen und den Interessen der Menschen gehe,  dass es also keine echte Paradoxie im Verhältnis zwischen Hilfe und Kontrolle, zwischen den Mandaten der Klientel und des Systems gäbe, und dass sich heute die Einschätzung der Natur der polaren Beziehugnen geändert habe. Der Sozialen Arbeit sei damit eine intermediäre Funktion zuzuordnen, “die der Vermittlung zwischen den Ansprüchen der Gesellschaft und den Bedürfnissen der Individuen dient” (Heiner, 2004, S. 30). Ein politisches Mandat der Sozialen Arbeit im Sinne einer Positionierung gegen den Staat, das System etc.  hält sie für illusionär (S. 36) und für die Profession unangemessen.
Was ist davon zu  halten?
Natürlich gibt es nicht nur  grundlegende Widersprüche zwischen den Interessen des Systems und denen der Menschen. Es besteht nicht in jedem Fall und in jeder Situation  notwendig ein unauflösbarer Widerspruch zwischen den beiden Polen.  So ist z.B. das Kindeswohl gleichermaßen für das System wie für die Betroffenen elementar wichtig, ebenfalls der Schutz vor Selbstgefährdung. Andere gesellschaftliche Erwartungen und Normen sind aus professioneller Sicht zu akzeptieren, weil sie das zwischenmenschliche Zusammenleben und die Intergration Einzelner in die Gesellschaft sichern können, z.B. der Schutz vor Fremdgefährdung, usf. All diese Anforderungen gesellschaftlicher Art beschreiben aber Widersprüche, die sich vielleicht für die Klienten subjektiv so anfühlen mögen, die aber nicht tatsächlich gegen  sie gerichtet sind bzw. die für sie und ihr Verhalten Grenzen makieren, die das Zusammenleben der Menschen sichern.
Maja Heiner leitet aus der erforderlichen Aufgabe und Kompetenz zur Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft bzw. Sozialität ein wesentliches Professionsmerkmal Sozialer Arbeit ab. Sie stellt fest, dass Soziale Arbeit die “Widersprüche, die aus den Konflikten zwischen Individuum und Gesellschaft resultieren, ausbalancieren muss, um mehr soziale Gerechtigkeit zu erreichen” (S. 32). Sie sieht hier die Chance einer “Versöhnung von Individuum und Gesellschaft”. Als Beleg dafür, dass der angeblich unversöhnliche Widerspruch zwischen den Erwartungen des Systems und der Menschen aufgelöst wurde oder werden kann, führt Heiner die in der heutigen Sozialen Arbeit vorherrschende Vorstellung  der Koproduktion an, bei der die Klientel aktiver Partner im Hilfeprozess ist und sie bemüht die Erkenntis der Systemtheorie, nach der Systeme nur selber, und nicht von außen induziert, in der Lage sind zu lernen. Tatsächlich ist die Soziale Arbeit in den letzten 30 Jahren einem handlungsorientierten Professionsverständnis näher gekommen, das ihr ermöglicht, sowohl etwas für die Klientel zu tun, als auch ihre Lebensbedingungen zu verbessern, indem sie die Klientel zur Koproduktion bewegt und sie als Akteurin und Expertin ihres eigenen Lebens respektiert und stärkt.
Zu Heiner’s Professionalitätsverständnis gehören folglich unabdingbar eine Haltung zum Klienten, die ihn respektiert, die von seiner Entwicklungsfähigkeit überzeugt ist, die seine Partizipation und Koproduktion am Hilfeprozess als notwenig erachtet und die deshalb seine Motivierung nicht nur für nötig hält, sondern diese als eine zentrale Aufgabe der Sozialen Arbeit erkennt.  Dies ist der Professionalitätstyp der “Passung”, den sie den unprofessionellen bzw. semiprofessionellen Typen insbesondere des “Dominanz”- und des “Service-Modells” gegenüberstellt. Damit distanziert sie sich z.B. von einer autoritären, patriarchialischen Sozialen Arbeit ebenso wie von einem reinen Managementmodell, das den Beziehungsaspekt und damit jene Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft nicht leistet oder zu leisten bereit ist.

So weit kann ich Maja Heiner problemlos folgen und denke, dass ihre Argumentation geradezu hervorragend geeignet ist, gegen neuere Sozialarbeiterische Konzepte Front zu machen, die mit dem aktivierenden Staat und der Ökonomisierung ins Haus stehen.

Dennoch scheint Maja Heiner von den Bedrohungen und Beinträchtigungen der Professionalität Sozialer Arbeit, die durch die Ökonomisierung und den aktivierenden Staat ins Haus stehen,  (noch?) scheinbar völlig unberührt. Die Frage der Professionalität ist für sie zunächst und zu allererst eine Frage der Haltung der Sozial Arbeitenden. Sie sind in erster Linie aufgerufen, an ihrer Professionalität zu arbeiten.

Und hier fangen meine Probleme mit ihrem Standpunkt an:
Es gibt gerade in der heutigen Zeit Erwartungen des Systems, die den Interessen der Menschen subjektiv und objektiv widersprechen, z.B. die schnelle Widereingliederung in den Arbeitsprozess, koste es was es wolle. Die Vermittlung des flexiblen und unternehmerischen Habitus ist z.B. zumindest dort, wo die Ressourcen für eine solche Lebensweise nicht reichen, gegen die Lebens- und Überlebensinteressen der Betroffenen gerichtet. Es gibt systemische Erwartungen  und Interpretationen gesellschaftlicher Normen, die politisch vorgegeben werden und keineswegs akzeptabel sind, wenn es der Sozialen Arbeit z.B. um die Selbstbestimmung und die Menschenwürde ihrer Klientel, um deren  Selbstverantwortung und Eigenveränderung und die Ganzheitlichkeit ihrer Lebenswelt geht.
Maja Heiner geht auf solche Aspekte in ihren Überlegungen aber gar nicht ein. Sie betont immer wieder und belegt es mit den Aussagen der von ihr interviewten SozialpädagogInnen, dass nicht die Gesellschaft oder das System den Sozialarbeitenden Beschränkungen hinsichtlich Methodenwahl, Zielstellung und Prozess ihrer Arbeit vorgeben. Das mag der Tatsache geschuldet sein, dass Maja Heiner dieses Buch 2004 geschrieben hat, in einer Zeit, wo die Wirklichkeit der Ökonomisierung noch nicht überall in der Praxis und schon gar nicht in den Köpfen angekommen war. Solche Widersprüche waren  in den 80er und 90er Jahren tatsächlich nicht so deutlich erfahrbar. Für diese Zeit kann ich bestätigen, was Heiner 2004 noch behauptet: dass man als SozialarbeiterIn im Wesentlichen frei und unbehelligt das tun konnte, was man fachlich für notwendig erachtete.
Die heutigen, sehr deutlichen Widersprüche zwischen System und Lebenswelt aber werden von Heiner offenbar ausgeblendet.  Für sie bedeutet die Erkenntis der Notwendigkeit einer “freiwilligen Selbstveränderung” der Klientel gleichzeitig die Infragestellung des doppelten Mandates und der angeblichen Paradoxie von Hilfe und Kontrolle. Heute, so Heiner, verfolge die Soziale Arbeit einen dritten Weg “zwischen vollständiger Selbstaufgabe und Anpassung einerseits und der Durchsetzung eigener Interessen in frontaler Konfrontation zur Gesellschaft andererseits” (s. 31). Aus meiner Sicht verwechselt Heiner hier die Begriffe Gesellschaft und System. Und sie unterstellt, dass Widersprüche dann keine mehr sind, wenn sie angenähert und aufgeweicht und in ihren direkten Auswirkungen abgeschwächt werden können, wenn man sich sozusagen entgegenkommen kann. Es ist schon richtig: Soziale Arbeit kann und will die grundlegenden gesellschaftlichen Strukturen nicht verändern, insofern ist sie ein Kind und ein “Agent” der herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse. Sie trägt durch ihre “Versöhnungsarbeit” tatsächlich auch zur Befriedung bei. Die angestrebte  “Versöhnung” von sozial benachteiligten der Menschen mit den sie benachteiligenden Folgen der gesellschaftlicher Verhältnisse, so wie sie die Soziale Arbeit durch Beratung, Hilfe zur Selbsthilfe, durch “Sekundäre Integration”usw. mit dem Betroffenen zusammen vollbringen kann,  bedeutet keine wirkliche Aufhebung dieser Widersprüche. Es handelt sich hier nur um Abmilderungen, Annäherungen, um die Suche nach Verträglichkeiten, um Kompromisse, um Konzepte des Arrangierens - im besten Fall ohne gebrochenes Rückgrad. Die konkreten behindernden oder benachteiligenden gesellschaftlichen Probleme und ihre Folgen aber bleiben bestehen, daran kann Soziale Arbeit bekanntlich nichts ändern.
Das aber bedeutet durchaus nicht, dass Soziale Arbeit nur Anpassung  vermitteln kann. Sie ist gleichzeitig eine gesellschaftliche Kraft, die zur “Emanzipation”, zum Empowerment ihrer Klientel beitragen kann und will. Indem sie  nämlich versucht, die Folgen der gesellschaftlichen Strukturen für ihre Klientel abzumildern, ihrer Klientel ein Überleben und Leben in Würde und Teilhabe in der kapitalistischen Gesellschaft zu ermöglichen, stellt sie ein Überlebenskonzept dar, ohne das diese scheitern würden. Und sie leistet damit für und mit diesen Menschen gleichzeitig Widerstand, indem sie die Menschen befähigt, sich zu den sie beeinträchtigenden Verhältnissen aktiv zu verhalten.
Aber es hängt dann jeweils von den konkreten gesellschaftlichen Verhältnissen und Ideologien ab, ob und wieweit diese “Emanzipation” der gesellschaftlich Benachteiligten gewünscht, zugelassen und akzeptiert wird.

Die Position von Maja Heiner zur Frage der Professionalität ist durchweg optimistisch. Eine Bedrohung der Professionalität aus der Ecke Politk, Ökonomie und Staat scheint sie nicht wirklich erst zu nehmen. Für sie ist die Professionalität zunehmend gesichert in dem Maße, wie die alten dichotomen Vorstellungen zwischen den Interessen der Menschen und denen des kapitalistischen Systems aufgegeben wurden und einer pragmnatischen, komplexen und fallspezifisch angemessenen Handhabung gewichen sind. Sie beschreibt eine Art Triumpfzug der Profession für die letzten 20, 30 Jahre. Maja Heiner hebt zum Beispiel hervor, dass die Leitungspositionen in der Sozialen Arbeit zunehmend nicht mehr berufsfremd von Juristen, Verwaltungsfachleuten oder Theologen besetzt werden. Stimmt, ich weiß noch genau, wie stolz auch wir 1980, 1990 darauf waren, dass unser Jugendamtsleiter ein echter Sozialarbeiter war!
Aber schon wenige Jahre danach drangen mit noch viel größerer Selbstverständlichkeit und Anmassung die Betriebswirte und Sozialmanager in die Leistungspositionen der Sozialen Arbeit ein. Hat Maja Heiner davon nichts gewußt, als sie das Buch schrieb? Im Jahre 2004 sollte man doch vielleicht schon mitbekommen haben, dass sich für die Soziale Arbeit  ganz neue,  tiefgreifende Interessengegensätze aufgetan hatten im Zusammenhang mit der Ökonomisierung und den ideologischen Formen, die die Sozialpolitik inzwischen prägen!
Doch,  Maja Heiner geht in ihren Ausführungen schließlich auch auf die Verharmlosung und unangemessene Harmonsierung der bestehenden - aber für sie nicht unversöhnlichen - Widersprüche zwischen System und Lebenswelt ein. Der heute zunehmend verwendete Begriff der Dienstleistung z.B. scheint ihr zurecht ungeeignet, weil er einen Kunden voraussetzt, der so in der Sozialen Arbeit nicht gegeben ist. Soziale Arbeit verliere auf diesem Weg ihre Aufgabe, für all die Menschen tätig zu sein, die nicht in der Lage sind, eine Dienstleistung bewußt und freiwillig für sich in Anspruch zu nehmen. Und die Zumutungen der Ökonomisierung erklärt sie sogar zu den aktuellen zentralen Herausforderungen an die Profession. Heiner beschreibt  die großen Gefahren der Ökonomisierung für die Soziale Arbeit und ihre professionelle Ausübung, die heute längst Realität geworden sind.

Aber trotz dieser Erkenntnisse bleibt Maja Heiner  ihren vorigen optimistischen Thesen und ihrem schon dargelegtes Verständnis auch im weiteren Verlauf des Textes treu. Sie glaubt an die positiven Versöhnungs- und Verständigungsmöglichkeiten Sozialer Arbeit und sie glaubt, dass damit alle Widersprüche aufzulösen und zumindest zu händeln sind.
Tatsächlich aber bewirken die Erfahrungen mit Ökonomisierung und aktivierendem Staat nahe, dass uns heute die von Maja Heiner als überholt und gestrig abgetane These von der Sozialen Arbeit als Agentin des Kapitalismus  mehr als deutlich einholt: Der Staat diktiert der Sozialen Arbeit neue Rahmenbedingungen, neue Ziele, er greift in die Methodenwahl ein, setzt die bisherigen ethischen Grundhaltungen frei  und zwingt durch seine ökonomische Steuerung zur Selektion der Klientel. Land auf Land ab haben wir eine Soziale Arbeit, die sich im Rahmen von Unternehmen vollzieht, deren Ziel vorrangig Effizienz und Wirtschaftlichkeit sind, die  möglichst preisgünstig, möglichst rationell und möglichst schnell Waren produzieren wollen und müssen.
Es stellt sich zunehmend die Frage, ob die herrschende (Sozial)Politik eine Soziale Arbeit überhaupt brauchen kann, die sich sozialer Gerechtigkeit und der Integration aller Menschen verpflichtet fühlt. Wenn dem aber nicht so ist - und vieles spricht dafür -,  hat die professionelle Soziale Arbeit zu ihrer Rettung nichts zu erwarten von der Seite des Systems.

Für Maja Heiner haben im Jahr 2004 Begriffe wie Parteilichkeit oder Politisierung weiterhin und offenbar trotz der Erfahrungen mit der Ökonomisierung keine Bedeutung. Sie geiselt  den Begriff der Parteilichkeit, weil sie ihn mit einem kritiklosen Sich-von-Klienten-in-den-Dienst-Nehmen-Lassen und einer naiven Idealisierung von Klienten  gleichsetzt. Sie distanziert sich vom politischen Mandat der Sozialen Arbeit, weil sie meint, dass Soziale Arbeit nicht Politik, sondern eben Soziale Arbeit zu leisten habe.
Die Tatsache aber, dass für die Soziale Arbeit die konkrete  Bestimmung der Inhalte, Ziele, Formen und Grundhaltungen durch die aktuelle Politik  von elemantarer und existentieller Bedeutung ist, da sie ja, wie Maja Heiner selber bestätigt, von der Politik direkt abhängig ist, wird von ihr nicht weiter verfolgt. Doch genau hier stellt sich die Frage des poltischen Mandates unserer Profession:
Die Geister scheiden sich an der Frage, ob  die Soziale Arbeit - als Erfüllungssgehilfin des Systems -  alles schlucken muss, was ihr auf der politischen Bühne vorgegeben wird oder aber, ob es  die Soziale Arbeit - trotz ihrer Abhängigkeit und Eingebundenheit - etwas angeht und etwas angehen darf, wie die Politik, wie das  Menschenbild dieser Politik, wie ihre politische Praxis im Umgang mit Menschen aussehen.

Ich bin nicht der Meinung, dass unserer Profession nur Resignation und Anpassung bleiben, weil sie ja in finanziellen, rechtlichen und institutionellen Abhängigkeiten gebunden ist. Ich gehe davon aus, dass sie sich gegen solche Erwartungen und Vorgaben wehren muss und zwar deutlich und ohne Konfliktscheu.
Mit ihrer Berufung auf (sozial)wissenschaftliche Wissensbestände, auf die sozialpädagogische Ethik, ihre Kompetenz, bei den Klienten durch Ressourcenorientierung, Ganzheitlichkeit und der respektvollen Beachtung ihres “Eigensinns” (wirkliche) “freiwillige Selbstveränderung” zu ermöglichen, durch die Autonomie ihrer fachlichen Entscheidungen im Umgang mit dem konkreten Fall in der konkreten, je einmaligen Situation, stellt sie eine Profession  dar, die  mit ihren fachlichen Mitteln sehr wohl  autonom und verantwortlich gesellschaftliche Aufgaben zu lösen im Stande ist. Ihre faktische gesellschaftliche Abhängigkeit sollte sie nicht daran hindern, die Bedingungen für die Ausübung ihrer Profession von der Gesellschaft zu fordern  und einzuklagen.

Das aber wird sich nicht allein mit dem umsetzen lassen, was die Fachliteratur als “störrisches Beharren auf fachlichen Positionen” bezeichnet. Die Möglichkeiten, auf die Herausforderungen des neoliberalen, aktivierenden Staates mit bewußter Professionshaltung zu reagieren, sind begrenzt. Sicher kann durch fachliche Klarheit und fachliche Selbstsicherheit so einiges abgefedert und auch gemildert werden. Es muss auch darum gehen, die problematischen politischen Vorstellungen und  Positionen offenzulegen, ihre Folgen und ihre Absichten zu enttarnen und damit als Soziale Arbeit offen und offensiv in eine  politische Auseinandersetzung einzutreten.
Als von der Gesellschaft abhängige Profession ist sie zwar sehr wohl als Anpassungsinstrument zu missbrauchen. Als “geborene Kritikerin  des Kapitatlismus”  aber hat sie auch das Zeug zu einem politschen Mandat: Sie hat die Informationen über gesellschaftlich induzierte Notlagen und Einblicke in die Lebenslagen der Menschen, und sie kennt die Visionen und Hoffnungen der Klienten auf ein menschenwürdiges Leben. Darüber hinaus verfügt sie über die Fähikgeit, komplexe Zusammenhänge konkret und nachvollziehbar zu verdeutlichen.

Das doppelte Mandat, das Maja Heiner 2004 als überholte Vorstellung abtut, ist heute sehr wohl mit vielen auch unversöhnlichen Widersprüche belastet. Die jüngste Zeit bringt dafür täglich neue Beispiele hervor. Es ist aus meiner Sicht die Aufgabe der professionellen Sozialen Arbeit, sich in diesen Konflikten mit ihren Mitteln und im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf die Seite derer zu stellen, die tatsächlich die Schwächeren in diesem asymetrischen Verhältnis sind.  Auch darin vollzieht sich Professionalität. Und in diesem Sinn verstanden gehört Parteilichkeit zu ihren Grundmerkmalen.

Kulturchipkarte oder Kulturschock?

   Kultur ist, wie der Mensch lebt…..

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12 Meter langes Wandbild in einem 13stöckigen Haus in einem sozialen Brennpunkt in Wiesbaden - hergestellt von 25 Kindern und einem Künstler in den Herbstferein 1990. Das Thema: “Wie wir leben möchten” war vorgegeben, die Kinder konnten Entwürfe einreichen. Das Ergebnis ist eine Mischung als Traum und Wirklichkeit. Zum Kunstwerk entstand bei  Kindern und erwachsenen Hausbewohnern eine hohe Identifikation. Das Bild hängt bis heute unangetastet im Foyer des Hochhauses. 

Den armen Kindern soll nun geholfen werden, das BVG hat es ja befohlen und unsere Familienhelferin vom Dienst, Frau von der Leyen hat die Lösung bei der Hand:
Ganz im Sinne des aktivierenden Staates sollen diese Kinder und Jugendlichen  eine Chance bekommen , die sie dann nur noch ergreifen müssen: die Bildungschipkarte. Wer das nicht will, wer das nicht kann oder z.B. im Rahmen von familiärer Loyalität nicht darf, hat dann eben Pech gehabt.

Dass hier einmal wieder die “Erziehung der Armen” betrieben werden soll, der Versuch, diese oder wenigstens ihre Kinder auf dem kürzesten Wege hinzuführen  zu den Kulturgütern, die in unserer Gesellschaft als die wichtigen, richtigen, wertvollen erachtet werden, um sie zu den Bildungsanstrengungen zu bewegen, die für die Leistungsträger dieser Gesellschaft obligatorisch sind, ist das eine. Seit PISA beginnen einige Verantwortliche in dieser Gesellschaft zu ahnen, dass sie es sich nicht leisten können, die gesamte Nachkommenschaft der “Unterschicht”  links oder rechts liegen zu lassen. Die Intelligenteren von ihnen stellen doch immerhin ein Humankaital da, das man nutzen müsste. Sie sollen jetzt eine Chance bekommen für den kulturellen und sozialen Aufstieg. Was aber ist mit denen, die diesen Zugang nicht finden? Was ist mit denen, die lieber mit der Clique an den Haltestellen herumstehen, anstatt Violine zu lernen? Pech gehabt. Sie hatten ihre Chance.

Die Kritik an dieser Idee ist  vielfältig und kritische Bemerkungen kommen von allen Seiten:

  • Z.B. sind Mittagessen und Nachhilfe  erst einmal lebensnotwendige Güter, die - wenn diese Gesellschaft es ernst meint mit der Förderung von Bildungschancen - nicht gegen Gutschein, sondern kostenlos zu liefern sind für diejenigen, die das Geld dafür nicht haben.
  • Richtig ist auch, dass solche pauschalen Lösungen unsinnig sind. Was Kinder brauchen, ist individuell festzustellen und nicht dadurch zu lösen, dass man allen ein wenig aber keinem genug gibt.  Wie gestern im Radio ein Reporter zu Recht bemerkte: Für 4,75 Euro im Monat kann niemand Nachhilfeunterricht bezahlen. Und wer keinen braucht, der braucht auch diese 4,75 Euro nicht dafür.
  • Sport und Kulturangebote müssten zudem, soll der Bildungsgutschein einen Sinn machen, auch überall vorhanden sein. Statt dessen wird seit Jahren gerade in der Jugendarbeit gespart, gekürzt, werden ganze Einrichtungen geschlossen. Ein ungedeckter Gutschein aber ist wertlos. Es wäre also erst einmal notwendig,  Angebote flächendeckend und hinreichend auszubauen, wieder einzurichten und außerdem personell entsprechend auszustatten.
  • Dass hier pauschal allen Hartz IV Familien unterstellt wird, dass sie das Geld, wenn es denn Bargeld wäre, verprassen, verrauchen, vertrinken würden und man deshalb die elterliche Verantwortung und Entscheidung für die Bildung ihrer Kinder per Staat an sich reißt, ist ein weiterer massiver und berechtigter Kritikpunkt.

Natürlich gibt es auch solche Eltern und ganz sicher wird es die Kinder geben, die ihren Gutschein verfallen lassen oder ihn an andere, kulturinteressierte Kinder der ärmeren Mittelschichten verhökern. Ebenso wird es bestimmt auch den Fall des Kindes aus armen Verhältnissen geben, das sich auf diese Weise seinen alten, von der eigenen Familie vielleicht nie verstandenen Traum erfüllen kann, Posaune oder Klavier zu lernen.

Selbstverständlich kann es nicht darum gehen, die Kultur- und Bildungsgüter unserer Gesellschaft denen vorzuenthalten, die dazu keinen eigenen, intrinsischen Zugang haben. So würde man die  längst bestehende Zweiklassen-Kultur zementieren.
Ihnen aber die Kultur- und Bildungsgüter unserer Gesellschaft   einfach aufzudrücken, wäre manipulativ und patriarchialisch, abgesehen davon, dass es nicht gelingen würde. Und es ist ebenso absurd, das Problem dadurch lösen zu wollen, dass man ihnen nun  den kostenlosen Zugang zu solchen Bildungs- und Kulturgütern ermöglicht, obwohl man doch genau weiß, dass für viele von ihnen z.B. der Besuch einer Musilkschule eher als Kulturschock erlebt, denn als Kulturchance begrüßt und wahrgenommen würde.

Der Plan von Frau von der Leyen investiert mal wieder nur in diejenigen, die mit der größten Wahrscheinlichkeit in der Lage sind, die Chance zu nutzen. Und er rührt keinen Finger für den Rest, der dieses Angebot nicht für sich nutzen kann und wird. Damit grenzt dieser Plan an Betrug und Selbstbetrug, so als würde man jemandem einen schlichten, geschliffenen Edelstein hinzuhalten, obwohl man genau weiß, er steht auf glitzernden, leuchtenden Glasperlen (zumal die Gesellschaft alles tut, um ihnen weiterhin Glas- und Plastikperlen anzudrehen) und dann, wenn er den Stein uninteressiert liegen lässt, zu sagen: selber schuld!
Der Vorschlag macht sich die Lösung des Problems viel zu leicht, er ist vor allem viel zu kurz gegriffen. Denn abgesehen von der dringenden Notwendigkeit einer Sozial-, Jugend- und Familienpolitik, die den (Wieder)auf- und Ausbau von kulturellen und außerschulischen Bildungsangeboten massiv betreibt, ginge es vor allem darum, Kultur und Bildung auch denen zugänglich zu machen, die dazu eine große Distanz haben und die sich nicht im Entferntesten damit identifizieren.
Das freilich ist nicht mit einem hingehaltenen Bildungsgutschein zu erledigen. Das hieße vor allem, ihnen eigene, authetische Erfahrungen zu ermöglichen, also Erfahrungen, die für sie anschließbar und in ihr Bewußtsein und Selbstbild integrierbar sind und die für sie einen erlebbaren Nutzen bringen. Erst so würden bei der großen Masse der “armen Kinder aus bildungsfernen Schichten” die kulturellen und die Bildungsbedürfnisse entstehen, die die von der Leyen-Chipkarte  unsinnigerweise bei allen Kindern und Jugendlichen bereits voraussetzt.

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Der flächendeckende Ausbau von klassischen Musikschulen wäre deshalb z.B. nicht der geeignete Weg.
Es gab vor vielen Jahren, in den 80ern, in NRW zu dieser Frage das interessante Bildungsmodell “Jugendkunstschule” (als sozial- und bildungspolitische Alternative zur klassischen Musikschule), bei dem Kinder aller Schichten, und insbesondere Kinder aus den Familien, die wir heute so schön “bildungsfern” nennen, mit großem Erfolg angesprochen und gefördert wurden. Die Jugendkunstschulen arbeiteten sozialpädagogisch und setzten dabei die künstlerischen Formen und Medien ein, ohne sie aber zu reinen Aufhängern für ihre Pädagogik zu machen. Es ging sehr wohl um Kunst, um Theater, um Malen, um Musikmachen, um Filmen, um handwerkliche und ästhetische Gruppenprojekte. Und außer SozialpädagogInnen waren etwa zur Hälfte KünsterInnen als MitarbeiterInnen in diesen Modelleinrichtungen beschäftigt. Schließlich gab es durchaus auch die Möglichkeit, sich künstlerisch gezielt auszubilden und - ähnlich wie an klassischen Kunst- und Musikschulen - in der gewünschten Kunstform künstlerische und musikalische Leistungen zu erzielen. Das aber war nur eine Variante der Ziele und Angebote. Vor allem ging es um ästhetisches Lernen in Verbindung mit sozialem Lernen und mit der Chance, sich durch die künstlerischen Angebote und Aktivitäten mit dem eigenen Leben und mit der Gesellschaft und ihren Problemlagen auseinanderzusetzen. Kinder aus “bildungsfernen Milieus” fühlten sich hier zu Hause und erwünscht und hatten hier ihre ersten und oft sehr nachhaltigen Erlebnisse im Umgang mit Kunst und Bildung. Die Eltern waren erst einmal nur froh, dass ihre Kinder sich mit etwas Sinnvollem beschäftigten. Den Wert der Jugendkunstschulen für ihren Nachwuchs haben auch sie erst nach und nach erkannt und dann z.B. mit Staunen verfolgt, wie  mutig und schier verwandet ihr Kind auf der Theaterbühne stand oder wie es mit Ernst und  ungewohnter Selbstsicherheit die riesige Gruppencollage präsentierte, bei der es mitgewirkt hatte.

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Der Modellversuch ging ins Land, es erschien darüber ein Buch, er wurde wohlwollend aufgenommen und dann aber mehr oder weniger gezielt vergessen: Eine Regel-Übernahme dieses Konzeptes wäre natürlich zu teuer geworden und die Lobby der klassischen Kunst- und Musikschulen wäre auf die Barrikaden gegangen. Und so bleibt die Jugendkunstschule - bis auf einige wenige Beispiele, die das alte Konzept auch heute noch umzusetzen versuchen und für sozial benachteiligte Kinder z.B. nur 50% der sonst geforderten Beiträge erwarten - eine Erinnerung, eine leider verpasste große Chance. Solche Angebote - natürlich kostenfrei für Kinder aus den benachteiligten Familien und überall erreichbar -, liebe Frau von der Leyen, die würden schon eher greifen und für die “Kinder der Armen” im Sinne des BVG eine Verbesserung ihrer kulturellen Bildungslage und ihrer Bildungschancen bedeuten.
Sie aber erfordern nicht nur, dass die Regierung für ihre Kinder und besonders die Minderjährigen aus den Hartz-IV Familien endlich “mehr Geld in die Hand nimmt”, sie erfordern vor allem, dass die Kinder der “bildungsfernen Schichten” in ihren Bildungs- und kulturellen Bedürfnissen politisch und sozialpolitisch wirklich ernst genommen würden und ihre Förderung auf eine Weise geschähe, die sie tatsächlich erreicht, ohne sie zu diskriminieren, zu beschämen und ohne ihnen ihre Identität zu nehmen.

“Wozu könnten wir Gewerkschaften und Berufsverbände denn brauchen?”

Diese Frage wurde auf unserer Veranstaltung am 5.5. immer wieder gestellt.
Für mich - und ich denke auch für die anwesenden Gewerkschaftsvertreter (Kollege König von ver.di und Kollegen Schmidt und Helwig von der GEW) sowie für den Vertreter des DBSH, Herrn König - wurde klar, dass es für die heutige Generation der Studierenden im Osten Deutschlands ganz und gar nicht selbstverständlich ist, von diesen Organisationen etwas Hilfreiches und Unterstützendes zu erwarten. Es fehlt nicht nur  Wissen über die  Existenz und Funktion dieser Verbände,  sondern auch so etwas wie ein “Urvertrauen” darein, dass eine politische Interessenvertretung durch Organisationen wie Gewerkschaften und Berufsverbände einen Sinn machen könnte. Es gibt hier offenbar keinen Bekanntheitsbonus und keine Vorstellung von der Notwendigkeit berufspolitischer Organisation. “Ich trete grundsätzlich nicht so schnell in Vereine ein, warum sollte ich das hier tun?”, fragte eine Studentin.

Es gilt für Gewerkschaften und Berufsverband deshalb also, ganz von vorne anzufangen, sich bekannt zu machen, die eigene Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz sowie den Nutzen für die Sozialarbeitenden  nachzuweisen. Hiermit sollte man an den Hochschulen anfangen. Aber erst dann kann erwartet werden, dass KollegInnen und evtl. auch schon Studierende eine entsprechende Organisation für sich in Betracht ziehen.

Grundsätzlich ist es erst einmal wichtig, für die Studierenden und die PraktikerInnen die Notwendigkeit des Sich zur Wehrsetzens zu vermitteln, den Zugang zum “Gemeinsam-sind-wir- stark” erlebbar  zu machen und die gegebenen Verhältnisse in der Gesellschaft und konkret in der Sozialen Arbeit als politisch gemacht zu enttarnen und damit als prinzipiell  politisch veränderbar zu identifizieren. Hierzu können die Verbände beitragen aber z.B. auch die Hochschulen, die solche Fragen schon in den ersten Semestern aufgreifen sollten.

Vor allem aber müsste sich eine Art “Graswurzelbewegung” kritischer Studiernder und PraktikerInnen entwickeln. Das kann den Betroffenen keiner abnehmen, weder die Verbände noch die Hochschulen, sie können nur Anregungen geben und entsprechende Initiativen unterstützen.
Es ist entscheidend, dass Studierende und vor allem PraktikerInnen anfangen, sich auszutauschen, und zwar über ihre Träger, ihre Einrichtungen und über Arbeitsfelder hinweg. Die Loyalität zum Träger, der selber finanziell in der Klemme steckt, die Eingebundenheit in die Unternehmen, in die sich all die ehemalig gemeinnützigen  Einrichtungen verwandeln mussten und die Vorstellung, dass Sozial Arbeitende in unterschiedlichen Praxisfeldern kaum gemeinsame Interessen haben, all das verhindert zur Zeit das Wachsen eines selbstbewußten, kritischen und offensiven Bewußtseins in der Sozialen Arbeit.

Für solche kritischen Arbeitsgruppen einer Stadt oder eines Landkreises könnten dann wieder die Verbände Rückhalt und Unterstützung bieten. Aber das ist m. E. erst der zweite Schritt. Am Anfang steht m. E. die  Einsicht, dass es einen Sinn macht, sich unter kritischen SozialarbeiterInnen zu vernetzen, sich gegenseitig zu unterstützen, zu informieren, auszutauschen und gemeinsame Strategien und Taktiken zur Durchsetzung ihrer Interessen und zur Durchsetzung von mehr Professionalistät und Fachlichkeit  zu entwickeln.

Gedanken zum Phänomen „Politischer Analphabetismus“


Die Veranstaltung war gut, ein erster Schritt und es sollen weitere folgen. Aber dennoch msus ich meinem Erschrecken einmal Luft machen:
Das, was ich unter den Studierenden wie unter den PraktikerInnen erlebe, kommt mir manchmal tatsächlich vor wie eine Art politischer Analphabetismus. Als müsse eine Sprache, ein Art zu denken, eine bestimmte Interaktion und Kommunikation ganz von vorne neu erlernt werden!

Einengungen, fachliche Umsteuerungen, eingreifende finanzielle Einschränkungen und all die Herausforderungen der Ökonomisierung und des aktivierenden Staates in der Sozialen Arbeit werden als unveränderlich angesehen, werden wie Naturkatastrophen kommuniziert und beklagt oder hingenommen.

Die Ideologie, die der aktivierende Staat verbreitet, ist bei einer Berufsgruppe in den Köpfen angekommen und bei den meisten VertreterInnen voll internalisiert, die wie keine andere Berufsgruppe tagtäglich mit den Folgen gesellschaftlicher Verwerfungen konfrontiert ist und für die es eigentlich selbstverständlich sein müsste, dass für Problemlagen ihrer Klientel nicht nur persönliche Defizite sondern auch gesellschaftliche Verhältnisse verantwortlich sind. Der Staat, die Politik zieht sich aus der Verantwortung und verbreiten die Mär, sie hätten mit all diesen Problemlagen nichts zu tun. Es entwickelt sich zunehmend in der Sozialen Arbeit wie auch insgesamt in der Gesellschaft ein Tabu: Die gesellschaftlichen Ursachen werden aus dem Blick gerückt, verleugnet, und die Gesellschaft entzieht sich der Verantwortung und lastet sie den einzelnen Individuen auf. Auch Sozial Arbeitende verlernen, die sozialen und gesellschaftlichen Hintergründe der Problemlagen ihrer Klientel und die ihrer Profession zu erkennen.

Im Rahmen meiner Erfahrungen mit den Studierenden der Sozialen Arbeit, mit PraktikantInnen, mit Studienanfängern, mit Masterstudenten und mit denjenigen, die kurz vor dem Berufseintritt stehen und plötzlich mit gerunzelter Stirn auf das schauen, was sie in der Praxis erwartet, mache ich mir immer wieder Gedanken über die Frage, wie es in dieser Profession zu einer derartigen Entpolitisierung hat kommen können. Könnte man das ändern? Ist es derzeit überhaupt änderbar?

Die Erfahrungen mit diesem politischen Analphabetismus sind alltäglich und vielfältig:

·         Qualitative Interviews mit BerufspraktikerInnen im Rahmen einer Masterarbeit brachten zu tage, dass und wie sich Sozial Arbeitende verhalten, wenn sie die Veränderungen und Herausforderungen in ihrem Arbeitsfeld zu spüren bekommen. In unterschiedlichen Feldern waren die Veränderungen deutlich zu spüren. Aber ihr Hintergrund wurde weder reflektiert noch wurden Begründungen gesucht. Verantwortlich waren für die PraktikerInnen eher vordergründige Faktoren, der schlechte Leiter, die organisatorischen Umstellungen, das knappe Geld. Die Strategien zur Bewältigung dieser Stressfaktoren, die z.B. im Allgemeinen Sozialen Dienst als besonders belastend und heftig erlebt wurden, schwanken zwischen dem Bemühen „Probleme und Belastungen sowie Veränderungen positiv für sich umdeuten“ und dem Versuch, die Probleme mit Einsatz der eigenen Kräfte und vielleicht noch mit Unterstützung des Team auf sich zu nehmen und irgendwie damit fertig zu werden. Anpassung könnte man zu beiden Strategien sagen.

·         Die Diskussionen auf unserer Veranstaltung „Meine Rechte im Beruf“ über die z.T. skandalösen Arbeitsbedingungen von Sozialarbeitern endeten letztlich immer wieder bei der real erlebten Erkenntnis, dass ein sich Wehren oder Forderungen Stellen nur dazu führt, dass Mittel und Ressourcen an einer anderen Stelle gekürzt werden. Das sich zusammen Tun klappt nicht, weil sich die Teammitglieder nicht einig sind in der Einschätzung der Lage und immer einige eher mit der Leitung oder dem Träger zusammen stecken, als dass sie bereit sind im Kollegenkreis Solidarität zu üben.
Nicht selten führt ein sich Wehren oder Fordern deshalb ganz direkt und konkret zur Gefährdung des eigenen Arbeitsplatzes.

·         Und wer da wirklich helfen kann, darüber bestehen kaum Vorstellungen und keinerlei Wissen. Was z.B. Gewerkschaften sind und was sie für KollegInnen tun können, entzieht sich meistens der Kenntnis. Davon haben sie weder in der Schule etwas gehört noch im Studium bisher. Und offensichtlich werden solche Kenntnisse auch nicht über Medien oder Eltern vermittelt.

·         Außerdem besteht meiner Erfahrung nach im Osten unseres Landes bei den Wenigsten so etwas wie ein Urvertrauen gegenüber Gewerkschaften oder Berufsverbänden. Man glaubt gar nicht, dass die wirklich etwas für einen tun können und wollen. Der Weg dorthin ist deshalb so unendlich weit und von Hindernissen verstellt, weil man nicht einfach auf so einen Verband zugehen kann und will. Denn man hat schließlich Zweifel, ob er sich vom Schäferhundverein oder irgendeiner beliebigen anderen Interessengruppe unterscheidet.

·         Die Verbände haben das nicht begriffen. Sie selber haben den Eindruck, etwas anzubieten, Einsatz und Hilfestellungen als ihre Dienstleistungen bereit zu halten. Sie verstehen nicht, dass es – zumindest im Osten – darüber hinaus nötig ist, das Vertrauen der potentiellen Mitglieder überhaupt erst einmal zu wecken und zu gewinnen.

Es besteht ein weit verbreitetes Grundgefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht. Man ist ohnmächtig, weil man alleine ist, aber als Kollektiv fühlt man sich genauso ohnmächtig. Und es gibt keine Ideen, wie man sich zusammenschließen könnte, wie man sich als kritische Gruppe vor Arbeitgebern und Ideologen schützen könnte, wo man sich Bündnispartner holen kann usf.
Es besteht allerdings auch kaum eine Vorstellung darüber, was politischer Kampf bedeutet: nämlich Geduld, Zähigkeit, Mut und die Erfahrung der eigenen Stärke und des aufrechten Ganges, sowie die Erfahrung der Solidarität in der gemeinsamen Gegenwehr. Gemeinsame politische Arbeit durchaus macht auch Spaß. Aber sie erfordert Engagement und die Entscheidung, etwas einzusetzen (z.B. Zeit und Kraft) und auch etwas zu riskieren.

Aber es geht auch heute. Unsere Gruppe hat es gezeigt.

 

Erster Rückblick auf unsere Veranstaltung

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die letzten Vorbereitungen

Sie war sehr erfolgreich und gut besucht (über 50 Studierende, 6 ProfessorInnen, ein knappes Dutzend Ehemalige). Die Verbände waren alle vertreten und haben sich bereit gefunden, statt lange Vorträge über sich zu halten, mit uns zu diskutieren, sich die Fragen und Forderungen der Studierenden anzuhören und „ihre Hausaufgaben“ mit zu nehmen. Es wurde drei Stunden diskutiert, es wurden Probleme aufgeworfen, Fragen gestellt und Ideen entwickelt. Die Arbeitsgruppe hat sich vergrößert und wird am Ball bleiben. Eine wichtige Aufgabe wird es sein, jüngere Matrikel in diese Thematik einzubinden, denn die Anwesenden waren fast alles Studierende des Diplomstudienganges in den Abschlusssemestern. Was ist mit unseren gestressten Leuten vom Bachelor-Studiengang, was mit den nachrückenden Jahrgängen?

Die Rückmeldung der TeilnehmerInnen war sehr positiv. Nicht nur die Organisation wurde in den grünen Klee gelobt (war auch super, hat richtig Spaß gemacht!) auch der Verlauf und die Inhalte wurden von fast allen als interessant und wichtig bezeichnet. Drei Teilnehmer haben uns explizit für die Veranstaltung gedankt!

Manche hätten sich aber doch mehr konkrete Informationen über die Verbände und über die Unterschiede zwischen ihnen gewünscht und mehr konkrete Informationen über die Rechte am Arbeitsplatz. Das lässt sich ja gut nachholen.

Für unsere FH kam die klare Botschaft: Kümmert euch um die (berufs-)politische Bildung eurer Studierenden, überstützt sie mit Informationen, mit politischen Themen in den Seminaren, macht die berufspolitischen Anligen zum Thema in Reflexionen und in Projekten.

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in der “Denkpause” am Büffet

 

In einigen Tagen wird sich die Arbeitsgruppe zur Auswertung und weiteren Planung bei einem gemütlichen Arbeitsessen treffen.

Es hat ja alles eigentlich auch erst eben angefangen….

Dennoch hat mich diese Veranstaltung sehr nachdenklich gestimmt.
Darüber demnächst.

Fragen der Studierenden (3)

3.   Wir fürchten uns davor, in dieser Situation als EinzelkämpferInnen dazustehen!

  • Wo und wie finden wir Gleichgesinnte?

  • Wenn wir in der Praxis solche Bedingungen vorfinden werden, was können wir dann machen, wer kann uns helfen?

  • Wir sehen vielleicht was los ist, aber machen wir dagegen?

  • Brauchen wir Gewerkschaften oder Berufsverband erst, wenn wir konkrete Probleme haben oder macht es Sinn, dort sozusagen präventiv mitzuarbeiten?

  • Sind Gewerkschaften und Berufsverband nur für Berufstätige nützlich oder auch schon für Studierende?

  • Wie kommt man als normal Sterblicher an die ran?  Haben die z.B.  Hochschulgruppen?

     

Fragen der Studierenden (2)

2. Besteht die Gefahr, dass wir das hier an der FH Gelernte in der Praxis gar nicht mehr anwenden können, weil die Praxis qualifizierte und professionelle Soziale Arbeit überhaupt nicht mehr will und gebrauchen kann? ?

  • Wie kann qualitative Soziale Arbeit gewährleistet werden?
  • Wo finde ich als Berufstätige eine Lobby für gute und anerkannte Soziale Arbeit?
  • Wie sehen DBSH und Gewerkschaften dieses Problem?

Erfahrungen aus den Tiefebenen der Politikabstinenz

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Wie kann es heute gelingen, werdende Soziale ArbeiterInnen wieder für politische Fragen und für kritische Positionen aufzuschließen und die Bereitschaft zu unterstützen und zu fördern, sich zusammen gegen das zu wehren, was man nicht akzeptieren kan?

Ich habe vor einem Jahr begonnen, an unserer FH einen Schritt in diese Richtung zu tun. Wir haben vor ca. 2 Jahren als geschlossene Fachgruppe Soziale Arbeit eine Zukunftswerkstatt gestartet, über die ich hier ausführlich berichtet habe. Danach war zwar in vielen Seminaren Manches Thema, was vorher kaum denkbar war und es wurden immer wieder Diskussionen geführt  über die Frage, was eine Politisierung der Sozialen Arbeit und der Sozialarbeitenden eigentlich bedeuten würde. Aber alles blieb nur im Seminarrahmen.

Irgendwann im letzten Jahr habe ich dann versucht, anknüpfend an das große Interesse an der damaligen Zukunftswerkstatt und an einem meiner Seminare mit dem schönen Titel: “Aktivierung- oder wie man in alte sozialpädagogische Schläuche neoliberalen Essig füllt”", Studenten zu einer Arbeitsgruppe zu anzuregen, die sich um weitere  Schritte Richtung Aktivierung  (in unserem Sinne) der Studierenden bemüht.
Von Anfang an bestand die Idee, eine Veranstaltung zu organisieren, bei der Studierende u. a. mit VertreterInnen des Berufsverbandes und der Gewerkschaften diskutieren könnten, welche Möglichkeiten für gemeinsame, kritische Zusammenarbeit entwickelt werden können: jetzt, im Studium und vor allem in der Zeit nach dem Examen, nämlich in der Praxis.
Schon bei den ersten Überlegungen wurde deutlich: wenn die anderen Kommilitonen erreicht werden sollen, müssen Wort vermieden werden, die heute offenbar abschreckend wirken: also Worte wie “kämpfen”,”Gewerkschaften”, selbst das Wort “Politik”. Anknüpfen müsse man, so die StudentInnen, an der ganz persönlichen Betroffenheit, an der Angst, später im Berufsleben als isolierte Einzelkämpfer unter die Räder zu kommen, im Prekariat zu enden oder Soziale Arbeit unter Bedingungen machen zu müssen, die eine qualifizierte und für Klienten parteiliche Arbeit gar nicht ermöglichen.  Das haben wir nun also versucht.

Nächste Woche wird  diese Veranstaltung stattfinden. Unsere Gäste sind eingeladen und werden kommen. Wir haben im Fachbereich ausführlich für diese Veranstaltung geworben und uns viele Gedanken um die Gestaltung und den Ablauf gemacht - und was danach vielleicht möglich sein wird.

Ich habe mich, als Professorin, immer wieder versucht, weitgehend aus den Aktivitäten zurückzunehmen und die Verantwortung und die Initiative den Studierenden zu überlassen. Das ging nicht immer. In den ersten Monaten war es fast unmöglich, mit den noch übrig gebliebenen, zwar  hoch motiviertenaber arbeitsmäßig total überlasteten StudentInnen überhaupt mal einen gemeinsamen Termin in der FH zu finden. Und wenn wir einen gefunden hatten, musste der erste schon nach einer halben Stunde wieder gehen und der nächste konnte erst nach einer dreiviertel Stunde dazustoßen…. Die zunächst sehr schleppenden Rückmeldungen von Seiten der angesprochenen Gewerkschaften und des DBSH frustierten und enttäuschten die Studenten außerdem sehr.

Irgendwann hatte ich die glorreiche Idee, meinen Samstag Morgen zu opfern und als Termin - mit Arbeitsfrühstück - in meinen 4 Wänden anzubieten. Siehe da, da konnten sie alle.
Fortan wurde die Arbeit gezielter, die Absprachen im Forum unseres Stud IP wurde dichter, verlässlicher und schneller, jeder übernahm verantwortlich Aufgaben die auch prompt erledigt wurden. Unser Werbeplakat ist schön geworden, auffällig, ungewöhnlich und interessant. Die StudentInnen, die ursprünglich in der AG mitgemacht hatten, trudeln allmählich wieder ein. Unser Fachbereichsrat hat die Veranstaltung empfohlen und angeordnet, dass keinem Studierenden die Teilnahme zum Nachteil werden darf (etwa, wenn er dafür ein Seminar nicht besuchen kann)….

Wir sind gespannt.

wenn der Berg nicht zum Propheten kommt….

Immer wieder sind wir in den letzten Semestern darauf gestoßen, dass unsere Studierenden so gut wie nichts wissen über eine für sie mögliche politische oder auch nur berufsständige Interessenvertretung als zukünftige Sozialarbeitende. In der Zukunftswerkstatt im letzten Jahr wurde das diskutiert und es entstand die Idee, eine Veranstaltung zu organisieren, zu der VertreterInnen der Gewerkschaften und des DBSH eingeladen würden.
Über meine Kontaktaufnahme mit VertreterInnen dieser Oraganisationen habe ich hier schon berichtet. Von den Gewerkschaften hat nach wie vor niemand reagiert. Der zuständige Vertreter des DBSH hat seine Bereitschaft erklärt. Auf dem Bundeskongress wurden die nachfragenden Studenten beim DBSH Stand und bei den Gewerkschaften mit Informationsschriften und Werbetassen  beglückt. Zu einer Veranstaltung ist es noch immer nicht gekommen.
Ich halte es zwar für unsere Aufgabe als HochschulehrerInnen, solche Informationen zu vermitteln solche Themen anzusprechen. Ich habe das jetzt z.B. bei Erstsemestern versucht und hatte den Eindruck, sie hielten mein Anliegen für merkwürdig wenn nicht sittenwidrig. Interessenvertretung und politische Organisation scheint für die Soziale Arbeit in der Praxis wie in der Ausbildung heute ein Fremdwort.
Wir könnten diese Veranstaltung als offizielle Hochschulveranstaltung sicherlich hinkriegen. Ich müsste nur, statt schlicht zu mailen, die Anschreiben  mit Briefkopf und der Unterschrift der Dekanin versehen und damit hochoffiziell an die VertreterInnen schreiben. Dann kämen sie vermutlich ohne Weiteres. Aber letztlich ist dies eine Angelegenheit der Studierenden selber. Aber mir scheint es sinnvoller, wenn die GewerkschaftsvertreterInnen und der Berufsverband von Anfang an merken, dass hier Studierende, zukünftige Sozialarbeitende Anliegen haben, Fragen und Diskussionsbedarf und dass sie mit ihnen ins Gespräch kommen wollen. Deshalb scheint es mir viel besser, wenn sie auch von Studierenden angesprochen und eingeladen, befragt und in Anspruch genommen werden.
Ich hatte an ca. 100 Studierende eine Einladung für ein erstes Treffen zur Vorbereitung geschickt. 6 kamen. Immerhin. Und wir haben beschlossen, das Ding gemeinsam in die Hand zu nehmen. Leicht wird das nicht. Es ist schon ein große Leistung, mit 7 Leuten einen gemeinsamen Termin für ein nächstes Treffen hinzukriegen .

Inzwischen sind es noch 4 Studierende. Aber unsere Planung ist jetzt schon ziemlich konkret. Ver.di und der DBSH haben inzwischen  ihre Teilnahme zugesagt…

Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss eben der Prophet zum Berg gehen…..

man versucht halt das Beste daraus zu machen….

Zur Zeit betreue ich ein Projekt , in dem sich Studierende an eine qualitative Untersuchung bei PraktikerInnen trauen zu der Frage, wie sich zu Zeiten von Ökonomisierung und aktivierendem Staat ihre Arbeitssituation konkret verändert hat. Man kann auf die Ergebnisse gespannt sein. Die Interviews liegen schon vor, die Auswertung kommt noch.
Was aber jetzt schon deutlich ist:  SozialpädagogInnen, die im Kontext ARGE (in Jobcentern und Beratungsstellen) arbeiten und vor drei Jahren noch unter den beengten thematischen und  methodischen strukturellen sowie ethisch problematischen Vorgaben des Fallmanagements gestöhnt haben und sich fragten, ob diese Tätigkeit wirklich eine sozialpädagogische Tätigkeit sei, die sie vor sich selber verantworten können, haben sich mit ihrer Situation inzwischen arrangiert und abgefunden, ja sie sehen inzwischen echte fachliche Möglichkeiten, wie sie als SozialpädagogInnen für ihre Klientel etwas erreichen können.
Na dann ist ja doch alles in Ordnung?
Frage ist nur: Haben sich die Bedingungen für professionelle und partizipative Arbeit in diesem Bereich und vielleicht auch speziell an der konkreten Arbeitsstelle wirklich zum Positiven entwickelt? Oder haben sich die KollegInnen nur einfach an den gesetzten Rahmen gewöhnt und versuchen nun, irgendwie doch das Beste daraus zu machen?
Ich fürchte, niemand hält drei Jahre lang aus, in dem Bewußtsein zu leben und zu arbeiten, dass an den Grundlagen der eigenen beruflichen Tätigkeit etwas faul ist. Entweder er geht - und wer kann sich das leisten - oder er wird krank. Oder er versucht eben doch aus Stroh Gold zu spinnen.

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Ich frage mich, was man tun kann, damit kritische Studierende, die in der Praxis ankommen, eine Chance haben, sich ihr kritisches Bewusstsein zu erhalten und Wege zu finden, gemeinsam an den Grundlagen solcher  Arbeitsbedingungen zu rütteln?