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1.2.2011 von Eiswürfel.
Heute habe ich erfahren, dass ein kooperierendes Sozialamt die Zahlung der Fachleistungsstunden verweigert.
Die Begründung : man könne ja nicht kontrollieren , ob die Termine und Gespräche tatsächlich statt gefunden haben und Klienten könne man ja auch nicht trauen…
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4.1.2011 von m.s..
ein alltäglicher Fall:
Corinna musste im Heim untergebracht werden. Zu Hause herrschte das blanke Chaos. Die Mutter war nicht in der Lage, für ihr Kind zu sorgen.
Corinna machte sich im Heim gut. Deshalb sah niemand ein Problem darin, sie nach 2 Jahren zu ihrer Mutter zurückzuschicken, zu der immer noch ein intensiver Kontakt bestand. Die Mutter hatte das Blaue vom Himmel versprochen: Alles würde jetzt besser und alles würde gut.Und wenn Klienten so motiviert sind, dann ist ja alles o.k.? Zumal man enorm Geld spart, wenn die inzwischen 12Jährige wieder zu Hause leben kann.
Nach 2 Jahren ist das Zeitfenster wieder für Corinna also wieder zu und das Kind kommt wieder nach Hause – leider, ohne dass was passiert ist und ohne, dass die Mutter sich anders verhält. Sie stellt die von ihr geforderte Ordnung in der Wohnung und im Alltag nicht her, obwohl das Jugendamt es verlangt. Sie begreift nicht, was das Kind braucht und dass es sie braucht.
Das Jugendamt ist sauer und empört und versucht es mit Druck. Es gibt einige halbherzige Versuche, aber es klappt nicht.
Die MitarbeiterInnen im Jugendamt runzeln die Stirn zucken mit den Schultern. Die eine Hälfte der MitarbeiterInnen möchte das Mädchen erst einmal wieder zurück ins Heim bringen. Die andere Hälfte ist der Meinung, dass die Mutter ihre Chance gehabt hat und nun sehen muss, wie sie und dass sie mit ihrer Aufgabe fertig wird.
Wer eigentlich fragt sich: warum macht sie es nicht? Warum schafft sie es nicht?
Wer hilft ihr, es zu lernen?
Wer hilft ihr, es zu schaffen?
Und wer erkennt die Lage, wenn es wirklich nicht geht, und rettet das Kind langfristig?
Was ist hier Aufgabe der Sozialen Arbeit? Was könnte sie wirklich, wenn die Köpfe befreit wären von der Schere der Ökonomie im Kopf und von der Vorstellung, dass Menschen zu funktionieren haben und man sie nur anschubsen muss, damit sie es endlich tun.
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26.11.2010 von m.s..
In meiner Sprechstunde ein Student, wir kommen ins Gespräch. Er erzählt, dass er bereits eine technische Ausbildung hat, nach einem Jahr aber wieder auf der Straße stand, weil seine Firma Konkurs angemeldet hatte. Da habe er sich entschlossen, Soziale Arbeit zu studieren - d.h. eigentlich hatte er sich bei der Polizei beworben, die ihn aber wegen eines körperlichen Defektes nicht genommen haben. Da habe er eben angefangen, Soziale Arbeit zu studieren. “Ist doch eigentlich ziemlich ähnlich”, stellt er fest.
Mir bleibt die Spucke weg.
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20.11.2010 von m.s..
Seit 8 Jahren macht die Sozialpädagogin Susanne P. (Name verändert) in einer sächsischen Kleinstadt in einer Mittelschule allwöchentlich einen Kochkurs. Anfangs ging es wirklich nur ums Kochen. Längst ist aus der Gruppe der derzeit 8 Kinder eine Art Club geworden, wo sie sich treffen, wo sie sich ausprobieren können, wo geredet und erzählt wird, wo soziales Lernen stattfindet, wo sich die Kids wohlfühlen und wo sie über sich hinauswachsen können.
Von den 8 Kindern sind 7 aus sozial benachteiligten Familien, alle 8 gelten in der Schule als lernunwillig und leistungsgestört. Auch die Eltern sind kaum an ihnen interessiert. Aber hier im Club sind sie kreativ, machen sie begeistert mit. Und am Ende des Jahres gibt es sogar leckeren Kuchen für alle.
Aber darauf kommt es Susanne gar nicht an.
Aber es ist schön, wenn die Kinder Erfolg haben und merken, was sie können. Im Unterricht haben sie jedenfalls keine Erfolgserlebnisse und die meisten von ihnen werden längst als Looser abgestempelt.
Susanne aber erlebt ihre Jugendlichen völlig anders. Z.B. machen die Jugendlichen zusammen mit Susanne ein mal im Jahr eine Exkursion in die Werkstatt ortsansässiger Metzger- und Bäckerbetriebe und dürfen sich dort selber betätigen. Das ist jedesmal ein echtes Highlight, die Jugendlichen sind begeistert. Und die Meister erleben die Jugendlichen und ihre eigentlichen Qualitäten - jenseits von allen Schulnoten! In den letzten Jahren wurden drei Jugendliche anschließend in eine Lehre übernommen.
Nun könnte man meinen, mit diesem Projekt schmückt sich der begeisterte Schulleiter, die Leherer stehen Schlange bei Susanne, um sich abzugucken, wie man solche Kids begeistert.
Und das Jugendamt, so sollte man doch annehmen, versucht, ähnliche Projekte an andere Schulen zu vermitteln.
Man könnte erwarten, im Lokalblatt stände ein toller Artikel über das Projekt, seine Erfolge, seine Protagonisten und den sozialpädagogischen Ansatz dieses “Kochkurses”.
Aber wir leben hier und heute und es ist leider ganz und gar anders.
Susanne muss sich damit auseinandersetzen, dass die Schule auch nach 8 Jahren kaum von ihrer Person und ihrer Arbeit, geschweige denn von ihren Ergebnissen Notiz nimmt und dass man ihr neuerlich Beurteilungsbögen in die Hand drückt, wo sie das Verhalten ihrer Gruppenmitglieder je nach gezeigter Disziplin und nach Fleiß bewerten soll.
In der Hoffnung, von sozialpädagogischer Seite her Unterstützung zu finden, hat Susanne versucht, im alljährlichen Bericht für das Jugendamt endlich einmal klarzustellen, dass sie keinen Kochkurs macht, sondern tatsächlich Sozialpädagogik praktiziert. Aber ihr eigener Träger gab ihr den Bericht zurück mit der Bemerkung, das sei ja alles schön und gut, aber bezahlt würde sie für einen Kochkurs. Dass sie eigentlich sozialpädagogisch tätig sei, wäre ja o.k., aber man müsse es gegenüber dem Jugendamt und der Schule, nicht an die große Glocke hängen. Letztere brauche Leute, um ihre AG Strecke im Kontext Ganztagsschule zu bestücken. Und das Jugendamt sei im Kooperationsvertrag verpflichtet, diese Leute zu liefern. Und alles andere sei Luxus.
Wenn das so ist, frage ich mich, warum erklären wir unseren StudentInnen eigentlich, was Fachlichkeit ist? Warum machen wir uns die Mühe, ihnen Methoden und Handlungsorientierungen beizubringen, wenn niemand von denen, die die Arbeit - schlecht genug - finanzieren, daran interessiert sind, dass sie ihr Geld auch wert ist: die Schule nicht, der Chef nicht, der Träger nicht und offenbar auch nicht das Jugendamt?
Frage: Was kann Susanne tun? Was können wir tun?
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18.11.2010 von Claus Thaler.
Gestern telefonierte ich mit einer Bekannten, die im Altenpflegebereich tätig ist. Sie berichtete mir über einen Vorfall, der mich ziemlich erschütterte: Sie und ihre Kollegin hatten zusammen an einem Sonntag Dienst und haben sich während ihrer Pausen mit den alten Menschen beschäftigt und Spiele (z.B. Mensch ärgere Dich nicht) gespielt. Sie erzählte mir, dass diese richtig glücklich waren, dass sich einmal jemand mit ihnen beschäftigt und ein bisschen Abwechslung in den tristen Alltag kommt. Dieses (auch für sie) freudige Erlebnis erzählte sie ihrer Vorgesetzten, weil sie der Meinung war, dass solche Dinge mehr gefördert werden sollten und es nur zu einer Verbesserung der Lebenssituation der alten Menschen führt. Doch da hatte sie falsch gedacht und traf auf alles andere als Verständnis. Sie und ihre Kollegin wurden gefragt, wie sie es sich denn erlauben könnten an einem Sonntag, wo sie sowieso nur zu zweit sind und eigentlich keine Zeit haben dürften, sich in ihrer Pause noch der Freizeitgestaltung der Bewohner zu widmen! Das wäre nicht ihr Aufgabenbereich und dafür würden sie auch nicht bezahlt!
Ich frage mich in solchen Situationen immer: um wen geht es hier eigentlich? Um den Menschen anscheinend schon lange nicht mehr. Lasst doch die alten Leute vor sich hin vegetieren. Wer braucht denn schon den Umgang mit dem Personal, außer zum Waschen oder Füttern? Und wenn Mitarbeiter ihren sozialen Beruf auch einmal mit Leben füllen, dann ist das nicht gewünscht. Sie und ihre Kollegin fühlen sich jedoch allein gelassen, da die anderen MitarbeiterInnen nur hinter vorgehaltener Hand über die miserablen Zustände sprechen. Sie fühlt sich machtlos und im Stich gelassen, weil von Solidarität überhaupt nichts zu merken ist. Sie ist auch soweit, dass sie überlegt, das Arbeitsfeld zu wechseln. Ich musste ihr aber leider sagen, dass andere Bereiche der Sozialen Arbeit oder auch speziell im Pflegebereich nicht viel besser dastehen!
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11.11.2010 von m.s..
DIE Soziale Arbeit, die gibt es so doch gar nicht. Es gibt Erziehungshilfe oder Arbeit im Krankenhaus oder Altenhilfe oder Suchtberatung …. , das ist doch jedesmal was anderes???
Natürlich, es ist so viel leichter zu erzählen, was man als Altenhelferin, als Jugendarbeiter, als Sozialarbeiter in der Psychiatrie oder als Erziehungshelfer macht. Aber machen die wirklich alles was anderes? Gibt es weder gemeinsame Aufgaben, Wege, Methoden, Ziele, Herangehensweisen? Wenn das so wäre, gäbe es wahrheftig keine Soziale Arbeit mehr.
Warum ist es so schwer, das Gemeinsame zu definieren?
Alle drei unterstützen Menschen in problematischen oder prekären Lebenslagen bei der Bewältigung ihres Lebens.
Jenny macht genau das für ihre Senioren. Jens versucht das für seine Jugendlichen im Zentrum. Katrin würde das gerne im Krankenhaus leisten für die Menschen, die aufgrund ihrer Krankheit in eine Lebenskrise geraten sind. Wo ist der Unterschied?
Was hat Jenny W., Sozialarbeiterin in der ambulanten Altenhilfe, und Jens P., Sozialarbeiter in einem Jugendberufshilfeprojekt, mit Katrin H., Sozialarbeiterin in der Krankenhaussozialarbeit miteinander zu tun?
Fast könnte man meinen: gemeinsam ist für alle vor allem, dass sie unter Kürzungen, Fremdbestimmung ihrer Aufgaben und ihrer Lösungsweg und unter prekären Arbeitsbedingungen leiden, dass ihnen für eine gute Arbeit zu wenig Zeit fehlt, es sei denn, sie opfern ihre Freizeit. Gemeinsam ist allen, dass sie befristete Arbeitsplätze haben bzw. am Jahresende nicht sicher sein können, ob ihr Arbeitsplatz erhalten wird, gemeinsam ist, dass sie für ihre Klienten nur begrenzt Parteiergreifen können, weil man ihnen Vorgaben macht, was sie tun und wie sie es tun sollen, gemein ist wahrscheinlich allen, dass sie viel mehr könnten, als von ihnen erwartet wird ….
Jenny, Jens und Katrin, alle drei unterstützen Menschen in problematischen oder prekären Lebenslagen bei der Bewältigung ihres Lebens, wurde oben gesagt.
Aber wie tun sie das? Wie gehen sie vor? Welches Menschenbild steckt dahinter? Welche Methoden brauchen sie dazu?
Gemeinsam ist allen, wenn sie sich wirklich als lebensweltorientierte Sozialarbeiter verstehen, dass sie diese Unterstützung auf eine Weise zu erreichen suchen, die die Menschenwürde, die Eigenaktivität der Klienten sichert und die die Betroffenen nicht für Probleme schuldig und verantwortlich erklärt, die gesellschaftliche Ursachen haben.
Und so würden eben auch im Detail alle Drei in ihrem Arbeitsfeldern und mit diesen unterschiedlichen Zielgruppen genau das Gleiche(nicht dasselbe) tun, auch wenn es konkret etwas anders aussieht, je nachdem ob ich mit alten Menschen, jungen Berufssuchenden oder erkrankten Menschen arbeite.
Sie leisten Unterstützung bei der Lebensbewältigung, indem sie
Natürlich ist es nicht selbstverständlich, dass so Soziale Arbeit praktiziert wird. Es ist leider überhaupt nicht selbstverständlich. Es gibt genug SozialarbeiterInnen, die noch heute das alte fürsorgliche Modell aus der 1. Hälfte des letzten Jahrhunderts praktizieren. Und es gibt genug SozialarbeiterInnen, denen eine lebensweltorientierte Sozialarbeit viel zu anstrengend, viel zu kompliziert und viel zu wenig selbstbestätigend ist. Sie ziehen die alten Konzepte vor. Und genau die sind es dann, die die Herausforderungen von Ökonomisierung und aktivierendem Staat zu einer „Ich weiß, was für dich gut ist-Sozialarbeit“ und zum Einsatz von Fordern, Druck und Sanktionen begrüßen. Sie nehmen diese „neue“ Sozialearbeitskonzeption entspannt an und sind froh, dass diese anstrengenden „Grillen der Lebensweltorientierung“ endlich vergessen werden können.
Eine autoritäre, fordernde Sozialarbeit, die mit Macht und Druck arbeitet, kann allerdings all die oben genannten Ziele nicht erreichen. Will sie wohl auch gar nicht. Ihr würde es reichen, dass die Klienten endlich das machen, was die Helfer oder Verwalter als notwendig und richtig ansehen.
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19.10.2010 von m.s..
Am letzten Urlaubstag besuchte ich in Mainz eine alte Bekannte, die seit gut 20 Jahren als Berufsberaterin arbeitet. (* der Name ist natürlich geändert
).
Spätestens bei ihren Erzählungen hat mich die Wirklichkeit eingeholt.
Inge hat zur Zeit ernsthaft Ärger mit ihrer neuen, jungen Chefin. Man wirft ihr vor, nicht qualifiziert zu arbeiten. In einem Mitarbeitergespräch wurde ihr mitgeteilt, sie berate nicht hinreichend effektiv und würde sich zu wenig an der Effektivität orientieren. Es droht ihr eine Abmahnung, weil sie sich geweigert hat, einen jungen Mann für eine Weiterbildung anzumelden, die ihm bei seiner Lage und seiner gegenwärtigen Motivation absolut nichts brächte.
“Aber Sie wissen doch ganz genau, dass bis zum Frühjahr unsere Statistik so da stehen muss, wie es die Bundesregierung plant. Melden Sie ihn an! Und wenn er nicht will, dann lassen sie sich was einfallen!”
Nun hat Inge seit 20 Jahren ihren Beraterberuf ausgeübt. Sie hat sich stets darum bemüht, dass ihre Beratung wirklich nützlich ist und den Menschen weiterhilft, die sie beraten soll. Sie hat sich nicht um Statistiken und abstrakte Erfolgsziele gekümmert, sondern Soziale Arbeit gemacht, die Menschen geholfen hat.

Aber das ist nicht mehr gefragt. Man kritisiert ihre Fachlichkeit, die sie über die politischen und ökonomsichen Ziele ihres Arbeitgebers stellt. Und wirft ihr mangelnde Qualität vor.
Inge fühlt sich ohnmächtig. Die Kolleginnen, die alle meinen, dass sie im Recht ist, schweigen, wenn sie gefragt werden und versuchen ihrerseits nicht aufzufallen.
Inge möchte die letzten Jahre ihrerer Berufstätigkeit noch etwas Sinnvolles tun und sie möchte Anerkennung für ihre fachliche Leistungen. Stattdessen sieht sie sich gefangen und eingesperrt in eine hirnrissige, verlogene Erfolgsideologie.
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29.3.2009 von m.s..
Vorgestern hatte ich wieder Prüfungen meiner berufstätigen Studierenden.
Es ging um die Reflexion ihrer Berufspraxis auf dem Hintergrund dessen, was sie bei uns gelernt haben.
Und alle berichteten von einer Diskrepanz zwischen dem, was eigentlich fachlich richtig und sinnvoll wäre und dem, was unter den vorgegebenen Bedingungen möglich ist.
Hier fehlt es an der notwendigen Zeit, dort an der Möglichkeit, Hilfen so zu verändern, dass sie auf die Möglichkeiten der KlientInnen wirklich passen, hier werden Probleme nicht angegangen, weil man daran Geld verdienen kann, dort muss man zusehen, wie ein an und für sich brauchbares Gesetz, dass eigentlich Menschen helfen soll, ins Gegenteil verwandelt wird und als Alibi und Einfallstor für Rauswurf und Kündigung dient.
Interessanter Weise wurden diese Diskrepanzen von den Studierenden zwar erwähnt, oft auch kurz problematisiert, aber keiner der KandidatInnen hat diese Problematik in seiner schriftlichen Arbeit dann weiter diskutiert und verfolgt.
Ich habe mit meiner Beisitzerin lange diskutiert, woran das liegen könnte. Hatten sie Angst, wir würden hingehen und ihren Trägern und Teams brühwarm erzählen, welch kritische MitarbeiterInnen sie sind? Fürchteten Sie, als NestbeschmutzerInnen dazustehen oder als Menschen, die die Probleme nicht bei sich, sondern immer bei anderen suchen?
Ich glaube eher, dass diese merkwürdige, resignierte Kritiklosigkeit, dieses “Mißstände kaum noch Wahrnehmen”, dieses sich gewöhnt Haben an unzureichende Bedingungen, die eine gute Arbeit nicht zulassen, dass all das mit dem ermüdenden täglichen Kampf zu tun hat,bei dem man irgendwie trotzdem, auch unter schlechten und eingeschränkten Bedingungen für die Klienten und auch für sich selber etwas Sinnvolles zu erreichen versucht. An den Bedingungen können Sie eh nichts ändern, sagen sie, nicht einmal ihre Vorgesetzten können das. Das alles sei einfach von oben so festgelegt worden, so seien eben die Förderrichtlinien, so seien die von oben gesteckten Ziele.
Dass Verwaltung und Pädagogik dabei zweierlei Sprachen sprechen, dass Finanzierung sich offenbar nicht nach dem Notwendigen, sondern nur nach dem richtet, was eben auf effizientem, kurzem Wege zu haben ist, dass Politik sich nicht interessiert für Menschenbiografien, sondern in erster Linie für Wahlergebnisse und für Kosteneindämmung, dass scheint ihnen eine natürliche, selbstverständliche und nicht zu ändernde Tatsache.
Wenn sie sich täglich dieser Widersprüche, der immer wieder drohenden Sinnlosigkeit ihrer fachlichen Bemühungen unter den verknappten Zeitbedingungen und im Rahmen der vorgegebenen, unumstößlichen bürokratischen Regelungen klar würden, wäre ihre Arbeit für sie wahrscheinlich nicht auszuhalten.
Ich muss das akzeptieren und verstehen. Aber es macht mir Angst.
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26.3.2009 von m.s..
Selbstverständlich ist das Problem, dass immer öfter Amokläufer in ihren (ehemaligen) Schulen Blutbäder anrichten, nicht durch Soziale Arbeit allein zu lösen, ebenso wenig wie durch Verbote von Gewaltspielen oder von Waffenbesitz. Da müsste man schon einmal genau hinsehen, was diese jungen Menschen antreibt und was ihr motivationaler Hintergrund für eine solche Tat ist. Aber wer will das schon. Die allgemeine Fassungslosigkeit schützt vor bitteren Erkenntnissen. Heraus käme dabei nämlich “nur”, dass die Situation in unserer gegenwärtigen Gesellschaft besonders auch für junge Leute durch Kälte, Zwänge und Perspektivlosigkeit geprägt ist und dass Gewalt in den Medien und in der Wirklichkeit alltäglich und selbstverständlich geworden ist. Wer hat sich hierzulande schon über den Krieg Israels gegen Palästina aufgeregt, bei dem Menschen hingemetzelt wurden, als handele es sich um ein Computer-Spiel.
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Pappkameraden auf der IWA: Die Messe hatte 68.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in sechs Hallen, drei davon reserviert für alles, mit dem man schießen kann
Wollte man wirklich an den Hintergründen etwas ändern, müsste man schon an etwas tiefer sitzenden Schrauben drehen. Da ist auch Schulsozialarbeit nicht mehr als eine Möglichkeit, bestehende Problemlagen abzuschwächen, Eskalationen zu vermeiden und Einzelnen individuell Perspektiven zu eröffnen. Auch sie behandelt sicherlich nur die Symptome dieser Gesellschaft. Hierzu ein hoch interessanter Beitrag.
Aber dennoch könnte Soziale Arbeit in diesem Kontext mehr leisten und wäre sinnvoller als all die Überlegungen für Verbote und Beschränkungen, für Sicherungsmaßnahmen und Abschottungen von Schulen.
Auszug aus meinem Schwarzbuch-Entwurf:
Hätte Schulsozialarbeit an der Erfurter Schule denn den Amoklauf verhindern können? Möglicher Weise:
- Schulsozialarbeit, angemessen ausgestattet und in das Schulleben und den Schulalltag integriert, wirkt wie ein Seismograph und kann bestehende Problematiken in der Schülerschaft sehr viel früher wahrnehmen.
- SchulsozialarbeiterInnen, die ja keine Zensuren verteilen und keine Abschlüsse vergeben, sind für SchülerInnen mit belastenden Problemen und für solche, die Stress mit der Schule haben, sehr viel eher als Ansprechpartner denkbar. Hier kann Hilfe und Unterstützung für Jugendliche geleistet werden, die sich in einer existentiellen Krise befinden und sie als ausweglos erleben.
- Schulsozialarbeit ist durchaus in der Lage, das Schulklima gemeinsam mit der interessierten Lehrerschaft dahingehend zu verändern, dass an einer Schule andere als gewalttätige Formen der Auseinandersetzung auch zwischen Schülern und Lehrern denkbar werden.
- Als Deutschland und insbesondere Thüringen entsetzt nach Erfurt schauten und es nicht fassen konnten, was da an einer deutschen Schule geschehen war, wurde zumindest eine Zeit lang über Ursachen solcher Gewaltausbrüche von Schülern und über Hilfemöglichkeiten auch im Schulkontext gesprochen.
Abgesehen davon, dass die Möglichkeiten der Profession Schulsozialarbeit in diesem Zusammenhang von Politik und Öffentlichkeit kaum oder gar nicht erkannt wurden (man rief statt dessen nach Schulpsychologen), war es selbst nach diesem Ereignis noch schwierig, eine angemessene Ausstattung von Schulsozialarbeit langfristig zu installieren. Heute, Jahre nach dem Amoklauf hat man die Stellen der Sozialpädagogen wieder auf eine reduziert.
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1.1.2009 von m.s..
Ich schreibe in meinem Forschungssemester derzeit intensiv an einem „Schwarzbuch Jugendhilfe „- Der Staat verkauft seine Kinder“ (oder auch “Schwarzbuch Soziale Arbeit”; ich bin noch nicht entschlossen, ob ich den Bereich auf Jugendhilfe einschränken werde). Das Buch soll vor allem lesbar, anschaulich und auch für Nichtinsider der Sozialen Arbeit verständlich und interessant werden.
Deshalb suche ich Praxisbeispiele, habe auch schon viele, aber es gibt ein paar Themen, da würde ich mich über konkrete Anregungen noch freuen.
Die Beispiele dürfen aus allen möglichen Bereichen der Sozialen Arbeit kommen. Die Erfahrungen können im Pratikum oder in der beruflichen Tätigkeit erworben worden sein. Sie können nur kurz skizziert oder auch ausführlich beschrieben werden. Ich brauche keine Namen, auch nicht von Städten oder Trägern und Einrichtungen. Die Infos sollten so allgemein formuliert werden, dass ich weiß, in welchem Kontext sich das Beispiel abspielt, mehr nicht (z.B. statt Drogenberatungsstelle x des Trägers Y in der Stadt A einfach nur: Drogenberatungsstellle eines großen, freien Wohlfahrtsverbandes in einer kleinen Stadt in Sachsen.)
Auch das sind für mich dann nur Anregungen. Ich werde alle Beispiele soweit verfremden, dass ein Rückschluss auf Träger, Ort, Personen oder Klienten nicht mehr möglich ist.
Es wäre toll, wenn ich von den Lesern dieses Blogs Unterstützung erhalten würde!!.
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