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27.5.2011 von m.s..
“Ist es denn wirklich so schlimm”, fragen mich ZuhörerInnen, LeserInnen, Studierende. “Finden Sie nicht, dass sie alles nur schwarz malen. Das hilft doch keinem!”
· · “Bei uns ist es gar nicht so, bei uns können wir noch richtig gut arbeiten”.(Gut sage ich, wunderbar, seien sie froh!).
Wir haben uns anständige Bedingungen erkämpft. Jetzt können wir wirklich Soziale Arbeit machen. Es geht doch!” (Wunderbar sage ich, wie haben Sie das gemacht. Erzählen Sie, damit alle es hören, sozusagen “best practice” im Bereich Widerstand!).
Solche Reaktionen höre ich durchaus, wenn ich die Folgen der Ökonomisierung und neoliberalen Politk für unsere Profession darstelle.
Aber z.B. auch solche:
”Was solls, so ist das eben heute. Wenn wir uns darüber ständig grämen, verlieren wir noch die letzte Lust an unserem Beruf. Es ist doch auch nicht alles schlecht.
“ Wenn die mit so was kommen, dann unterlaufen wir solche Tendenzen. Wir machen einfach doch, was wir für richtig halten.”
Viele versuchen, die Wirklichkeit in ihrem sozialpädagogischen Alltag irgendwie zu verschönern, sich einzureden, alles sei gar nicht so schlimm oder man könnte z.B. doch einfach die ganze Ökonomisierung hinters Licht führen. Sie versuchen vor dem die Augen zu verschließen, was angeblich bisher nur droht oder auch auch vor dem, was ohnehin unveränderbar scheint.
Ich halte das für unangemessen.
Denn die Lage der Profession Soziale Arbeit es ist schlimm. Es stellt sich aus meiner Sicht und Erfahrung ganz ernsthaft die Frage: Sind wir noch zu retten? Bzw. müssen wir uns und die Profession retten? Es besteht nicht etwa nur eine vage Gefahr. Besteht bereits eine Notlage?
Auch wenn (noch) nicht überall die massiven Folgen von Vermarktlichung und neoliberaler Sozialpolitik in der Sozialen Arbeit zu erkennen sind gibt und wenn nicht überall alle ihre Aspektegleichermaßen deutlich zum Tragen kommen - aus meiner Sicht geht es nicht mehr nur um mögliche Gefahren, “wenn man nicht aufpasst”. Es ist schon passiert. Wir haben nicht aufgepasst?
Viele Wissenschaftler und sogar hellsichtige, kritische Vertreter der Sozialverwaltung (die es durchaus gibt) konstatieren die Tendenzen und Absichten der Ökonomisierung und die Herausforderungen des aktivierenden Staatessehr sehr wohl, stellen sie aber meist nur als mögliche Gefahren dar. Mehr sehen und sagen sie selten. Wenn man ihnen zuhört, könnte man meinen, sie möchten vor irgendwelchen, eher unwahrscheinlichen Irrungen warnen, sind aber guten Mutes, dass ihre Warnung gar nicht nötig ist. Dass es sich um Fakten, um längst eingetretene Gefährdungen handelt, bleibt im Ungewissen.
Manchmal frage ich mich deshalb, ob es „höheren Ortes“ wirklich die Illusion gibt, das sei alles noch nicht Realität, nur Gefahr?
Ich halte es für nötig, der Wirklichkeit ohne Beschönigungsversuche ins Gesicht zu sehen. Nur wenn ich die Lage begreife, sehe ich die Notwendigkeit, etwas dagegen zu tun.
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21.5.2011 von m.s..
noch ein Splitter von der letzten Ringvorlesung “Das Politische im Sozialen” an der FH Jena:
Bei der anschließenden Diskussion meinte ein Teilnehmer, dass ihn all diese Analysen und Enthüllungen immer ohnmächtiger machten.
Kollege Kessl antwortete, dass - ganz im Gegenteil - seiner Erfahrung nach Reflexion und Wissen über die Hintergründe von Problemlagen eher Mut machen und Ansätze für aktive Gegenwehr ermöglichen.
Der Frager blieb unzufrieden. Er erwartete offenbar konkrete Hilfe für den Versuch, die eigene Ohnmacht zu überwinden.
Ich musste daran denken, dass es immer wieder LeserInnen meines Schwarzbuches gibt, die sagen: “Ja, sie haben ja Recht, aber das ist einfach unerträglich. Wenn ich mich damit befasse, verliere ich die Freude an meinem Beruf oder auf meinen Beruf. Dann wird alles wertlos und sinnlos und ich fühle mich einfach beschissen. Das tut mir nicht gut. Sagen sie doch mal was Aufbauendes, was Schönes!”
Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass das gar nicht das Ohnmachtsgefühl ist, was hier so stark und so unangenehm erlebt wird. Es ist das massive und unausweichliche Unbehagen an der Wirklichkeit, die man bisher so vielleicht nicht wahr haben wollte und vor der man sich hat schützen können und der man nun gezwungen ist, voll ins Gesicht zu sehen.
Dieses Unbehagen aber ist unumgänglich. Es ist unangenehm, es setzt einem vielleicht zu. Aber es ist absolut angebracht, wenn man sich die Situation wirklich ansieht. Es ist eine durchaus angemessene Rekation auf die gegenwärtige Lage. Die kann einen nicht froh machen. Die kann einem eher Angst machen. Und solche Gefühle hat keiner gerne. Aber es kann keinem erspart werden.
Man wird in der Regel erst wach und bereit, etwas zu tun, Widerstand zu leisten, sich zu engagieren, wenn man begreift - und nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem ganzen Menschen- , wie problematisch die gegenwärtige Situation in der Sozialen Arbeit, in der Sozialpolitk, in der öffentlichen Meinung, in der immer weiter auseinanderdriftenden Gesellschaft ist.
Das alles ist freilich eine Situation, die nicht durch Händeklatschen oder einmal den Mund aufmachen zu beseitigen ist. Der Versuch, etwas zu ändern, kostet Kraft und braucht einen sehr langen Atem. Ohnmächtig sind wir nur, wenn wir erwarten, dass sich etwas ändern kann, auch wenn wir nichts weiter dafür tun.
Wenn man sich aber entschließt, nicht mehr die Augen zu verschließen und auch nicht mehr passiv zu leiden, dann verschwindet dieses Unbehagen und es stellt sich Empörung ein und Lust darauf, dagegen zu setzen. Und das Gefühl der Ohnmacht weicht.
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17.5.2011 von m.s..
ein anderer Splitter von der letzten Ringvorlesung “Das Politische im Sozialen” an der FH Jena:
Fabian Kessl, der sich in seinem Vortag mit der “Neuen Steuerung” beschäftigte, stellt am Ende die Frage, ob die Einführung des New Public Management denn die Erwartungen erfüllt habe, die bei ihrer Einführung daran geknüpft wurden von vielen Sozialpädagogischen Fachkräften und Wissenschaftlern: die Enthierachisierung der Sozialen Arbeit z.B. in den Ämtern, mehr Bürgernähe und Bürgerbeteiligung, mehr Phantasie und Ideen in der Sozialen Arbeit, mehr Anerkennung durch die Gesellschaft, mehr Qualität usf.
Er kam zu der Antwort, dass das nicht der Fall sei, dass heute selbst die Verfechter des New Social Managements zugeben müssen, dass die meisten Erwartungen unerfüllt blieben.
Ich frage mich, ob das die entscheidende Frage ist, die man stellen kann.
Gut zu wissen, dass selbst diese Erwartungen nicht erfüllt, ja zum Teil sogar konterkariert wurden.
Aber die entscheidende Frage bei der Bewertung des Sozial Managements in der Sozialen Arbeit, bei der Unterwerfung der Sozialen Arbeit unter Marktprinzipien muss ja wohl sein: Was hat all das aus der Sozialen Arbeit gemacht?
Ist das, was der aktivierende Staat uns abverlangt und ist das, was Ökonomisierung und Verbetriebswirtschaftlichung mit unserer Profession anstellen, für unsere Profession erträglich? Ist es überhaupt mit unserer Fachlichkeit und unserer Ethik vereinbar? Und welche konkreten Folgen müssen für die Klientel, die SozialarbeiterInnen selber, für die sozialpädagogischen Prozesse und für das, was Soziale Arbeit ist, wie sie sich versteht, welche Aufgaben sie versucht zu lösen und für welche Zielgruppen sie sich engagiert bzw. engagieren darf, festgestellt werden?
Ich behaupte, dass das unsere Profession dominierende Marktverständnis nicht nur nichts gebracht hat, es hat vor allem geschadet.
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9.3.2011 von Alex.
Hallo liebe LeserInnen, hallo m.s.,
ein Freiwilligendienst muss freiwillig bleiben. Warum ich das sage?
Ganz einfach:
Wenn der Freiwilligendienst beispielsweise zur Prüfung der Arbeitsbereitschaft/ Verfügbarkeit im Rahmen der SGBs (insbesondere SGB II, III) verwendet würde, dann wäre er für diese Personen nicht freiwillig, sondern ein Druckmittel der Verwaltung.
Freiwilligkeit muss auch für Bezieher von Transferleistungen gelten - sonst wäre es mit ihr nicht weit her und ein Freiwilligendienst würde aller Sozialpolitik im Rahmen von “Dressur zur Arbeitswilligkeit” in die Arme spielen!
Deshalb müsste der Freiwilligendienst meiner Ansicht nach auch eine verknüpfende Änderung in den SGBs II und III im Rahmen der Verfügbarkeit nach sich ziehen. Bspw. denke ich dabei an folgenden Wortlaut:
Die Arbeitsbereitschaft/ Verfügbarkeit ist nicht allein deshalb auszuschließen, weil ein Leistungsempfänger/ Arbeitsloser (…) einen Freiwilligendienst ablehnt.
Oder was sagen Sie dazu? Verehrte LeserInnen?
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28.2.2011 von m.s..
Worum geht es?
Anknüpfend an den bestehenden Freiwilligendienst soll ein Bundesfreiwilligendienst an Stelle des bisherigen Zivildienstes geschaffen werden.
Dieser Dienst eröffnet keinerlei Arbeitsverhältnis, er soll neben dem bisherigen Freiwilligendienst bestehen, aber für alle Altersgruppen geöffnet werden. Die Bundesstrukturen des Zivildienstes sollen dabei weitgehend erhalten bleiben.
Argumentiert wird vor allem, dass freiwillige, insbesondere freiwillige soziale Arbeit eine Chance für junge Menschen und für die Gesellschaft sei.
Was ist von diesem Gesetz zu halten?
Mit dem “Das Bundesfreiwilligendienstgesetz” versucht die Bundesregierung nun ganz geschickt diese Probleme sozusagen „alle auf einen Streich“ zu lösen:
a) Um die alten Bundeswehrstrukturen erhalten zu können, nutzt man nicht die Gelegenheit, die bestehenden Freiwilligendienst - wie vielfach und lange gefordert - weiter auszubauen und besser auszustatten. Der BFD soll mit einer eigenen Struktur neben den Freiwilligendiensten “aber auf Augenhöhe” stehen bleiben.
Daran wird u. a. von der Opposition und den Wohlfahrtsverbänden Kritik geübt.
b) Junge Leute, die auf einen Lehr- oder Studienplatz warten müssen, werden so einstweilen beschäftigt .
Das erspart den Ausbau der Hochschulkapazität und verschleiert den sich vermutlich verschärfenden Lehrstellenmangel.
c) Das durch den Wegfall der vielen Zivis entstehende Loch in der sozialen Infrastruktur soll erneut mit billigen Arbeitskräften, diesmal mit Freiwilligen gestopft werden, wobei gehofft wird, dass so eine Kontinuität zur früheren Situation mit den Zivildienstleistenden hergestellt werden kann.
Folgende Hintergründe und Folgen sind für diese Planung anzunehmen:
Menschliche Solidarität ist zweifellos wichtig. Und es scheint vielen absurd, was dagegen haben zu können, dass Menschen sich noch mehr ehrenamtlich engagieren. Solidarität kann aber nicht wirklich gefördert werden, wenn sie der herrschenden Ideologie widerspricht. Erfolgversprechender wäre es hier also viel eher, diese Ideologie infrage zu stellen.
Es besteht der Verdacht, dass sich die neoliberale Ideologie mit diesem Gesetz
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26.2.2011 von m.s..
Da ist mal wieder ein Gesetz in der Diskussion.
Es geht um einen Bundesfreiwilligendienst. Ein
Nachfolgeprojekt des Zivildienstes.
Das sollte uns vermutlich was angehen!? Aber niemand kann was dazu sagen, an keiner Stelle im Kontext unserer Profession habe ich bisher etwas darüber gefunden.
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1.2.2011 von Eiswürfel.
Heute habe ich erfahren, dass ein kooperierendes Sozialamt die Zahlung der Fachleistungsstunden verweigert.
Die Begründung : man könne ja nicht kontrollieren , ob die Termine und Gespräche tatsächlich statt gefunden haben und Klienten könne man ja auch nicht trauen…
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2.1.2011 von m.s..
Jemand erzählt mir von einem Rentnerpaar, das sich furchtbar aufregt über eine Familie in ihrer Nachbarschaft:
beide Eltern arbeiten nicht, hängen den ganzen Tag vor der Glotze, die Kinder wirken verwahrlost und betteln die Passanten an, die Eltern aber kassieren von Staat jeden Monat so viel Geld, dass sie es sich offensichtlich leisten können, weiterhin nichts zu tun. Denen sollte man, so meint das nette Rentnerpaar, das Geld solange kürzen, bis die spüren, dass es bei uns nichts umsonst gibt!
Bei der Überflutungskatastrophe im Nachbarort aber spenden die beiden Rentner eine beträchtliche Summe für die armen Familien, die ihren Besitz verloren haben und vor dem Nichts stehen. Die haben es verdient, dass man sie unterstützt. Die können ja nichts dafür, dass sie dieses Pech hatten, nicht wahr!?
Aber die da?
So einfach ist das also: Jeder ist selber schuld und verantwortlich dafür, was aus ihm wird? Das kommt einem doch recht bekannt vor!
Aber man muss sich wirklich fragen, ob solche Gedanken erst mit dem aktivierenden Staat in die Köpfe gekommen sind. Vielleicht sollte man es so sehen: Weil solche Gedanken so verbreitet sind, hat es der aktivierende Staat bei uns so leicht.
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25.12.2010 von m.s..
Leider fehlt das Schaf “Soziales” in dieser Karikatur, aber das ist vielleicht schon geschlachtet und zum Ausbluten aufgehängt?
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17.12.2010 von m.s..
Ein alltäglicher Fall:
Der Vater von zwei Kindern - Tochter 16, Leukämie, magersüchtig und vor allem voll in der Pubertät, Sohn, 11, ADHS, nicht beschulbar - ist nach dem Tod seiner Ehefrau vor 2 Jahren ziemlich überfordert. Obwohl er emotional alles für seine Kinder gibt, bekommt er weder eine wirkliche Struktur in die Familie, noch ist er in der Lage, den Kindern in dieser Situation wirklich zu helfen.
Irgendjemand hat ihm von der Möglichkeit einer Familienpflegerin erzählt. Das Jugendamt ist bereit, Familienpflege nach § 2o KJHG zu gewähren.
Die Familienpflegerin, die dafür eingestellt wird, hat schon nach kurzer Zeit kalte Füße: Sie ist völlig überfodert mit der Situation. Sie sieht sehr wohl, dass hier mit Familienpflege nicht geholfen ist. Es wäre hier Sozialpädagogische Familienhilfe mehr als angebracht. Ein tapferer Versuch, das gegenüber der Teamleiterin zu thematisieren, führt immerhin zu einem tapferen Versuch, diese Rückmeldung an das Jugendamt weiterzugeben.
Was passiert?
Das Jugendamt blockiert und argumentiert, der Vater wollte ja eine Pflegerin und außerdem sei dies ja wohl auch kostengünstiger.
Der Träger schweigt darauf hin, denn er möchte nicht an dem Ast sägen, auf dem er sitzt.
Der Fall wird in dieser Weise noch viele Jahre auf der Stelle stehen, die Biografien der Kinder werden weiter problematisch verlaufen und wohl auch immer problematischer werden
und: es entstehen sinnlose Kosten, die keinem entsprechenden Ergebnis gegenüberstehen.
Messmer spricht in solchen Fällen von einer Steigerung der Sozialkosten durch den Effekt der “Opportunitätskosten”, die entstehen, wenn die Versuche, die Kosten zu dämpfen, zu suboptimalen Entscheidungsvorgängen geführt haben, die selber wieder Kosten verursachen, die hätten vermieden werden können.(vgl. Messmer 2007, Jugendhilfe zwischen Qualität und Kosteneffizienz ; vergleiche auch Seithe 2010, Schwarzbuch Soziale Arbeit, S. 98)
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