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Mai 2012
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Archiv der Kategorie Zukunfstwerkstatt Jena

Erster Rückblick auf unsere Veranstaltung

der-raum-wird-vorbereitet.jpg

die letzten Vorbereitungen

Sie war sehr erfolgreich und gut besucht (über 50 Studierende, 6 ProfessorInnen, ein knappes Dutzend Ehemalige). Die Verbände waren alle vertreten und haben sich bereit gefunden, statt lange Vorträge über sich zu halten, mit uns zu diskutieren, sich die Fragen und Forderungen der Studierenden anzuhören und „ihre Hausaufgaben“ mit zu nehmen. Es wurde drei Stunden diskutiert, es wurden Probleme aufgeworfen, Fragen gestellt und Ideen entwickelt. Die Arbeitsgruppe hat sich vergrößert und wird am Ball bleiben. Eine wichtige Aufgabe wird es sein, jüngere Matrikel in diese Thematik einzubinden, denn die Anwesenden waren fast alles Studierende des Diplomstudienganges in den Abschlusssemestern. Was ist mit unseren gestressten Leuten vom Bachelor-Studiengang, was mit den nachrückenden Jahrgängen?

Die Rückmeldung der TeilnehmerInnen war sehr positiv. Nicht nur die Organisation wurde in den grünen Klee gelobt (war auch super, hat richtig Spaß gemacht!) auch der Verlauf und die Inhalte wurden von fast allen als interessant und wichtig bezeichnet. Drei Teilnehmer haben uns explizit für die Veranstaltung gedankt!

Manche hätten sich aber doch mehr konkrete Informationen über die Verbände und über die Unterschiede zwischen ihnen gewünscht und mehr konkrete Informationen über die Rechte am Arbeitsplatz. Das lässt sich ja gut nachholen.

Für unsere FH kam die klare Botschaft: Kümmert euch um die (berufs-)politische Bildung eurer Studierenden, überstützt sie mit Informationen, mit politischen Themen in den Seminaren, macht die berufspolitischen Anligen zum Thema in Reflexionen und in Projekten.

am-bufuett.jpg

in der “Denkpause” am Büffet

 

In einigen Tagen wird sich die Arbeitsgruppe zur Auswertung und weiteren Planung bei einem gemütlichen Arbeitsessen treffen.

Es hat ja alles eigentlich auch erst eben angefangen….

Dennoch hat mich diese Veranstaltung sehr nachdenklich gestimmt.
Darüber demnächst.

Fragen der Studierenden (3)

3.   Wir fürchten uns davor, in dieser Situation als EinzelkämpferInnen dazustehen!

  • Wo und wie finden wir Gleichgesinnte?

  • Wenn wir in der Praxis solche Bedingungen vorfinden werden, was können wir dann machen, wer kann uns helfen?

  • Wir sehen vielleicht was los ist, aber machen wir dagegen?

  • Brauchen wir Gewerkschaften oder Berufsverband erst, wenn wir konkrete Probleme haben oder macht es Sinn, dort sozusagen präventiv mitzuarbeiten?

  • Sind Gewerkschaften und Berufsverband nur für Berufstätige nützlich oder auch schon für Studierende?

  • Wie kommt man als normal Sterblicher an die ran?  Haben die z.B.  Hochschulgruppen?

     

Fragen der Studierenden (2)

2. Besteht die Gefahr, dass wir das hier an der FH Gelernte in der Praxis gar nicht mehr anwenden können, weil die Praxis qualifizierte und professionelle Soziale Arbeit überhaupt nicht mehr will und gebrauchen kann? ?

  • Wie kann qualitative Soziale Arbeit gewährleistet werden?
  • Wo finde ich als Berufstätige eine Lobby für gute und anerkannte Soziale Arbeit?
  • Wie sehen DBSH und Gewerkschaften dieses Problem?

Fragen der Studierenden (1)

bei unserer Veranstaltung soll es nicht einfach um eine Infomationsveranstaltung zum Thema Gewerkschaften und Berufsverband gehen. Die sind unsere Gäste und von Ihnen wollen wir einiges wissen. Mit ihnen wollen wir diskutieren:
Z.B.

  1. Sind wir als SozialarbeiterInnen zum Prekariat abgestempelt?
    Wie können wir uns zur Wehr setzen gegen prekäre Arbeitsverhältnisse?


    • Wer schützt mich?
    • Wer unterstützt mich?
    • Wer setzt sich für meine Rechte ein? Wo kriege ich Hilfe?
    • Wie könnte eine Unterstützung durch diese Verbände für uns aussehen?

Erfahrungen aus den Tiefebenen der Politikabstinenz

plakat.jpg

Wie kann es heute gelingen, werdende Soziale ArbeiterInnen wieder für politische Fragen und für kritische Positionen aufzuschließen und die Bereitschaft zu unterstützen und zu fördern, sich zusammen gegen das zu wehren, was man nicht akzeptieren kan?

Ich habe vor einem Jahr begonnen, an unserer FH einen Schritt in diese Richtung zu tun. Wir haben vor ca. 2 Jahren als geschlossene Fachgruppe Soziale Arbeit eine Zukunftswerkstatt gestartet, über die ich hier ausführlich berichtet habe. Danach war zwar in vielen Seminaren Manches Thema, was vorher kaum denkbar war und es wurden immer wieder Diskussionen geführt  über die Frage, was eine Politisierung der Sozialen Arbeit und der Sozialarbeitenden eigentlich bedeuten würde. Aber alles blieb nur im Seminarrahmen.

Irgendwann im letzten Jahr habe ich dann versucht, anknüpfend an das große Interesse an der damaligen Zukunftswerkstatt und an einem meiner Seminare mit dem schönen Titel: “Aktivierung- oder wie man in alte sozialpädagogische Schläuche neoliberalen Essig füllt”", Studenten zu einer Arbeitsgruppe zu anzuregen, die sich um weitere  Schritte Richtung Aktivierung  (in unserem Sinne) der Studierenden bemüht.
Von Anfang an bestand die Idee, eine Veranstaltung zu organisieren, bei der Studierende u. a. mit VertreterInnen des Berufsverbandes und der Gewerkschaften diskutieren könnten, welche Möglichkeiten für gemeinsame, kritische Zusammenarbeit entwickelt werden können: jetzt, im Studium und vor allem in der Zeit nach dem Examen, nämlich in der Praxis.
Schon bei den ersten Überlegungen wurde deutlich: wenn die anderen Kommilitonen erreicht werden sollen, müssen Wort vermieden werden, die heute offenbar abschreckend wirken: also Worte wie “kämpfen”,”Gewerkschaften”, selbst das Wort “Politik”. Anknüpfen müsse man, so die StudentInnen, an der ganz persönlichen Betroffenheit, an der Angst, später im Berufsleben als isolierte Einzelkämpfer unter die Räder zu kommen, im Prekariat zu enden oder Soziale Arbeit unter Bedingungen machen zu müssen, die eine qualifizierte und für Klienten parteiliche Arbeit gar nicht ermöglichen.  Das haben wir nun also versucht.

Nächste Woche wird  diese Veranstaltung stattfinden. Unsere Gäste sind eingeladen und werden kommen. Wir haben im Fachbereich ausführlich für diese Veranstaltung geworben und uns viele Gedanken um die Gestaltung und den Ablauf gemacht - und was danach vielleicht möglich sein wird.

Ich habe mich, als Professorin, immer wieder versucht, weitgehend aus den Aktivitäten zurückzunehmen und die Verantwortung und die Initiative den Studierenden zu überlassen. Das ging nicht immer. In den ersten Monaten war es fast unmöglich, mit den noch übrig gebliebenen, zwar  hoch motiviertenaber arbeitsmäßig total überlasteten StudentInnen überhaupt mal einen gemeinsamen Termin in der FH zu finden. Und wenn wir einen gefunden hatten, musste der erste schon nach einer halben Stunde wieder gehen und der nächste konnte erst nach einer dreiviertel Stunde dazustoßen…. Die zunächst sehr schleppenden Rückmeldungen von Seiten der angesprochenen Gewerkschaften und des DBSH frustierten und enttäuschten die Studenten außerdem sehr.

Irgendwann hatte ich die glorreiche Idee, meinen Samstag Morgen zu opfern und als Termin - mit Arbeitsfrühstück - in meinen 4 Wänden anzubieten. Siehe da, da konnten sie alle.
Fortan wurde die Arbeit gezielter, die Absprachen im Forum unseres Stud IP wurde dichter, verlässlicher und schneller, jeder übernahm verantwortlich Aufgaben die auch prompt erledigt wurden. Unser Werbeplakat ist schön geworden, auffällig, ungewöhnlich und interessant. Die StudentInnen, die ursprünglich in der AG mitgemacht hatten, trudeln allmählich wieder ein. Unser Fachbereichsrat hat die Veranstaltung empfohlen und angeordnet, dass keinem Studierenden die Teilnahme zum Nachteil werden darf (etwa, wenn er dafür ein Seminar nicht besuchen kann)….

Wir sind gespannt.

wenn der Berg nicht zum Propheten kommt….

Immer wieder sind wir in den letzten Semestern darauf gestoßen, dass unsere Studierenden so gut wie nichts wissen über eine für sie mögliche politische oder auch nur berufsständige Interessenvertretung als zukünftige Sozialarbeitende. In der Zukunftswerkstatt im letzten Jahr wurde das diskutiert und es entstand die Idee, eine Veranstaltung zu organisieren, zu der VertreterInnen der Gewerkschaften und des DBSH eingeladen würden.
Über meine Kontaktaufnahme mit VertreterInnen dieser Oraganisationen habe ich hier schon berichtet. Von den Gewerkschaften hat nach wie vor niemand reagiert. Der zuständige Vertreter des DBSH hat seine Bereitschaft erklärt. Auf dem Bundeskongress wurden die nachfragenden Studenten beim DBSH Stand und bei den Gewerkschaften mit Informationsschriften und Werbetassen  beglückt. Zu einer Veranstaltung ist es noch immer nicht gekommen.
Ich halte es zwar für unsere Aufgabe als HochschulehrerInnen, solche Informationen zu vermitteln solche Themen anzusprechen. Ich habe das jetzt z.B. bei Erstsemestern versucht und hatte den Eindruck, sie hielten mein Anliegen für merkwürdig wenn nicht sittenwidrig. Interessenvertretung und politische Organisation scheint für die Soziale Arbeit in der Praxis wie in der Ausbildung heute ein Fremdwort.
Wir könnten diese Veranstaltung als offizielle Hochschulveranstaltung sicherlich hinkriegen. Ich müsste nur, statt schlicht zu mailen, die Anschreiben  mit Briefkopf und der Unterschrift der Dekanin versehen und damit hochoffiziell an die VertreterInnen schreiben. Dann kämen sie vermutlich ohne Weiteres. Aber letztlich ist dies eine Angelegenheit der Studierenden selber. Aber mir scheint es sinnvoller, wenn die GewerkschaftsvertreterInnen und der Berufsverband von Anfang an merken, dass hier Studierende, zukünftige Sozialarbeitende Anliegen haben, Fragen und Diskussionsbedarf und dass sie mit ihnen ins Gespräch kommen wollen. Deshalb scheint es mir viel besser, wenn sie auch von Studierenden angesprochen und eingeladen, befragt und in Anspruch genommen werden.
Ich hatte an ca. 100 Studierende eine Einladung für ein erstes Treffen zur Vorbereitung geschickt. 6 kamen. Immerhin. Und wir haben beschlossen, das Ding gemeinsam in die Hand zu nehmen. Leicht wird das nicht. Es ist schon ein große Leistung, mit 7 Leuten einen gemeinsamen Termin für ein nächstes Treffen hinzukriegen .

Inzwischen sind es noch 4 Studierende. Aber unsere Planung ist jetzt schon ziemlich konkret. Ver.di und der DBSH haben inzwischen  ihre Teilnahme zugesagt…

Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss eben der Prophet zum Berg gehen…..

Zukunftswerkstatt

30 Studierende haben am Wochenende (14./15.11.08) in der Zukunftswerkstatt Soziale Arbeit an der FH Jena diskutiert und sich die Köpfe heiß geredet.

Was kam dabei heraus?

In einem Brainstorming wurden am Anfang der Wochenendtagung Themen und Probleme aus der Praxis gesammelt, von denen die Studierenden meinten, dass sie mit der Ökonomisierung Sozialer Arbeit und dem schlechten Image Sozialer Arbeit zusammenhängen.

Hier die Themenliste:

Prekariat Soziale Arbeit

  • Befristung
  • Teilzeit
  • Geringfügige Beschäftigungen,
  • geringe Bezahlung
  • Prekariat des fachlichen Nachwuchses, Neue bekommen verknappte Stellen
  • Praktikanten ersetzen Vollzeitkräfte und das ohne Entlohnung
  • Mehr Zeit für Fachlichkeit nötig
  • Bezahlung, Haustarife, Anlehnung an Tarife,
  • lauter verschiedene Bezahlungen, wünschen sich Einheitstarif verpflichtend für alle Träger und  bei allen Aufgaben
  • Arbeitsverträge sehen unbezahlte Zusatzarbeit von 10 Stunden vor und verpflichten zum das Einwerben Ehrenamtlicher


Soziale Arbeit als Exklusionsverwaltung

  • Kundenbegriff ungeeignet
  • Exklusionsverwaltung
  • Nicht vorhandene Niedrigschwelligkeit
  • Verschiebepraxis, Heime schicken in Psychiatrie ohne zwingenden Grund, dann in neues Heim,
  • Motivierungsarbeitwird nicht bezahlt, Klienten wird nicht hinter her gefahren, Termine, die ausfallen, weil Klienten nicht wollen oder können werden nicht als Arbeitszeit bezahlt
  • Letztlich wird dieses Risiko, das substantiell im Interesse der Klientel zur Sozialen Arbeit gehört, nicht mehr bezahlt,
  • oder auf den freien Träger abgewälzt und damit zunehmend einfach nicht mehr praktiziert.
  • Damit wird ein großer Teil der Klienten wird nicht mehr erreicht – es sei denn durch Zwang wie Arge
  • Nicht vorhandene Niedrigschwelligkeit,
  • früher das Schlagwort zum Thema Bürgernähe und Kundenfreundlichkeit,
  • Zugänglichkeit erschwert
  • Bürgernähe durch Verwaltungszusammenschlüsse abgebaut, nur noch Bürgerbüro für grobe Anträge, keine Beratung, spärliche Sprechstunden

Gesellschaftliche Ebene

  • Soziale Arbeit hat keine Lobby
  • Ungerechte Verteilung von Mitteln, kaum Geld für Jugendhilfe
  • Kaum Geld für die Soziale Arbeit
  • Gesellschaft findet die Soziale Arbeit unnötig und sinnlos
  • Legitimationszwang
  • Permanente Legitimation nötig
  • Rechtfertigung, Transparenz, Argumentation nötig
  • Kampf um finanzielle Mittel
  • Keine Lobby

 

Effizienz statt Hilfe

  • Qualitätsmanagement bedeutet: weniger Zeit für Klienten,
  • Sozialarbeiter gleich Sozialmanager, was tun wir inzwischen eigentlich?
  • Es werden zum Teil ungeeignete Hilfen installiert, weil sie kostengünstiger sind, ambulante vor,
  • Bestimmte Hilfen zur Erziehung werden aus Kostengründen nicht mehr bewilligt,
  • Herumdoktern am Klienten aus Kostengründen, nicht das Richtige machen,
  • Stationäre Angebote werden unter finanziellen Gesichtspunkten ausgesucht,
  • Vorzug der ambulanten Hilfen aus Kostengründen,
  • In Kaufnahme von Kindeswohlgefährdungen
  • Ritalin als Ersatz für 1:1Betreuung,
  • Quantität statt Qualität,
  • besondere Rechtfertigung gefordert, wenn § 34,
  • Effizienzgedanke im Jugendamt
  • Zielvereinbarungen mit Mitarbeitern für mehr Effizienz,
  • Mitarbeiter im JA bekommen Dienstanweisungen, die gegen das geltende gegen das Gesetz (KJHG) verstoßen.


 Verlust von Fachlichkeit, Verknappung der Zeit für fachliche Arbeit

  • Personalschlüssel im Bezug auf Klientenzahl mangelhaft,
  • Professionalität wird Privatsache
  • Fließbandberatung
  • Verlust von Fachlichkeit
  • Personalschlüssel zu gering, z.B. Kita
  • Es fehlt Zeit für Fachlichkeit
  • Profistellen reichen gerade mal zur Aufrechterhaltung des Betriebes, die „Arbeit“ wird gar  nicht oder von Nicht-Fachkräften geleistet
  • Beispiel Jugendarbeit, Beispiel Mädchenheim
  • Mehr Klienten, schwierigere Fälle
  • Dinge, die sie selbstverständlich in ihrer Freizeit tun, auf dem Heimweg im Amt vorbeifahren, Telefonate von zu Hause etc., die nicht als Arbeit gelten und nicht bezahlt werden
  • Unprofessionelle Kräfte in der Sozialarbeit
  • Jobber in Jugendeinrichtungen, ABM, 1 Euro
  • Bürgerschaftliches Moment wird gegen Profis ausgespielt

 

Folgende Themen wurden genannt, konnten nicht weiter bearbeitet werden. Es würde aber lohnen, auch das noch zu tun!:

MitarbeiterInnenverschleiß ist hoch
Keine Supervision
Burnout
Kräfte der Mitarbeiterinnen werden einfach verschlissen
So keine gute Arbeit möglich
viele Mitarbeiter die nicht mehr können

Soziale Arbeit als Feuerwehr
Nur Feuerwehrfunktion
Keine Nachhaltigkeit
Keine Prävention
Prävention zeigt keine direkten Effekte und ist  zu teuer
Nachhaltigkeit wird gefährdet, weil  man nicht mehr in die Begleitung, die Ausblendphase, die Unterstützung nach der Intensiven Hilfe investieren will

Wegwerfsozialarbeit
Steckenbleiben im Modellcharakter
Finanzierung nur von begrenzten Projekten
Keine Weiterförderung von Projekten
Immer wieder neue Projekte erfinden, ohne das alte überhaupt prüfen zu können
Auch wenn Projekte gut laufen, keine Fortsetzung
Sozialarbeit immer wieder neu erfinden
So kann sich keine Qualität entwickeln, kann gute Arbeit sich nicht beweisen, Erfahrungen bleiben bruchstückhaft

Wettbewerb
Auslagerung von Bereichen
Der billigste Anbieter bekommt den Zuschlag
Zusammenarbeit scheitert an Konkurrenz

***

 

Das Ergebnis der beiden Arbeitstage kann sich sehen lassen.

Z.B. wurden folgende gute Ideen für MitarbeiterInnen in der Praxis erarbeitet, die versuchen wollen, nicht alles zu schlucken und die für professionelle Arbeit und entsprechende Arbeitsbedingungen kämpfen wollen:

 

Wie kann ich erreichen, dass ich für alles bezahlt werde, was ich aus fachlichen Gründen tue
(und nicht nur für z.B. 30 Stunden, auch wenn ich 40 Stunden arbeite und auch für all die kleinen Arbeiten , die ich in meiner Freizeit für die Arbeit mache oder auf dem Heimweg…)

  • Teaminterne Dokumentation: was wurde getan, was davon wird bezahlt, was nicht?
  • Position einnehmen: „Wenn ich mehr machen soll, gib mir mehr Stunden!“
  • Vor Ort, z.B. gegenüber den Kollegen und auch gegenüber dem Chef, kundtun, dass ich eine Entscheidung für falsch halte und warum

 .

Wie kann ich in meiner Einrichtung zu mehr Personal und Geld kommen?

  • Argumentation entwickeln:
    Welches Personal habe ich, deckt es das Konzept ab, wie weit?
    Was kann mit meinem Personal nicht geleistet werden? Was nicht?
    Personal (Stunden)-Bedarf mit dem Konzept und den Folgen fehlender Anteile begründen,
    Vom Konzept her argumentieren (setzt nicht auf emotionale Einsicht z.b. der Wirtschaftlichen
    Hilfe sondern auf logische Einsicht und ökonomische Argumente),
    Diese Begründung muss im eigenen Kopf stehen und ich brauche sie immer gegenüber den
    Finanzträgern (z.B. JA),
  • Aufzeigen (dokumentieren) wie es abläuft, wenn es nicht oder nicht fachlich gemacht wird (zu wenig Zeit, ABM, 1 Euro),
  • Ergebnisse über Wirkungsforschung kennen und parat haben,
  • Nach Außen darstellen, was nicht geht und warum; (Einrichtungen und Träger wollen immer nur glänzen. Deshalb wird das Problem verdeckt),
  • Andererseits sollte man seine Arbeit positiv darstellen, lieber gute Ergebnisse und nicht immer nur die Misserfolge herausstellen.
  • Mut haben, so was öffentlich zu sagen, auch zu sagen, „Wir würden es anders machen, wenn man uns die Mittel geben würde,“
  •   Langfristige Kosten bei solchen Folgen aufzeigen, vorrechnen. Den Ökonomisierungsgedanken nutzen im Interesse der Fachlichkeit und der Klienten.

.

Wie schaffe ich es, mich nicht als Mädchen für alles verheizen zu lassen?

  • Sich gegen entsprechende Forderungen durchsetzen und konsequent eigene Grenzen durchsetzen,
  • Wenn Mitarbeiter anderer Berufe uns Arbeiten aufhalsen, zu denen sie keine Lust oder Zeit haben, die aber überhaupt nicht zu unserem Aufgabenfeld gehören: Ihnen das deutlich sagen, evtl. informieren und anleiten aber nicht die Aufgabe übernehmen (nicht nach dem Motto handeln: einer muss es ja machen, ach komm, ich mach das schnell mal eben….)
  • Die anderen immer wieder aufklären, darüber, was die Aufgaben deren und was unsere Aufgaben sind (z.B. Ärzten), immer wieder kommunizieren,
  • Bewusst für eine selber klar haben: was sind meine Aufgaben, wo sind meine Grenzen,
  • Burn-out öffentlich diskutieren, aus der individuellen Schicksalsecke rausholen.

 .
Was kann ich tun bei falschen fachlichen Entscheidungen, die aus Kostengründen getroffen werden

  • Mut haben, zu sagen „Wir sind dagegen und zwar aus folgenden (fachlichen) Gründen“,
  • Klienten zum Widerspruch ermutigen

 

Ganz schön für den Anfang, finde ich. Wenn alle das beherzigen, wird es nicht mehr ganz so einfach sein, unsere Professionalität aus dem Fenster hinauszuwerfen.
Darüber hinaus gabs auch viele kreative Ideen für Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit und eine ernsthafte Diskussion um die Frage der Organisiertheit von Sozialarbeitern.

Zur Diskussion!

Reicht es wirklich, die Mitarbeiter der Wirtschaftlichen Jugendhilfe über die Anliegen der Sozialen Arbeit zu informieren und ihr Verständnis für die Probleme der Klienten zu wecken, damit das Geld wieder fließt?

Immer wieder gingen die Überlegungen der Zukunftswerkstatt in die Richtung, man müsse die Nicht-SozialpädagogInnen (die leider über die Geldfrage entscheiden) so zu sagen ins sozialpädagogische Boot holen, sie mit sozialpädagogischem Denken vertraut machen, ihnen erklären und anschaulich machen, was wir tun und und welche wichtigen Fragen für die uns anvertrauten Menschen daran hängen.

Ich bin der Meinung, es wird heute nicht  mehr ausreichen, die Nichtfachleute von der Sinnhaftigkeit und sozialpädagogischen Logik zu überzeugen - der Krebsschaden ist nicht deren Unwissenheit und Gleichgültigkeit. Der Webfehler liegt im System: Effizienz ist gewollt, auch in der Sozialen Arbeit, und wichtiger als Fachlichkeit. Kollateralschäden sind eingeplant und werden toleriert. Das Menschenbild hat sich verändert.

Vor 30, 20 Jahren hätte das tatsächlich gereicht. Auch da hatten Sozialarbeiter es nötig, die nicht-sozialpädagogischen Mitarbeiter vom Sinn und von den Kosten ihrer Arbeit zu überzeugen.  Und nicht immer ist ihnen das gelungen.
Die Ökonomisierung aber macht dieses Problem zu einem strukturellen Problem, das nicht allein durch mehr Selbstbewußtsein der SozialarbeiterInnen und durch mehr Kommunikation zu lösen ist.

Selbstbewusst über die eigene Arbeit und ihre notwendigen Bedingungen zu sprechen ist sicher eine ganz wichtige Voraussetzung für jeden Versuch, in dieser Sache etwas zu unternehmen. Solange aber in der Sozialen Arbeit der Effizienzgedanke genau so angewandt wird wie in jeder anderen marktwirtschaftlichen Angelegenheit, wird auch die mögliche Einsicht des einzelnen Mitarbeiters der Verwaltung in die fachliche Notwendigkeit nichts ändern. Sicher wäre die Überzeugungsarbeit gegenüber den einzelnen Kollegen der Verwaltung ein Schritt in diese Richtung. Aber erst wenn es uns gelingt, generell, öffentlich und politisch klar zu machen, dass Soziale Arbeit nicht einfach mit dem Effizienzargument platt gestrichen werden kann, weil ihre Aufgabe oft eben gar nicht in diesem Sinne “effizient” zu bewältigen ist, erst dann kann sich in der konkreten Praxis wieder etwas ändern.

Geschichtliche Anmerkung dazu:

Als ich 1974 im Jugendamt Wiesbaden anfing, stöhnten die MitarbeiterInnen des ASD, weil sie bei jeder geplanten Hilfe zur Erziehung erst beim Abteilungsleiter der Wirtschaftlichen Jugendhilfe aufkreuzen und ihn oder seine Mitarbeiter mit Engelszungen überzeugen mussten, dass diese Hilfe pädagogisch unabdingbar notwendig war.

Weil die Wirtschaftliche Jugendhilfe aber gar nicht die Konpetenz hat, dies zu entscheiden, nahm unser Jugendamtsleiter (Sozialpädagoge) eine kleine organisatorische Systemänderung vor und der Stadtrat bestätigte sie: Die Wirtschaftliche Jugendhilfe blieb nicht länger eigene, der Abteilung ASD (Allgemeiner Sozialer Dienst) gegenüber gleichberechtigte Abteilung, sondern wurde zum Sachgebiet innerhalb der Abteilung ASD. Von Stund an wurden die Entscheidungen über Hilfen zur Erziehung von sozialpädagogischen Fachkräften getroffen und im Konfliktfall vom sozialpädagogischen Abteilungsleiter (der jetzt auch Vorgesetzer der Wirtschaftlichen Jugendhilfe war)  in diesem Sinne durchgesetzt.

Das KJHG hat übrigens 1990 diese Praxis doppelt bestätigt: mit dem Rechtsanspruch auf Hilfen zur Erziehung und mit der Aussage, dass die Entscheidung von sozialpädagogischen Fachkräften zu treffen ist (§27 KJHG).
Damit war ein Jahrzehnte lang angestrebtes Ziel der Sozialen Arbeit durchgesetzt:
die Trennung von Innen- und Außendienst war abgeschafft. Es entschieden nicht mehr Verwaltungsbeamte an ihren Schreibtischen über das Schicksal der Betroffenen, deren konkrete Lebenslage aber nur die Fürsorgerinnen im Außendienst wirklich kannten und beurteilen konnten.

Der Prozess der Ökonomisierung hat das Rad zurückgedreht. Heute  wird das sozialpädagogische Anliegen erneut unter Verwaltungs- und fiskalischen Aspekten entschieden und die AmtsleiterInnen denken in d. R. selber nur in verkürzten in Effizienzzusammenhängen und nicht im Kontext sozialpädagogischer Fachlichkeit.

Hier müsste die Lösung des Problems  liegen!

Nachbesprechung der Zukunftswerkstatt

Es kamen etwa die Hälfte der ursprünglichen TeilnehmerInnen zu einer Nachbesprechung.
Es wurden noch einmal die Ergebnisse referiert, per Powerpoint Präsentation oder Protokoll.

Länger diskutiert wurde über die Ideen zur Lehre, die von den meisten Studierenden mit viel Interesse und Engagement  eingefordert wurden:

  • Seminar über Lobbyarbeit in der Sozialen Arbeit;
  • Ort, an dem über Organisationsformen für SozialarbeiterInnen informiert und diskutiert werden soll,
  • mehr Methodenübungen, in denen eine Methode wirklich praktisch durchgeführt und erarbeitet werden kann (Idee des “Sozialarbeiter-Labors”, wo konkrete Sozialarbeit geleistet wird von einem “Labor-Sozialarbeiter” und wo Studierende Praxis miterleben, selber versuchen, begleiten können. Herr Chassé regte an, dass im Rahmen dieses Labors auch Forschungsmethoden  praktiziert werden könnten, die für die sozialarbeiterische Praxis Relevanz haben wie z.B. Fallverstehen, biografische Arbeit.
  • Methodische Hilfe und Anleitung aus der Hochschule, nicht nur aus der Praxis, die oft gar  nicht über Anleitungskapazität verfügt und in der Regel heute auch gar nicht die Bedingungen hat, Methoden so anzuwenden, wie “es fachlich sein sollte”.
  • Seminar, in dem man lernt, sich als SozialarbeiterIn selbstbewußt und klar zur eigenen Aufgabe zu äußern, in Fachdiskussionen zu bestehen und die sozialarbeiterische Berufsethik hochzuhalten.
  • Mehr und spätere Informationen  (nicht schon und nur im 1. Semester) zu Mitbestimmungsmöglichkeiten an der FH (z.B. Gremien, Stimmrechte), damit die Studierenden diese Möglichkeiten kennenlernen  und wahrnehmen können, um ihre eigenen Interessen und Vorstellungen einzubringen und auch demokratisch durchzusetzen.

Ansonsten wurde auf konkrete Projekte der Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung eingegangen:

Die AG Öffentlichkeitsarbeit, die sich zum Ziel setzt, eine Art sozialarbeiterische Gegenöffentlichkeit zu schaffen und  z.B. in der Presse zu Sozialarbeiterischen Themen, Events, Problemen und Ergebnissen äußern will und Stellung beziehen möchte.
Diese Idee, die gleichzeitig auch Vernetzungsarbeit bedeuteten würde und über das Studium hinaus ins Berufsleben mitgenommen werden könnte, soll in den nächsten Wochen in die Tat umgesetzt werden, mit den kleinen Schritten, die man in der Prüfungszeit leisten kann….
Die Gruppe könnte hier im Blog über ihre Ergebnisse berichten.

Diskutiert wurde auch über das Blog “Zukunftswerkstatt Soziale Arbeit”. Das Blog steht offen für die Mitarbeit aller. Technische Probleme beim Kommentieren sollten mir per mail gemeldet werden, damit ich aufklären kann, woran das liegt.
Ich habe übrigens eine eigene Seite “zum Blog” (Link links oben ) angelegt, wo ihr Informationen über Ziel, Nutzbarkeit und Mitarbeitsmöglichkeiten zu diesem Blog nachlesen könnt.

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