Kriegswirtschaft und Sozialpolitik

Das Thema Kriegswirtschaft und Arbeitsplätze geht nicht nur die Beschäftigten in der Autoindustrie etwas an, auch die Soziale Arbeit. Denn die Sozialpolitik is massiv betroffen.

In Zeiten einer niedergehenden Wirtschaft mit erhöhter Arbeitslosigkeit und steigenden Preisen ist es für die kriegsbegeisterte Bundesregierung ein leichtes, nicht nur die Wirtschaft für eine Produktionsumstellung auf Rüstungsgüter zu gewinnen, sondern auch die Bevölkerung von den Vorteilen einer Kriegswirtschaft zu überzeugen.
Rettung der Arbeitsplätze, des Wohlstandes, das alles wird durch die Umstellung der Wirtschaft auf die Produktion von Waffen und Kriegsausrüstung versprochen.

Protest gegen die Munitionsfabrik in Berlin-Wedding – Im Werk wurden bisher Autoteile produziert, jetzt Artilleriemunition.
Foto: AFP/TOBIAS SCHWARZ

Dieser politische Schachzug ist nicht neu. Genauso geschah es zum Beispiel auch nach der problematischen Zeit der Weltwirtschaftskrise mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten, die neben ihrem offenen Rassismus nichts im Kopf hatten als den totalen Krieg gegen Russland und die ganze Welt.

Dass diese Strategie auch heute wieder aufgeht, kann man derzeit in etlichen Reportagen miterleben, wo die Menschen sich erleichtert und froh darüber äußern, wieder einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Und auch die Gewerkschaften reagieren zwar scheinbar zwiespältig aber letztlich mit Einverständnis.

Unter dem Menüpunkt „Sozialpolitik und Gesellschaftspolitik“ oben habe ich einen Text zur Rolle der Gewerkschaften in dieser Frage übernommen den Peter Nowak am 25.7.2026 im nd veröffentlicht hat und auf den mich dankenswerterweise mein Leser Eric hinwies: IG Metall Berlin: Spagat zwischen Friedenspolitik und Arbeitsplatz: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1201366.militarisierung-ig-metall-berlin-spagat-zwischen-friedenspolitik-und-arbeitsplatz.html 

Ich möchte aber gerade auch meine LeserInnen aus der Sozialen Arbeit an dieser Stelle ganz explizit auf diese Thematik hinweisen:

Auch in den Reihen der Sozialen Arbeit ist eher selten Kritik an der kriegsfreundlichen Entwicklung zu hören. Zumindest kommt kaum einer auf den Gedanken (oder äußert ihn nicht), dass die gesellschaftlich höchst gefährlichen aber angeblich unvermeidbaren  Spar- Avancen der Bundesregierung – begründet mit der Wirtschaftslage, die von uns allen Opfer fordere – die Folge davon sind, dass der absolute Schwerpunkt gesellschaftlicher Ausgaben einvernehmlich von Bundesregierung und so gut wie allen anderen Parteien auf die eigene Aufrüstung und auf Waffenlieferungen für andere Nationen zur Verlängerung der dort stattfindenden Kriegshandlungen gesetzt wurde.

Aber offenbar wirkt die Behauptung der Bundesregierung, dass nichts so wichtig sei wie das Bemühen, aus Deutschland wieder einmal die stärkste Militärmacht Europas zu machen, wie ein Tabu. Niemand rührt daran. Niemand stellt diesen unverantwortlichen Größenwahn infrage.
Fast jedem hierzulande ist vermutlich klar, dass die maroden Brücken dieses Landes nicht saniert werden, damit die Bürger, die Autos, die Straßenbahnen endlich wieder sicher ans andere Ufer gelangen, sondern weil es für notwendig erachtet wird, dass sie Panzer tragen können. Aber die allermeisten nehmen das achselzuckend hin.

Hier liegt meines Erachtens ein politischer Missbrauch der von der Bevölkerung erarbeiteten Steuergelder vor, der letztlich dazu dient, die Rüstungsfirmen ins Endlose zu bereichern und der in Kauf nimmt, die Menschen selbst – bis auf eine Reihe von Karrieristen vielleicht – ins Unglück und mit einiger Wahrscheinlichkeit auch in den Tod oder die Invalidität zu stürzen.

Aber die Zustimmung zur erforderlichen Kriegstüchtigkeit wird offenbar zur Bürgerpflicht erhoben. So wie schon 2025 der französische Generalstabschef Fabien Mandon von seinen Franzosen verlangte: „Wenn unser Land schwankt, weil es nicht bereit ist, den Verlust seiner Kinder zu akzeptieren, gibt es leider keinen Grund zu der Annahme, dass dies das Ende des Krieges auf unserem Kontinent bedeutet.“

Wenn das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion feststellt:
»Es kann uns politisch nicht egal sein, ob die Produkte, die wir herstellen, gesellschaftlichen Nutzen bringen oder Tod und Zerstörung.«
gilt meines Erachtens auch für uns :
Es kann uns SozialarbeiterInnen nicht egal sein, für welche gesellschaftlichen Ziele, für was für ein Leben wir versuchen, Menschen in der Sozialen Arbeit (wieder) fit zu machen.

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Über m.s.

Ich war 18 Jahre Professorin für Soziale Arbeit an der FH Jena (Methoden, Hilfen zur Erziehung, Schulsozialarbeit). Davor war ich 18 Jahre in der Praxis. Studiert habe ich Psychologie in Münster und Soziale Arbeit in Frankfurt a.M. Bücher: Schwarzbuch Soziale Arbeit Engaging Hilfe zur Erziehung zwischen Professionalität und Kindeswohl Das kann ich nicht mehr verantworten Ambulante Hilfe zur Erziehung und Sozialraumorientierung
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