Mir wurde bei meinem letzten Vortrag von einem Zuhörer folgende Frage gestellt:
Was bringt es denn, das bestehende, besser gesagt „alte“ professionelle Konzept der Sozialen Arbeit dem neoliberalen Konzept gegenüberzustellen. Auch das frühere und jetzt noch gelehrte Sozialarbeitsverständnis ist schließlich völlig systemimmanent und letztlich nur auch Konzept, das die kapitalistischen Verhältnisse nicht infragestellt und somit für neoliberale Tendenzen sehr gut nutzbar ist.
Dazu gibt es einiges zu sagen:
Im Unterschied zu vielen kritischen VertreterInnen der Sozialen Arbeit schätze und achte ich das allen bekannte aber nur noch als unerfüllbare Utopie gehandelte humanistische Handlungskonzept der Sozialen Arbeit, wie es z. B. Bernasoni, Thiersch und die internationale Soziale Arbeit vertreten. Ich halte es nicht für eine besonders geschickt getarnte Variante des Neoliberalismus, auch wenn diese Ansätze in den Kernfragen, die es gegen den Neoliberalismus anzuführen gilt, eher schwach bleiben. Aber allein durch seine humanistischen Denkweise steht es dem ökonomistischen Menschen- und Weltbild diametral entgegen.
Schon in meinem Buch habe ich mich mit den durchaus kritischen VertreterInnen unserer Profession auseinandergesetzt, die nicht nur die gegenwärtige neoliberale Soziale Arbeit, sondern ebenso die Soziale Arbeit für nicht wirklich sinnvoll und erstrebenswert halten, die vor der Neoliberalisierung bestand und sich auf das humanistische Konzept der Sozialen Arbeit bezog, wie z.B. die Lebensweltorientierung oder die Menschenrechtsprofessions-Theorie. Für sie war es ziemlich da Gleiche, nämlich eine durch und durch kapitalistisches Konzept, das nicht geeignet ist die eigentlichen Ursachen der Problemlagen zu benennen oder gar zu bekämpfen.
Und auch nach dem Erscheinen meines Buches bin ich wie hier auf sich kritisch verstehende Vertreterinnen der Sozialen Arbeit gestoßen, die sich über meine Mühe gewundert haben, die gegenwärtigen konzeptionellen Reste der professionellen Sozialen Arbeit zu schützen und zu unterstützen. Diese kritische BetrachterInnen der gegenwärtigen Sozialen analysieren die Erscheinungen und Tendenzen der derzeitigen praktischen Sozialen Arbeit und identifizieren die neoliberalen Anteile, die dort durch Anpassung an den „Zeitgeist“ und durch gesetzte Vorschriften und Verfahren inzwischen zum Alltag gehören.
Um aber die oben gestellte Frage zu beantworten, reicht es nicht, sich die gegenwärtige Praxis der Sozialen Arbeit anzuschauen. Dort kann von dem professionellen sozialarbeiterischen Konzept nicht mehr allzu viel umgesetzt werden. Betrachtet man die gegenwärtige Praxis, so findet man unweigerlich eine Soziale Arbeit vor, die sich mit den herrschenden Verhältnissen arrangiert, die keinerlei eigene Ansprüche zu haben scheint und den neoliberalen Herausforderungen keine fachlichen Argumente entgegensetzt.
Zur Beantwortung der Frage , ob das bestehende professionelle Konzept nicht doch letztlich selbst neoliberalen Zielen dient und es somit nicht der Mühe wert ist, um es zu kämpfen, muss man das theoretische professionelle Konzept heranziehen und es hinsichtlich seines Menschen- und Gesellschaftsbildes zu hinterfragen.
Desgleichen sollte man sich genauer mit dem neoliberalen Konzept der Sozialen Arbeit beschäftigen, das sich von früheren Vorstellungen des kapitalistischen Staates von „seiner“ Sozialen Arbeit deutlich unterscheidet und sehr viel steuernder in die Praxis eingreift Sehr erhellend ist hierfür der Text von R. Lutz (2008).



„Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute“ ist ein Buch, auf das ich schon lange gewartet habe, weil genau diese Entwicklung seit…