Peter-Ulrich Wendt:
Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute
Eher schwarze als weiße Reflexionen zu einem zentralen Thema und wichtigen Buch
Peter-Ulrich Wendt hat in dem „Rundbrief der Gilde Soziale Arbeit„, Ausg. 1/2026, eine ausführliche Rezension veröffentlich, die viele Anstöße zum Weiterdiskutieren und Nachdenken bringt.
Ich freue mich besonders, weil er speziell auf das Kapitel 15 (Überlegungen für ein neukalibriertes Konzept Sozialer Arbeit) eingegangen ist, in dem ich meine Vorstellungen dargelegt habe, wie das vorhandene professionelle Handlungskonzept (so wie es derzeit mehrheitlich verstanden und gelehrt wird) reflektiert, überarbeitet und verbessert werden sollte.
Hier geht’s zur Rezension von Peter-Ulrich Wendt.
Kollege Wendt teilt (leider) meine Befürchtung, dass unsere Profession gegenwärtig nicht willens und vielleicht auch nicht in der Lage ist, gegen die neoliberale Transformation Widerstand zu leisten und Kritik zu entwickeln.
Ich sehe die Lage aber vielleicht nicht ganz so pessimistisch. Ich treffe immer wieder auf PraktikerInnen, die sehr wohl sehen, was mit ihrer Profession geschehen ist, und die Ansätze suchen, sich gegen diese Entwicklung zu wehren.
Vor wenigen Tagen war ich z.B. zu einem Vortrag in Münster, zu dem der AKS Münster eingeladen hatte. Und ich war wirklich verblüfft wie viele Leute und wer zu diesem Vortrag kam. Weder ich noch die Leute vom AKS hatten mit 90 Menschen gerechnet – darunter übrigens relativ wenige Studierende – Menschen aus der Praxis, interessiert BürgerInnen aus anderen sozialen Bereichen, junge Menschen, nicht wenig ältere Menschen.
Für solche VertreterInnen unserer Profession ist mein Buch geschrieben. Sie können daraus jede Menge Informationen aber vor allem auch Argumente, Ideen und Anregungen für eine widerständige Soziale Arbeit entnehmen.
Vermutlich wird das Buch KollegInnen, die nicht an einer Reflexion und an einer kritischen Überprüfung der gegenwärtigen Praxis interessiert sind, nicht weiter interessieren. Meine Hoffnung aber ist, dass die, die sich durch mein Buch unterstützt fühlen, daraus genug Kraft schöpfen, um einen Fuß in die Tür stellen und ihren Widerstand, ihr Nicht-Einverstanden-Sein mit der gegenwärtigen Entwicklung sichtbar und unüberhörbar machen zu können.
Kollege Wendt erwartet nicht zu Unrecht übrigens, dass der Preis, den der Verlag festgelegt hat, viele davon abhalten wird, es zu erwerben und es zu lesen. Zumal, wie er meint, SozialarbeiterInnen auch schon im Studium wenig Interesse an einer Auseinandersetzung mit ihrer Profession gezeigt haben. Ich weiß, dass das Lesen von Fachbüchern nicht gerade zu den Hobbys von praktizierend SozialarbeiterInnen gehört. Und ich kann das gut verstehen, dass man nach einem heftigen Arbeitstag unter den gegenwärtigen Bedingungen etwas anderes machen möchte, als sich weiter mit dem zu beschäftigen, was einen schon den ganzen Tag über geschlaucht hat.
Mir fällt dazu eines der nettesten Komplimente ein, die ich damals für das Schwarzbuch Soziale Arbeit bekommen habe. Ein Student erzählte mir, er lese darin im Zug, wenn er am Wochenende nach Hause fährt, es sei so verständlich, konkret und nachvollziehbar geschrieben, dass er es als Start in das Wochenende zu Hause absolut geeignet fand und genießen konnte.
Ich hoffe sehr, dass mein neues Buch ähnlich verständlich und anschaulich geworden ist.
Und zur Geldfrage – Ich finde auch, 54 Euro für ein e-book ist gewaltig.
Ich habe mit dem Verlag lange gerungen, ob sie das Buch nicht günstiger verkaufen könnten. Aber da war nichts zu machen, das sind die gegenwärtigen Regelungen. Aber man hat mich auf zwei Dinge hingewiesen, die ich hier anbringen möchte.
- Studierende hätte über ihre Hochschule einen einfachen und kostengünstigen Zugang zu den Büchern des Springer Verlages. Die Lektorin schrieb mir: „Bitte bedenken Sie, dass wir über unsere eBook Pakete die Studierenden und Forschenden an den (Fach-) Hochschulen erreichen, d.h. ich gehe ganz stark davon aus, dass viele, die sich systematisch und kritisch mit der Rolle und dem Stellenwert der Sozialen Arbeit in unserer Gesellschaft auseinandersetzen, kostenfreien Zugriff auf den Titel haben werden.“
- Und dann wurde mir ein „Trick“ verraten, den ich bis dahin noch nicht kannte:
Der Verlag hat mir einen aufgezeigt, wie „Individualkunden“ günstiger an das e-book kommen können. Über https://link.springer.com/product/springer-plus abonniert man ein Abo (Basic)(das man auch nur für einen Monat abonnieren kann, spätestens 72 Stunden vor Ablauf des Monats kündigen!) und erhält für 34,99 Euro 10 „download units“, für die man sich das Buch herunterladen kann.


Bravo!