Spannende Gespräche am Rande 4. – Vortragsreise in den Süden

Reaktionen nach dem Vortrag (Bad Herrenalb):

„Es stimmt, wir haben uns alle daran gewöhnt, so zu arbeiten und so zu denken. Wir finden das ganz normal. Jetzt wird es mir bewusst..“

„Was Sie gesagt haben, erinnert mich an das, was ich wollte, als ich von 30 Jahren angefangen habe zu arbeiten. Es hat mich auf den Boden zurückgeholt.“

„Jetzt habe ich endlich Begriffe und Erklärungen für das, was ich täglich erlebe.“

„Ich arbeite mit SozialhilfeempfängerInnen, um sie wieder arbeitsfähig zu machen. Das sind die, die es schaffen können.“ Als ich frage, was denn mit den anderen ist, mit denen , die es eben nicht schaffen. Sie zuckte hilflos die Schultern. „Ja, Sie haben Recht, um die soll ich mich nicht weiter kümmern.“

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Spannende Gespräche am Rande 3. Vortragsreise in den Süden

„Es wird Zeit, dass ich mal wieder einen Artikel schreibe.“

A. brachte mich in Basel am letzten Tag zur Bahn und erzählte auf dem Weg zum Bahnhof v0n ihrer Arbeit.
Sie hat eine leitende Position in einer Einrichtung der ambulanten Arbeit mit behinderten Erwachsenen. Sie hätte sich gar nicht um den Posten bemüht, aber eines Tages sei ihre Chefin auf sie zugekommen und habe gesagt: „Du hast immer so gute Ideen, wie es anders sein könnte. Ich glaube du würdest unserer Arbeit gut tun!“.Da hätte sie sich nicht lange bitten lassen.
Das erste, was sie in der neuen Position getan hat, war, über die prekäre finanzielle Situation in ihrem Arbeitsbereich einen saftigen Artikel zu schreiben, der veröffentlicht wurde. Sie hatte deswegen bald ein persönliches Gespräch mit dem Geldgeber, der versuchte, ihr klar zu machen, dass es so nicht ginge. Sie habe ihn herausgefordert, über den Inhalt ihres Textes mit ihr zu dskutieren.
Ergebnis: Er hat sie 4 Jahre lange nicht gegrüßt. Jetzt im 5. Jahr grüßt er sie.

Ich musste lachen. „Aber so weit ich es sehe, ist in der Behindertenarbeit die neoliberale Entwicklung noch vergleichsweise wenig fortgeschritten, oder?“, sagte ich.
Jetzt lachte sie. „Von wegen! Dass, was Sie gesagt haben, dass nur die Starken gefördert werden, dass es immer nur darum geht, die Starken zu unterstützen und zu Menschen zu machen, die Leistung erbringen, das ist bei uns inzwischen genau so an der Tagesordnung- und das, obwohl unsere Menschen weit davon entfernt sind, leistungsstarke Kunden werden zu können. Allein die Geschichte mit dem „persönlichen Budget“, wie es in Deuschland genannt wird, lässt doch die, die mit der damit verbundenen Bürokratie und der Aufgabe, sich selbst entscheiden und kümmern zu müssen, hoffnungslos überfordert sind, hilflos zurück. Das ist eine Illusion und letztlich ein Sparprogramm…“

Dennoch, A. ist sich manchmal nicht sicher, ob sie wirklich richtig liegt. Sie habe Angst, durch ihre Aktivitäten und ihre „Rebellion“ die Lage ihres Trägers zu erschweren, den reibungslosen Ablauf zu stören und bekäme dann ein schlechtes Gewissen.
Mein Vortrag aber, so sagte sie mir am Schluss, hätte sie ermutigt und ihr gezeigt, dass sie goldrichtig liege. Wer sich erpressen und einschüchtern lässt von dem Auftrag, den neoliberalen Apparat am Laufen zu halten, der könne keinen Widerstand leisten.
Es sei wohl an der Zeit, dass sie wieder mal einen saftigen Artikel schreibe – dieses Mal über die sozialpädagogisch unsinnige und kontraproduktive Tendenz, nur die behinderten Menschen zu fördern, bei denen man denkt, man könne bei ihnen „Stärke“ entwickeln…
Recht hat sie.

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Spannende Gespräche am Rande 2.- Vortragsreise in den Süden

„Sie haben mich gerettet“

„Sie haben mich gerettet“, sprach mich eine der ZuhörerInnen in Basel an. Sie meinte mein Buch. Es hätte sie ermutigt, zu kündigen. Sie sei im Allgemeinen Sozialdienst beschäftigt gewesen, mit 120 Fällen, sei überfordert gewesen und krank geworden. Sie habe immer versucht, mit ihren Klienten zu sprechen, sie zu beraten, sie zu unterstützen. Aber das gab die Zeit nicht her und es war auch nicht gewollt. „Du hast halt die Administration nicht drauf“ , wurde ihr gesagt. „Du willst beraten. Das ist nicht unsere Aufgabe.

Sie hat geglaubt, sie würde etwas nicht können, läge mit ihrem Ansatz nicht richtig. Durch mein Buch, so sagte sie, habe sie begriffen, was da falsch läuft und dass sie das nicht mitmachen will. Sie hat endlich gekündigt.
Jetzt geht es ihr viel besser. Sie hat nur noch 12 KlientInnen, um die sie sich kümmern kann und bei denen Sie merkt, dass sie wirklich Unterstützung leistt. Sie darf jetzt mit ihnen arbeiten, sie beraten und dafür sorgen, dass sie besser klar kommen.
Allerdings – ihre Aufgabe bestehe nur darin, diese Menschen wieder arbeitsfähig zu machen. Ihr ihr sei die Begrenzung ihrer neuen Aufgabe sehr bewusst. Ihr sei klar, dass sie auch jetzt voll im politischen System eingebunden sei. Aber noch lasse man ihr die Zeit und die Möglichkeit, in diesem Kontext – sozusagen subversiv – wirklich Soziale Arbeit zu machen und sich – zu mindest in Ansätzen- ganzheitlich um die Probleme der Mesnschen zu kümmern.

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Spannende Gespräche am Rande 1.- Vortragsreise in den Süden

Man hat immer wieder versucht, mich mit dem Begriff „aktivieren“, in die Enge zu treiben.“

S. in Basel erzählte mir:
„Ich habe mich immer bemüht, meine KlientInnen konkret zu unterstützen, bei ihnen Lernprozesse in Gang zu setzen, sie nicht allein zu lassen in schwierigen Situationen. Aber immer warf man mir im Team vor, ihr würde paternalistisch arbeiten, würde meine Leute unselbständig machen, weil ich ihnen angeblich alles abnähme.
Durch Ihre deutliche Unterscheidung hier beim Vortrag und in Ihrem Buch zwischen einer sozialpädagogischen Motivierung und dem, was der neoliberale Staat unter Aktivierung versteht, weiß ich endlich, dass ich völlig richtig liege und deren „Aktivieren“ nicht das ist, was ich machen will.“

Tatsächlich trifft ein solcher Vorwurf heute Sozialarbeitende ziemlich heftig. Sie wollen auf keinen Fall die Menschen bevormunden, wollen nicht „kolonialisieren“, wollen selbstverständlich Hilfe zur Selbshilfe leisten. Doch die Verherrlichung der Vorstellung, dass Klienten eigentlich alles selbst hinbekommen, wenn man es ihnen nicht abnimmt, ist nicht nur psychologisch und pädagogsch falsch. Sie erzeugt außerdem eine Situation weit entfernt von Solidarität, Unterstüzungserfahrungen und zwischenmenschlichem Miteinander. Sie proklamiert nur das autarke Individuum. Wenn die neoliberale Soziale Arbeit behauptet, sie würde durch das Aktivieren Menschen motivieren, so liegt sie falsch. Motiveren ist ein Prozess, der intrinsische Motivation fördert. Aktivieren ist ein „Schubs“ und die unmittelbare Aufforderung, sofort selbst tätig zu werden. Es funktioniert dort, wo der Betroffene bereit und in der Lage ist, sich auf der Stelle in Bewegung zu setzen. Die anderen fallen hin, stürzen, bleiben hilflos oder unwillig stehen….

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Aktueller Bericht über meine jüngste Vortragsreise

Basel und Bad Herrenalb

Die Einladungen nach Basel und in den Nordschwarzwald nach Bad Herrenalb lagen schon lange vor, die Vorträge waren fertig – als die Reise wegen der unsäglichen Hitze Ende Juni lange auf der Kippe stand. Aber genau zum Tag meiner Anreise hatte es sich etwas abgekühlt und ich machte mich auf denWeg.

Zunächst nach Basel zum Forum für kritische Soziale Arbeit, Schweiz (KRISO).
7 Stunden ICE, der schließlich mit einer StundeVerspätung ankam …
Ich hatte die KollegInnen von der KRISO gut auf meinen Unterstützungsbedarf vorbereitet: Ich wurde am Bahnhof abgeholt und ins Hotel gebracht. Am nächsten Tag war ich mit T. unterwegs in der beeindruckenden Stadt, die ich bis dahin noch nicht kannte.

Abends holte er mich vom Hotel zum Vortrag ab.

Die Gruppe hatte in einem uralten Gebäude (ich glaube ehemals Uni) einen kleinen Hörsaal zur Verfügung gestellt bekommen, direkt am Rhein und mit einem Ambiente, das mir schon zu meiner Studienzeit antik vorgekommen wäre: lange Reihen von Holzbänken mit herunterklappbaren Tischchen… Ich baute mir aus alten dicken, verstaubten Buch-Bänden, die vergessen auf der Fensterbank herumlagen, meine Unterlage auf dem alten Stehpult zurecht ….


Es kamen gut 40 SozialarbeiterInnen aus verschiedenen Ecken der Schweiz.
Es waren lauter Menschen, die ganz genau wussten, was es derzeit geschlagen hat, und das, obwohl die neoliberalen Entwicklungen in der Sozialen Arbeit in der Schweiz noch eher moderat auszufallen scheinen. Alle waren gut drauf, lauter gestandene Leute und es herrschte eine wohltuende, solidarische Atmosphäre. Einige kannten mich noch von meinem Vortrag in Bern vor etlichen Jahren. Mir kam der Abend vor wie ein Heimspiel vor einer kleinen Fan-Gemeinde. Ich fühlte mich wie zu Hause und habe an diesem Abend selbst viel Kraft geschöpft aus der Erfahrung, dass es doch immer wieder kluge, erfahrene, hochkritische aber unverzagte KämpferInnen in unserer Profession gibt.
Die Inhalte meines Vortrags waren sicher für die meisten von ihnen nicht neu. Aber viele bedankten sich und sagten, mein Vortrag hätte sie ermutigt und gestärkt. Andere freuten sich, weil sie jetzt mehr Klarheit hätten und gute Argumente für die Auseinandersetzungen mit ihrem neoliberalen Arbeitsumfeld.
Der Abend klang aus bei interessantem Erfahrungsaustausch und Geplauder in der hereinbrechenden, warmen Sommernacht von dem Eingang des Gebäudes.
Ich wurde wieder zum Hotel gebracht und am nächsten Morgen holte mich eine andere Sozialarbeiterin ab und brachte mich zum Zug.
Ich möchte den Leuten der KRISO noch einmal herzlich für ihre fürsorglich Unterstützung und ihr großes Interesse danken.
Die weite Reise hat sich gelohnt, für mich und ich denke, auch für sie.

Die 2. Etapppe führte mich nach Bad Herrenalb

Hier hielt ich meinen Vortrag auf der Jahrestagung des Baden-würtettembergischen Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation bwlv (umfasst 900 MitarbeiterInnen und 54 Einrichtungen bzw. Kliniken), die unter dem Motto stand: „Zwischen Ökonomisierung und Professionalisiserung: Wenn Rahmenbedingungen die Arbeit erschweren – und welche Lösungen wir entwickeln können“.

186 Leute saßen schließlich vor mir im großen Saal der ev. Akademie in Bad Herrenalb.
Man hatte sich gewünscht, dass ich mit meinem Vortrag etwas Licht in die politischen Hintergründe der aktuellen und beunruhigenden Entwicklungen und Sparpläne im sozialen Bereich bringen würde. Die Stimmung allgemen im Landesverband und bei den MitarbeiterInnen stehe auf Sturm. Man sehe die Notwendigkeit, sich um Politik zu kümmern.

Die Ausgangssituation hier war ganz anders als in Basel, aber das Interesse war auch hier sehr groß. Viele sprachen mich hinterher an, dankten mir und meinten, dass sie nun besser wüssten was, eigentlich los sei, dass sie jetzt klarer sehen könnten, woher die Problemen kämen. Etliche versicherten mir, der Vortrag hätte ihnen gut getan.


Das ist viel und es hat mich sehr gefreut. Es kann der Anfang sein von sehr viel mehr. Aus der Erkenntnis, was tatsächlich zurzeit passiert, kann die Erkenntnis erwachsen, dass es gilt, sich endlich zur Wehr zu setzen.
Auch in Bad Herrenalb hat man sich liebevoll um mich gekümmert und viel Rücksicht genommen auf meine altersmäßig begrenzten Kräfte.
Ich wünsche dem Landesverband und allen MitarbeiterInnen, dass sie einen kritischen Blick beibehalten und aufpassen, dass sie nicht der Gefahr unterliegen, sich anzupassen und blind zu werden für das, was derzeit mit der Sozialen Arbeit und der sozialen Therapie und mit den Menschen, um die es uns geht, geschieht.

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Geht denn da überhaupt noch was?

Gesellschaftlich bedingte Behinderungen einer humanistisch ausgerichteten Sozialen Arbeit

Hellersdorf – alte Bekannte..
Vor ein paar Tagen war ich als Referentin nach Hellersdorf eingeladen, einem Berliner Neubaubezirk mit hoher Quote an Sozialproblemen. In meinem Buch (Soziale Arbeit und Neoliberalisus heute – schwarz auf weiß, 2025) habe ich ein Zeitungs-Interview mit dem Leiter eines Kinder- und Jugendzentrums in diesem Stadtgebiet zitiert, das erschreckende Zustände offenbarte – wobei das Erschreckendste dabei war, dass trotz alarmierender Problemlagen vieler Kinder und trotz ständiger Alarmsignale Richtung Politk das Jugendzentrum so schlecht besetzt und ausgestattet war, dass die MitarbeiterInnen ihre Möglichkeiten nicht viel höher einschätzten als den berühmten „Tropfen auf den heißen Stein“.

Der Auftrag an mich
Die Koordinierungsstelle für Alleinerziehende in Marzahn-Hellersdorf hatte zu ihrem jährlichen Vernetzungstreffen eingeladen. Die Verantwortlichen signalisierten mir, dass es vielen der bei ihnen vernetzten Kolleginnen darum ginge, Erklärungen zu finden für die Belastungen, Grenzen und Einschränkungen, die sie in ihrer täglichen Arbeit mit den Alleinerziehenden erfahren.

Mein Vortrag hatte den Titel „Was können wir als Sozialarbeitende unter den gegebenen neoliberalen Bedingungen noch für unsere Klient*innen tun?“

Ein wenig hatte ich vorher die Befürchtung, dass meine Aussagen auf Verwunderng oder gar Ablehnung stoßen könnten, denn so oft in der Sozialen Arbeit werden die persönlich erlebten Probemlagen der KlientInnen nur als deren ganz eigene Schwierigkeiten aufgefasst, denen man mit entsprechenden individuell auf sie zugeschnittenen Hilfestellungen begegnen könne.

Dass das hier nicht so war wurde mir schnell klar.
Vor mir saßen lauter gestandene Sozialarbeitende, die tagtäglich mit gesellschaftlichen Bedingungen zu kämpfen haben, die einerseits das Leben ihrer KlientInnen massiv erschweren und andererseits ihre eigene, am Wohl der von ihnen betreuten Einelternfamilien orientierten Arbeit, behindern, auf den Kopf stellen und verunmöglichen und die nicht bereit sind, sic damit so einfach abzufinden.

Der Workshop
Im anschließenden Workshop „Woran liegt es, dass die Probleme unserer KlientInnen so oft nicht gelöst werden können?“ prasselten die entsprechenden Beispiele, die die TeilnehmerInnen aus ihrer Praxis mitbrachten, nur so auf mich nieder und es entstand eine spannende und ergebnisreiche Diskusson.
Damit auch andere an unserem Erkenntnisprozess teilhaben können, veröffentliche ich hier das Protokoll, das im Anschluss dieses Workshops für das Plenum erstellt wurde:

Workshop 2
Hellersdorf 10.6.26
Woran liegt es, dass die Probleme unserer KlientInnen so oft nicht gelöst werden können?
Zusammenfassung der Ergebnisse

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Autoritäre der Sozialpolitik? Oder Neoliberalismus pur?

Gedanken zu den Aussagen von Meyer und Alsago (s. vorausgehendes Posting)

Vor einiger Zeit (s. 25.9.25) habe ich hier etwas darüber geschrieben, dass die aktuellen Entwicklungen in unserer Gesellschft nicht etwas ganz Neues darstellen, sondern nichts anderes sind als die Verschärfung des Neoliberalismus, der sich ideologisch immer stärker zu dem mausert, was er eigentlich ist: eine Menschenerziehungmaschinerie, die die Gesellschaft umgestalten will zu einer nicht auf die Menschen und ihre Bedürfnisse und Belange orientierten Warenfabrik, die den größt möglichen Profit abwirft und die Menschen dazu bringt, entsprechend zu funktionieren.
Dass das so reibungslos funktioniert liegt daran, dass der Neoliberalismus nicht etwa pauschal autoritär daherkommt. Die meisten Menschen steuert er über deren eigenen Willen, deren eigene Vorlieben, sodass die Unterwerfung von ihnen als Freiheit erlebt wird.
Aber das ist nur die eine Seite des Neoliberalismus.
Die andere, durchaus offen und unverdeckt autoritäre, ja inzwischen tendentiell gewalttätige Seite des Neoliberalismus bekommen schon lange, schon vom Anbeginn der neoliberalen Phase an und zunehmend noch immer stärker, diejenigen Menschen ab, die am Rande der Gesellschaft stehen, die sich nicht durch Anpassung, durch Anstrengung und hohe Leistungen auszeichnen, die für den neoliberalen Staat und seine Wirtschaft ineffizient sind: Behinderte, Kranke, Kinder und Jugendliche aus „bildungsfernen Familien, Alte, sozial Benachteiligte, Arme, Wohnungslose, Migranten, Sozialhilfeempfänger, Alleinerziehende usf.

Nicht umsonst kam der eigentliche Paukenschlage der Neoliberalisierung mit dem Hartz IV-Gesetz, durch das die erkämpften Rechte der Arbeitnehmer zurückgenommen wurden und die Lage der auf Sozialhilfe Angewiesenen drastisch reglementiert und verschlechtert wurde.
Was heute unsere Regierung auf allen Ebenen des Sozialleistungsbereiches plant und durchsetzen will ist „nichts als“ die krasse, konsequente Umsetzung der neoliberalen Ideologie da, wo es um die Menschen geht, die als nicht effizient angsehen werden und von daer nicht von Interesse sind.
Und leider kann sich diese Politik (zumindest bisher) weitgehend darauf verlassen, dass die Bevölkerung diese Schritte abnickt oder wenigstens gleichgültig zur Kenntis nimmt, denn die Ideologisierung der Massen der Bevölkerung in Richtung Entsolidariserung und Individualisierung hat ziemlich gut geklappt.

Denn die von mir damals festgestellte zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit, die Entsolidarisierung und Indivualisierung, die Gewöhnung an Gewalt und die Ablehnung jeder Verantwortung der Gesellschaft für die von ihr verursachten Kollateralschäden für die menschliche Gemeinschaft und vieles mehr sind konsequente Folgen der Ideologie des aktivierenden Staates und des ökonomistischen Menschenbildes. Allerdings gelingt es den neoliberalen Akteuren und Medien, all das als große Freiht zu verkaufen und als etwas „was sich gut und richtig anfühlt“ (Schreiner (2018). Die neoliberalen Gedanken und Vorstellungen gelten als normal und selbstverständlich und scheinen Wohlstand und Freiheit zu garantieren. Dennoch ist der Neoliberalismus, so Schreiner, eine Ideologie, die Freiheit verspricht, aber Unterwerfung verlangt. Letzteres wird inzwischen eben auch für die „normale“ Bevölkerung immer deutlicher, etwa wenn dem Volk vorgeschrieben wird, dass es sich entgegen seinen eigenen existentiellen Interessen auf einen angeblich zu erwartenden Krieg und intensiv herbeiprovozierten vorbereiten muss und auch noch stolz darauf zu sein hat, das Deutschland bald (wieder) die stärkste militärische Kraft in Europa sein wird.

Was wir erleben ist nichts Neues, weder die hier beschriebenen politischen Tendenzen noch die mit der Brechstange vorgenommenen Kürzungen im Sozialbereich, das ist auch keine Frage des vielleicht bald vorübergehenden „politschen Klimas“. Es ist die konsequente Umsetzung der Ideologie des Neoliberalismus. Und der ist kein Trend, keine Mode, er basiert auf einer ökonomsichen Basis, dem neoliberalen Wirtschaftssystem. Ideologie und Wirtschaftssystem bedingen sich gegenseitig und reproduzieren sich permanent.

Das aber ist keine akademische Wortklauberei. Das macht vielmehr deutlich, wie sehr diese Ideologie verankert ist und welche sehr wohl auch materiellen Kräfte dahinterstehen. Wir haben es hier konkret gesagt mit dem zu tun, was vor wenigen Jahrzehnten noch sehr bildhaft und vorstellbar als „entfesselter Kapitalismus“ oder „Raubtierkapitalismus“ bezeichnet wurde. Gemeint war, dass die kapitalistischen Prinzipien und Prozesse jetzt nicht mehr nur mehr oder weniger auf die Wirtschaft beschränkt bleiben, sondern in einem vorher nicht dagewesenen Maße nach den Menschen in ihrem alltäglichen Leben greifen, sie erziehen und für die Interessen des „Raubtiers“ zu manipulieren möchten.

Wer gegen all das, was z.B. von Meyer und Alsago identifiziert worden ist (siehe voraufgehendes Posting), ankämpfen will, der sollte sich darüber im Klaren sein, mit wem er es zu tun hat, der sollte sich klar machen, dass es nicht darum geht, hier und da eine Sparmaßnahme zu verhindern oder eine Regel abzuschwächen. Wie Meyer und Alsago richtig feststellen: Es handelt sich um eine grundsätzliche Umorientierung sozialstaatlicher Unterstützung.
Diese versucht ein Menschen- und Gesellschaftsbild umzusetzen, das mit den ethischen, humanistischen Vorstellungen, Prinzipien und Zielen der Sozialen Arbeit und auch mit dem, was eine wirkliche Demokratie ausmacht, nichts mehr zu tun hat.

Der Neoliberalismus ist kein Schnee von gestern – kein bisschen. Leider.

Literaturhinweis:
Schreiner, P. (2018): Unterwerfung als Freiheit. Leben im Neoliberalismus. Köln: PapyRossa Verlag (Neoliberalismus in unser aller Alltag)

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Nr. 4 Bundesregierung lässt die Katze aus dem Sack

zu dem Artikel:
Eine neue Ordnung der Hilfe? Wie Politik und gesellschaftliches Klima die Soziale Arbeit verändern“ von Dr. Elke Alsage und Prof. Dr. Nikolaus Meyer)

Mir flattert ein neuer Text von Meyer und Alsago auf den Schreibtisch, der mit klaren Worten und guten Argumenten die grundlegenden Veränderungen der Sozialpolitik in diesem Lande nachzeichnet, die sich hinter den Sparplänen der gegenwärtigen Regierung verbergen.
Es geht nicht nur darum, möglichst Geld einzusparen. Es geht darum, die Rolle des Sozialen , des Sozialstaates, der gesellschaftlichen Verantwortung für Menschen, die in dieser Gesellschaft mit Probeme und Ungleichheiten zu kämpfen haben, vollständig auf den Kopf zu stellen.

Die AutorInnen stellen folgende Entwicklungstendenzen im gesamten sozialen Bereich fest (und natürlich auch in der Sozialen Arbeit und speziell in der Jugendhilfe):

  • von der Unterstützung zur Kontrolle
    • vom Sozialen Angebot zum reinen Kostenfaktor
    • von der pädagogischen Beziehung zur bloßen Intervention, die primär auf Gefahrenabwehr und Kontrolle zielt
    • von der professionellen Nähe zur reinen Distanz
    • von der pädagogischen Zuständigkeit zur sicherheitslogischen Intervention
    • von der Stärkung professioneller Arbeit zu mehr Kontrolle und Ordnung

Sie konstatieren, dass die Grenze zwischen Hilfe und Kontrolle immer mehr verwischt.
Sie kritisieren die Tendenz, die fachlichen Qualifikationsanforderungen zu öffen, indem sie den Quereinstieg politisch forcieren.

Und sie kommen zu der Schlussfolgerung:
„Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der politischen Rolle Sozialer rbiet neu. Si ist nich nur Ausführunginstanz, sondern Teil öffentlicher Aushandlungsprozesse darüber, wie Gesellschaft mit Ungleichheit, Konflikten und Verletzbarkeiten umgeht.“ (Meyer und Alsago, 2026, S. 8).
Die AutorInnen sind der Meinung, dass die SozialarbeiterInnen damit vor einer Entscheidung stehen, die „nicht delegierbar“ ist. Sie können und müssen sich entscheiden, ob sie „Erfüllungsgehilfen “ eben dieser autoritären Politik sein möchten oder aber bereit sind „öffentlich zu widersprechen“.

Es ist für mich ein Vergnügen und eine große Genugtung, auf KollegInnen zu stoßen, die das gleiche Anliegen haben, dieselben Entwicklungen und Gefahren für unsere Gesellschaft und unsere Profession identifizieren und zu den gleichen Schlussfolgerungen und Forderungen kommen wie man oder frau selbst. In meinem Buch „Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute – schwarz auf weiß“ sind alle diese Punkte ebenfalls entwickelt und mit vielen Beispielen aus der Praxis belegt worden. Es tut sich was …

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aus meiner Post

„Durch Ihre Arbeit fühle ich mich weniger alleine, weil ich dadurch begreifen konnte, das das alles Methode hat und was genau eigentlich dahinter steckt.“

„Nach meinem Studium der Psychologie und ein paar guten Jahren mit Kindern … schlägt mein Herz doch eher für die, die in einer Gesellschaft eher nicht das große Los gezogen haben. Der Radius der Psychologie war mir dazu zu klein und ich habe mich entschlossen, das Studium der Sozialen Arbeit anzuhängen, um da helfen zu können, wo Gesellschaft versagt.“

„Vor allem ist es wohl dieses Grundrauschen von „das Beste daraus zu machen“ und „Es muss ja irgendwie“, das … immer bitterer aufstößt. Es gibt so wenig Impuls für Änderung, dafür auch mal Unangenehmes anzusprechen, so wenig Blick nach links und rechts und auch hier kommen wir zu dem Schluss, dass das alles vielleicht nicht anders gewünscht ist. „Ich mag das nicht so gerne hinnehmen und wage mich einfach mal rein in die Höhle des Löwen.“

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Nr. 3.: Bundesregierung lässt die Katze aus dem Sack

(unter diesem Titel werde ich in der nächsten Zeit Beiträge veröffentlichen, die sich mit den aktuellen Sparplänen der Regierung auseinandersetzen. )

Es geht um einen Offenen Brief an das „Bündnis für einen starken und
zukunftssicheren Sozialstaat“,
in dem die AutorInnen aus ihrer Sicht die Sparpläne der Regierung kritisieren.

Der hier abgedruckte Text nimmt gleichermaßen die Regierungsplänen aber eben auch die Vorstellungen dieses aus 14 zivilgesellschaftlichen Gruppen (Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften und viele anderen) zusammengeschlossenen Bündnisses unter die Lupe. Ich finde die Aussagen dieses Offenen Briefes sehr differenziert und besonders interessant, weil sie aus der für uns „Fachleute“ nicht selbstverständlichen Perspektive unmitelbar Betroffener stammt und möchte sie deshalb gerne allen LeserInnen zur Kenntnis geben und zur Diskussion stellen.

Erster Mai 2026
Sehr geehrte Damen und Herren,
am 10. März 2026 haben Sie das Bündnis für einen starken und zukunftssicheren Sozialstaat der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Reaktion der Öffentlichkeit war bis heute eher verhalten. Ihre gemeinsame Erklärung zum Sozialstaat enthält sowohl Richtiges als auch offensichtlich Falsches – vor allem aber fehlt Entscheidendes. Angesichts der Lage in Deutschland und weltweit halten wir das für fatal. In der Realität versagt der heutige Sozialstaat, den Sie im Wesentlichen verteidigen und so beibehalten wollen, in hohem Maße – insbesondere schafft er eben gerade keine „soziale Sicherheit in unsicheren Zeiten“.

  1. Nichtinanspruchnahme, Stigmatisierung, Schädigung der Erwerbsmotivation.
    Viele (bedürftige) Menschen erhalten keine oder keine ausreichenden Leistungen vom Sozialstaat, da sie aufgrund von Unwissenheit, bürokratischen Hürden oder der Angst vor Stigmatisierung und Beschämung Leistungen nicht abrufen, die ihnen zustehen würden. Wer Transferleistungen bezieht, ist in vielen Fällen von Stigmatisierung betroffen, was sich auf die Selbstachtung, die sozialen Kontakte und die Gesundheit der Menschen auswirkt und darüber hinaus ein Einfallstor für gesellschaftliche Spaltung darstellt („Sozialschmarotzer“-Vorwurf). Wer Transferleistungen bezieht, profitiert finanziell in vielen Fällen kaum von eigenen Erwerbsanstrengungen, da erzieltes Einkommen zum Großteil angerechnet wird und davon daher am Ende kaum etwas übrig bleibt. Das erklärte Ziel, möglichst viele Menschen zur Erwerbsarbeit zu motivieren, wird so konsequent konterkariert. Auch daraus folgt eine weitere gesellschaftliche Spaltung, der Vorwurf der „Faulheit“ gegenüber Transferleistungsempfangenden.
    Es kommt hinzu, dass die Unterscheidung zwischen „arbeitsfähigen“ und „nicht arbeitsfähigen“ Transferleistungsempfangenden in der Realität nur sehr eingeschränkt funktionieren kann. Das gilt insbesondere für Menschen mit psychiatrischen Diagnosen, welche weiter zunehmen. Im heutigen System besteht immer ein Verdacht, dass Menschen ihre Beschwerden nur vorschützen, also „simulieren“, um dem Zwang durch das Jobcenter zu entkommen. Mittlerweile werden auch Ärzt*innen verdächtigt, zu leichtfertig Krankschreibungen auszustellen. Das ist für alle Beteiligten wie auch aus gesundheitspolitischer Sicht ein Problem.
    Dass Sie das vom damaligen Bundesminister für Arbeit und Soziales Franz Müntefering formulierte „wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ nach wie vor unkommentiert im Raum stehen lassen und die Folgen einer solchen Sozialstaatskonzeption damit offenbar für hinnehmbar halten, spricht Bände.
  2. Fixierung auf Erwerbsarbeit
    In Deutschland (und weltweit) werden mehr Arbeitsstunden unbezahlt geleistet als bezahlt. Ohne diese Arbeit in den Bereichen Haushalt, Care, Demokratie, Kunst und Kultur sowie weiteres bürgerschaftliches Engagement kann unsere Gesellschaft nicht existieren, geschweige denn sich weiterentwickeln. Daher muss ein wirklich starker und zukunftsfähiger Sozialstaat die unbezahlte Arbeit aller Menschen finanziell absichern und ermöglichen. Auf der anderen Seite ist erwerbsförmige Arbeit aus volkswirtschaftlicher oder Gemeinwohlperspektive nicht immer sinnvoll. Der Ökonom Günther Moewes setzte den Anteil von sinnlosen oder schädlichen Jobs sogar mit 40-60% an. Es gibt ganze Branchen, die aufgrund ihrer Effekte, etwa auf Gesundheit oder Umwelt, mehr schaden als nutzen (z.B. die Tabakindustrie oder die Fossilen Industrien). Viele Erwerbsarbeitsplätze haben negative Auswirkungen, da für sie knappe Ressourcen eingesetzt werden müssen, z.B. müssen Gebäude errichtet und unterhalten und teils lange Pendelwege zurückgelegt werden. Es ist angesichts der ökologischen Krise geboten, in Zukunft sehr gut abzuwägen, welche Arbeit wirklich getan werden muss und welche wir unterlassen sollten.
    Schließlich ist es entwürdigend und eine Verschwendung von Lebenszeit, Dinge zu tun, nur um „beschäftigt“ zu sein und ein Einkommen zu erhalten, während es wirklich mehr als genug zu tun gäbe für alle. Zum Teil führt das dazu, dass „Arbeit“ nur noch simuliert wird – oder nicht effizient gearbeitet wird. Es gibt auch keine „sicheren Arbeitsplätze“ (außer vielleicht für Beamte), da sich die Welt ständig verändert. Gäbe es sie, wäre das nur bedingt hilfreich, weil sich auch Menschen verändern und nicht unbedingt über ihre ganze Lebensspanne hinweg dieselbe Tätigkeit ausführen wollen oder können.
    Soziale Sicherheit muss also unabhängig von Erwerbsarbeit organisiert werden!
  3. Sorgearbeit und Care-Krise
    Die zunehmende Unsicherheit und der Zwang zur Erwerbsarbeit führen dazu, dass wir Menschen uns immer schlechter um uns selbst und unsere Mitmenschen kümmern können. Eine allgemeine Verrohung greift um sich. Kinder zu haben oder pflegebedürftige Angehörige wird als „Privatangelegenheit“ angesehen, um die sich die Betroffenen selbst kümmern sollen – möglichst ohne „der Gesellschaft zur Last zu fallen“. Sorge für das große Ganze, die natürlichen Lebensgrundlagen oder die Demokratie wird immer weiter erschwert und ist fast nur noch den Menschen aus wohlhabenderen Kreisen überhaupt möglich. Diese werden dann oft genau dafür kritisiert – anstatt dafür zu sorgen, dass alle Menschen sich ein solches Engagement leisten können. Fakt ist, dass unsere Spezies schon rein biologisch auf Kooperation ausgerichtet ist, wir sind in hohem Maße aufeinander angewiesen. Die herrschende Ideologie, „jeder sei sich selbst der Nächste“, ist
    daher absolut zerstörerisch und gefährlich. Wir brauchen einen Umbau zur Care-Ökonomie, in der sich Menschen immer sinnmotiviert und kraftvoll in eine Sorgende Gesellschaft einbringen können.
  4. Demokratie und Bildung
    Demokratie funktioniert nicht ohne Menschen. Im antiken Griechenland, auf das immer gerne als „Wiege der Demokratie und unserer Kultur“ Bezug genommen wird, war immer klar, dass jeder, der oder die sich politisch engagieren will oder soll, dafür Zeit und finanzielle Sicherheit braucht. Die Auffassung, dass Menschen „beschäftigt“ werden müssen, ist aus demokratischer Perspektive grundfalsch. Sie brauchen, ganz im Gegenteil, möglichst große Freiräume, um sich informieren zu können, nachzudenken, zu diskutieren und sich in der für sie sinnvoll erscheinenden Form ins Gemeinwesen einbringen zu können. Für die Gemeinwohlbindung der Bürgerinnen ist es notwendig, dass sie als Menschen willkommen sind in der Welt – nicht nur als Arbeitnehmer*in oder „Beschäftige“.
    Auch Bildung bedarf Zeit und Muße. Jene wird heute häufig nur noch als berufliche Bildung („Employability“) verstanden, was eine gefährliche Verkürzung ist. Alle Menschen brauchen ausreichende finanzielle Sicherheit, um sich wirklich eigene Gedanken über die Welt und ihren Platz darin machen zu können. Wer sich die ganze Zeit nur im Hamsterrad dreht, hat dazu keine Chance.
  5. Ökologie
    Es ist genug für alle da – für ein menschenwürdiges Leben aller Menschen auf der Welt. Andererseits setzen uns die Ökosysteme Grenzen, die wir nicht dauerhaft überschreiten dürfen. Dass wir das mittlerweile in beunruhigendem Ausmaß trotzdem tun, hat viel mit dem Ziel zu tun, möglichst viele „Arbeitsplätze“ zu schaffen oder zu retten. Und damit, dass Menschen so wenig Sinn in dem sehen, was sie den ganzen Tag tun (müssen), dass sie sich mit äußerst ressourcenintensiven Freizeitaktivitäten und maßlosem Überkonsum „entschädigen“ wollen. Außerdem baut unser gegenwärtiges System auf Ungleichheit auf und erschafft sie unentwegt, sodass ein bedeutender Teil der Menschen an Mangel leidet, während eine Minderheit unsägliche Verschwendung vorantreibt. Das hat viel mit der hegemonialen Einstellung zu tun, Natur und Menschen als simple Ressourcen zu
    betrachten, die durch grenzenlose Ausbeutung zu Waren verwandelt werden können, um Profite zu generieren.
    Materielle Sicherheit und Zeitsouveränität, also Wirkmacht über das eigene Leben, sind notwendig, damit wir als Gesellschaft aufhören, unsere eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören.
    Wir brauchen ein verlässliches, nicht-stigmatisierendes System der sozialen Sicherung, das wirklich alle erreicht und die Menschen nicht in bürokratische Mühlen oder den sogenannten Arbeitsmarkt zwingt. Universalität und Bedingungslosigkeit sind der Schlüssel.
    Kernelement eines starken und zukunftsfähigen Sozialstaats ist ein bedingungsloses Grundeinkommen für Alle. In Deutschland, Europa und weltweit.


    Eric Manneschmidt, BGE- und Care-Aktivist
    Elisabeth Dörre, BGE- und Care-Aktivistin
    Uschi Bauer, 2. Vorsitzende Mensch in Germany e.V
    Gisela Weissinger
    Ute Christmann, Freiberuflerin
    Arfst Wagner, Menschenrechtler

    1 https://www.verdi.de/stabilbleiben-sozialgestalten/20-millionen-stimmen-fordern-einen-gerechten-sozialstaat
    2 https://www.augsburger-allgemeine.de/geld-leben/finanzen/kritik-an-neuer-grundsicherung-krankgeschriebene-buergergeld-empfaenger-unter-generalverdacht-113981564
    3 https://www.zeit.de/online/2006/20/Schreiner/komplettansicht
    4 siehe z.B. hier: https://www.stern.de/gesellschaft/tragoedie-zu-hause-verhungert–einfach-so-3364916.html
    5 https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/sozialbericht-2024/553243/zeitverwendung-fuer-bezahlte-und-unbezahlte-arbeit-gender-care-gap/
    6 Günther Moewes: Arbeit ruiniert die Welt
    https://www.nomen-verlag.de/produkt/arbeit-ruiniert-die-welt/
    7 https://www.zeit.de/arbeit/2026-04/produktivitaet-performative-arbeit-selbstdarstellung-aufruf8 https://wirtschaft-ist-care.org/
    9 Demokratisierung der Muße? : Das bedingungslose Grundeinkommen aus bildungstheoretischer Sicht (Manuel Franzmann, Uni Kiel)
    (zum Anschauen) https://www.youtube.com/watch?v=C1B3cfgQWGY
    (zum Lesen) https://macau.uni-kiel.de/receive/macau_mods_00000319
    10 Wolf Lotter: „Der deutsche Hamster (m/w/d)“
    https://taz.de/Diskussion-um-Leistungsbereitschaft/!vn6100759/
    11 Günther Moewes: Beschäftigungsstaat oder Vermeidungsgesellschaft? (Aus: Weder Hütten noch Paläste) – online:
    https://bge-rheinmain.org/beschaftigungsstaat-oder-vermeidungsgesellschaft
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