Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute

Dresden Ev. FH  17.4.24

Prof. Dr. M. Seithe

Ausgangsmotivation für mein erneutes Engagement in Sachen Soziale Arbeit und Neoliberalismus 


Als ich im vergangenen Mai eingeladen wurde, in einem Seminar der der ASH in Berlin etwas über die gegenwärtigen Probleme der Sozialen Arbeit aus meiner Sicht zu erzählen, machte ich eine für mich erschütternde und für meine jetziges Engagement wichtige Erfahrung:

  • Die Studierenden waren alle konzeptmäßig auf das übliche professionelle Konzept der Sozialen Arbeit eingestellt
  • Sie gingen davon aus, dass in der Praxis alles etwas schwieriger würde, weil es wenig Geld gibt und die Soziale Arbeit jetzt auch für diese Situation verantwortlich handeln müsse
  • Sie erwarteten aber alle, dass man auch heute, bei etwas gutem Willen durchaus noch eine qualifizierte und den humanistischen Vorstellungen der professionellen Soziale Arbeit entsprechende Praxis gestalten könne.

Für mich wurde klar:

  • Sie waren nicht oder schlecht auf das vorbereitet, was wirklich in der Praxis auf sie wartet.
  • Mit den Herausforderungen der neoliberalen Transformation hatten sie sich im Studium nicht oder nur marginal auseinandergesetzt. Sie brachten diese nur mit den Begriffen Sparen, auf die Kosten achten etc. zusammen.
  • Der Begriff Neue Steuerung war nicht wirklich klar und dass die Transformation mit der Ideologie des aktivierenden Staates zu tun hat und was das heißt, war mehr oder weniger unbekannt.

Deshalb arbeite ich nun seit fast einem Jahr an meinem neuen Buch-Projekt  „Schwarz auf Weiß: Soziale Arbeit und Neoliberalismus“

Ich werde hier versuchen, meine Schritte nachzuvollziehen, die ich im Rahmen meiner Recherchen und Überlegungen bisher gemacht habe.

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Fragebogen zur Lage der Praxis Sozialer Arbeit im Neoliberalismus

Wer macht mit? 

https://www.umfrageonline.com/c/ytrgtta3

Als ich im vergangenen Mai eingeladen wurde, in einem Seminar der ASH in Berlin, etwas über die gegenwärtigen Probleme der Sozialen Arbeit aus meiner Sicht zu erzählen, machte ich eine für mich überraschende Erfahrung:

  • Die Studierenden waren alle konzeptmäßig auf das übliche professionelle Konzept der Sozialen Arbeit eingestellt
  • Sie gingen davon aus, dass in der Praxis alles etwas schwieriger würde, weil es wenig Geld gibt und die Soziale Arbeit jetzt auch für diese Situation verantwortlich handeln müsse
  • Sie erwarteten aber alle, dass man auch heute, bei etwas gutem Willen durchaus noch eine qualifizierte und den humanistischen Vorstellungen der professionellen Soziale Arbeit entsprechende Praxis gestalten könne.

Für mich wurde klar:

  • Sie waren nicht oder schlecht auf das vorbereitet, was wirklich in der Praxis auf sie wartet.
  • Mit den Herausforderungen der neoliberalen Transformation hatten sie sich im Studium nicht oder nur marginal auseinandergesetzt. Sie brachten diese nur mit den Begriffen Sparen, auf die Kosten achten etc. zusammen.
  • Der Begriff Neue Steuerung war nicht wirklich klar und dass die Transformation mit der Ideologie des aktivierenden Staates zu tun hat und was das heißt, war mehr oder weniger unbekannt.

Deshalb arbeite ich nun seit fast einem Jahr an meinem neuen Buch-Projekt  „Schwarz auf Weiß: Soziale Arbeit und Neoliberalismus“

Dafür brauche ich dringend Unterstützung von Leuten, die in der sozialarbeiterischen Praxis tätig sein. Es hat sich einiges geändert, seit ich das Schwarzbuch Soziale Arbeit geschrieben habe. Deshalb bin ich bei der Beschreibung und Bewertung der Lage auf Unterstützung derer angewiesen, die sie gut kennen und täglich erfahren.
Ich habe einen online-Fragebogen entwickelt, den man mit diesem Link

https://www.umfrageonline.com/c/ytrgtta3

und dann bearbeiten kann.
Er ist nicht so ganz kurz, aber ich hoffe, er ist interessant und spannend, weil er das betrifft, was Ihr täglich auf euch nehmt.

Leider ist beim Einbetten des Links hier auf dem Blog die Titelseite des Fragebogens verloren gegangen. Auf der sollte auch ein Pseudonym und das Arbeitsfeld angegeben werden. Es wäre nett, wenn ihr so nun im ersten Textfeld der 1. Frage einfach zu Beginn schreibt: Osterhase oder Alice oder was auch immer – und dann Drogenberatung, Schuldnerberatung …

Allen, die mitmachen und ihre Erfahrungen (natürlich anonym) zur Verfügung stellen, ganz, ganz herzlichen Dank!

Mechthild  Seithe

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Gelungenes Projekt Sozialer Arbeit

Graphic Novel Siedlung Mühltal

Mathilda Seithe 2024

SIEDLUNG MÜHLTAL Dokumentation eines Projektes der Sozialen Arbeit | Mathilda Seithe (mathilda-seithe.de)

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Soziale Arbeit im Neoliberalismus – ein neuer Roman

Situationen und Personen sind keineswegs frei erfunden, sondern bittere Realität – allerdings anonymisiert.

Auf vielfachen Wunsch meiner Freude und Freundinnen der Gruppe “unverwertbar” in der kritischen Sozialen Arbeit in Berlin werde ich hier meinen noch nicht veröffentlichten Roman kapitelweise einstellen.

DAS WAR GESTERN, ACKERMANN!

kurze Einführung Der Roman spielt 2005 in Mühlheim an der Ruhr. „Tatort“ der Handlung ist ein großer freier Träger der Sozialen Arbeit, der sich vor einiger Zeit in einen Sozial-Betrieb umgewandelt hat und nun seine neoliberale Konzeption und Geschäftsführung Schritt für Schritt auf dem Rücken der KlientInnen und der MitarbeiterInnen durchsetzt. 

Dieter Ackermann, ein psychologischer Berater im Sozialdienst eines christlichen Trägers, der dort seit 20 Jahren seinen Beruf voller Leidenschaft ausübt und von seinen Klienten hochgeschätzt wird, verliert seinen Arbeitsplatz durch die Umwandlung seines Wohlfahrtsträgers in einen Sozial-Betrieb. Er und seine Arbeit scheinen plötzlich nicht mehr gebraucht zu werden. 

Man steckt ihn in die Planungsabteilung. Dort soll er Anträge schreiben und ausrechnen, wo der Träger Personal- und Sachkosten einsparen kann. Es geht es dem Träger nur noch darum, Gewinn zu erzielen. Die Arbeit, die die MitarbeiterInnen machen, ist ihm egal, Hauptsache es entstehen keine zu großen Kosten. Ackermann kommt es vor, als hätte man ihm den Boden unter den Füßen weggerissen. 

Mit seinen aus der Sicht des neuen Arbeitgebers veralteten und zeitaufwendigen, sprich teuren, Beratungsmethoden, rechnet sich der Lebensberater Ackermann für den Träger nicht mehr. „Das, was Sie da machen, das war gestern, Herr Ackermann. Heute weht ein anderer Wind. Da können wir uns eine solche Geldverschwendung nicht mehr leisten!“, erklären ihm seine Vorgesetzen. […] 

Der Protagonist ist Dieter Ackermann ist 52 Jahre alt. Dieter ist ein kleiner, etwas dicklicher Mann, ein wenig schüchtern, ein wenig unsicher. Er leidet noch immer unter seiner Scheidung vor 8 Jahren. Seine Bemühungen, eine neue Liebe zu finden, waren bisher nicht erfolgreich. Zu seinem Sohn besteht kaum Kontakt, da die Mutter das verhindert. Privat ist Dieter ein wenig deshalb einsam. Nur zu seinem besten Freund Werner, der als Elektriker in einer Baufirma arbeitet, hat er guten Kontakt. Seine ältere Schwester ist Hochschullehrerin in Dresden. Aber sie hat er er zum letzten Mal bei der Beerdigung seines Vaters von etlichen Jahren gesehen. Mit seiner versnobten Verwandtschaft will er nichts zu tun haben. Unter denen hat er als Jugendlicher genug gelitten.

Als psychosozialer Berater aber ist Dieter Ackermann ein ganz anderer Mensch. Er kämpft für seine KlientInnen, ist erfolgreich, selbstbewusst und beliebt bei KollegInnen und KlientInnen. Dieter liebt seinen Beruf über alles. Er ist Berater „nach der alten Schule“ und lässt sich in seiner Arbeit von neumodischen Tendenzen, die auch bei seinem Träger neuerdings immer mehr Verbreitung finden, nicht beeindrucken. Er arbeitet so, dass seien Klienten wirklich etwas davon haben. Alles andere findet er unerträglich.

Von den Kollegen steht ihm Hannes am nächsten, ein Sozialarbeiter, der dafür bekannt ist, dass er bei Missständen und Problemen mit dem Arbeitgeber den Mund nicht hält. Dieter mag ihn, obwohl er selbst eher dazu neigt, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Er selbst versucht, nicht anzuecken. Aber für seine Klientel, kann er – wenn es darauf ankommt – kämpfen.

Die kommt aus allen Schichten, und wenn es sein muss, scheut er auch nicht davor zurück, Soziale Arbeit zu machen.

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1. Begegnung mit einem Albtraum

Roman: Das war gestern, Ackermann!    

Ungeliebte Verwandtschaft

Den ganzen Tag über hatte ein feiner Sprühregen die Luft erfüllt, sodass er auf seiner Fahrt von Mühlheim nach Köln ständig den Scheibenwischer anstellen musste. Aber sobald der Regen etwas nachließ, quietschte der und zerrte an Dieters Nerven.

Er war schon gegen 8.00 Uhr losgefahren, damit er pünktlich zur Begräbnisfeier eintreffen würde. Er war froh, dass seine ältere Schwester die Organisation der Beerdigung in die Hand genommen hatte. Was ihn betraf, wurde von ihm nicht mehr verlangt, als diesen Tag einigermaßen gut hinter sich zu bringen und seine Rolle als betroffener Sohn zu aller Zufriedenheit zu erfüllen. Dennoch sah er dem Ereignis mit gemischten Gefühlen entgegen. Nicht wegen des Todes seiner Mutter. Sie hatte lange Zeit an ihrer Krankheit gelitten, und seine Schwester und er waren erleichtert, dass sie nun von ihren Leiden erlöst worden war. Ihr Tod hatte sie nicht überrascht. Aber er hätte sich gewünscht, an diesem Tag allein bei ihr zu sein, um ungestört Abschied nehmen zu können.
Was ihn heute dort erwartete, machte ihn nicht froh. Sein Gesicht verdüsterte sich, wenn er es sich nur vorstellte: All die Leute, die mehr oder weniger trauernd dabeistehen würden, die nahen und fernen Verwandten, die peinlichen Fragen, das Getuschel hinter seinem Rücken.

am Eingang zum Friedhof

Auch das Wiedersehen mit seiner Schwester Gabriele war kein Ereignis, auf das er sich freute. Er hatte sie fünf oder sechs Jahre nicht mehr gesehen, das letzte Mal bei der Beerdigung des Vaters. Sie lebte seit Langem in Dresden und war für ihn von Jahr zu Jahr mehr in ihrer Hochschule und ihren politischen Aktivitäten verschwunden. Ab und an erreichte ihn eine Mail seiner Schwester mit dem Hinweis auf eine neue Publikation von ihr. Was sie beruflich leistete und was sie schrieb, war nicht übel, doch wie sie es zur Geltung brachte, mit welcher Bedeutung und Wichtigkeit sie aufzutreten pflegte, hatte ihn schon immer genervt. Vermutlich würde sie auch heute die Gelegenheit nutzen, um ihren kleinen Bruder mit ihren Weisheiten und Ratschlägen vollzustopfen.
Der Regen hatte inzwischen aufgehört. Am Horizont zeigten sich hellblaue Flecken.

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2. Lebensberater mit Leib und Seele

Roman: Das war gestern, Ackermann!   

Ein Vormittag im Beratungszimmer

Draußen vor seinem Bürofenster entfaltete sich der Morgen von Stunde zu Stunde heller und freundlicher. Die Sonne warf einen flimmernden Lichtfleck auf die Wand hinter seiner Klientin. Nach dem gestrigen Erlebnis in Köln genoss Dieter diesen Morgen ganz besonders. Er fühlte sich in seinem Büro auf dem bequemen, aber altmodischen Sessel und in der Jeans mit dem weiten Hosenbund wie zuhause. Wie gut es tat, hier zu sitzen und zu arbeiten!

Frau Berka saß ihm gegenüber und jetzt, nach einer Zeit, in der sie nervös und unglücklich von den neusten Streitereien mit ihrem Mann berichtet hatte, schien sie sich endlich zu entspannen. Dieter bemerkte, wie sie sich bequemer hinsetzte und die Beine leicht von sich streckte. Sie lächelte ihn an. Offenbar tat ihr das Gespräch gut.

Frau Berka

„Wissen sie, Herr Ackermann: Die wenigsten Menschen in meinem Leben waren in der Lage, mich zu verstehen.  Von Eric ganz zu schweigen.  Bei Ihnen habe ich das Gefühl, dass Sie immer genau wissen, was ich meine. Das tut mir so gut! Seit ich zu Ihnen komme,  lichten sich die Wolken, die sich über mir zusammengezogen hatten immer mehr. Hierher zur Lebensberatung zu gehen, das war der beste Rat, den meine Freundin mir je gegeben hat.“
Dieter Ackermann sah seine Klientin aufmerksam und freundlich an.  
„Das ist sehr schön und ich freue mich mit ihnen darüber. Aber was ich Sie noch fragen wollte: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, sich selbst eine Arbeit zu suchen und sich auf eigene Füße zu stellen?“
Sie reagierte nicht. Sie sah durch ihn hindurch und schien mit ihren Gedanken weit weg. Er wartete.
Jetzt kam sie zu sich und sah ihn ein wenig schuldbewusst an. „Entschuldigen Sie, ich war gerade abgelenkt. Was haben Sie gefragt?“
„Ob Sie schon daran gedacht haben, sich eine Arbeit zu suchen und sich finanziell auf eigene Füße zu stellen?“
„Ehrlich gesagt, nein. Mein Mann würde das nicht wollen.“
„Aber darüber nachdenken könnten Sie trotzdem, oder?“
Sie sah überrascht auf. Dann lächelte sie ihn an und versank erneut ins Nachdenken.

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3. Marthas Töchter

Roman: Das war gestern, Ackermann!

Suses Geburtstagsfeier

Alles war fertig. Suse betrachtete voller Vorfreude den gedeckten Kaffee-Tisch. Sie hatte zur Feier des Tages ihr eigenes Geschirr herausgeholt, dessen Blumenornamente sie so liebte. Annerose fand es kitschig. Deshalb benutzten die Schwestern meist das einfache weiße Geschirr der Schwester. Aber heute war schließlich ihr 45.Geburtstag, da würde sie ja wohl das Geschirr aufdecken können, das ihr gefiel.
Suse strich mit der Handkante noch einmal eine Falte aus der gebügelten Tischdecke, zupfte an dem Blumenarrangement, das in einer gläsernen Vase den Tisch schmückte. Da fiel ihr auf, dass sie vergessen hatte, Kuchengabeln zu decken. Sofort rannte sie in die Küche.
Sie hörte, wie sich der Schlüssel im Schloss der Wohnungstür drehte. Annerose kam von ihrem Einkauf zurück. Eigentlich hatte Suse gehofft, dass auch ihre Schwester erst um 16.00 Uhr eintrudeln würde, wie ein Geburtstagsgast eben. Aber schließlich wohnte ihre Schwester hier und konnte kommen und gehen, wie und wann sie es wollte.

Suse steht am Geburtstagstisch

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4. Beruflicher und anderer Ärger

Roman: Das war gestern, Ackermann!

Sie nennen ihn Dinosaurier

Der Juli ging dahin. Dieter sah Hannes in dieser Zeit nur ein, zwei Mal von weitem. Er ging ihm bewusst aus dem Weg und Hannes schien sich mit seiner Weigerung, ihn bei der Aufdeckung der Informationen über die Aktivitäten ihres Trägers in der Nazizeit zu helfen, abgefunden zu haben. Dieter hatte genug zu tun mit seinen Klienten und allmählich vergaß er die Geschichte.

Es war schon Ende des Monats, als Dieter an einem Mittwochabend seine Sachen packte, um am nächsten Morgen zu einer Fortbildung zu fahren. Der Chef der Beratungsstelle hatte ihn gebeten, daran teilzunehmen. Dieters Begeisterung hielt sich in Grenzen. Es ging um das Thema Fallmanagement. Dieter hatte schon oft davon gehört. Diese Methode wurde in den Jobcentern praktiziert. Verrückterweise verkaufte man das Konzept als partizipative Methode der Beratung. Lächerlich, fand Dieter.

Koffer für die Dienstreise

Für die Erfinder dieser Beratungsmethode bestand die Partizipation offenbar darin, dass die Arbeitslosen an Ende des Beratungsgespräches eine Vereinbarung unterschreiben mussten, die der Berater aufgesetzt hatte. Wenn sie nicht unterschrieben, wurde ihnen das als mangelnde Kooperationsbereitschaft ausgelegt und es floss für sie kein Arbeitslosengeld. Was soll diese Methode in unserem Arbeitsfeld, der Lebensberatung, fragte sich Dieter nervös. Und warum will Friedhelm gerade mich dort hinschicken? Aber das hatte doch wohl keinen besonderen Grund, beruhigte er sich schließlich.

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5. Dieter und Suse

Roman: Das war gestern, Ackermann!

Suse

Kaum hatte er den PC eingeschaltet und das Programm angewählt, öffnete sich eine frisch eingetroffene Nachricht. Eine Frau hatte ihm geschrieben. Ihr Portrait gefiel ihm auf Anhieb. Sie sah nett und fröhlich aus und hatte nicht diesen herausfordernden Blick, den er auf den meisten anderen Fotos bemerkt hatte. Sie schrieb, dass sie sich von seinem Bild angesprochen fühlte und ihn gerne kennenlernen würde.
Was sie über sich selbst sagte, berührte etwas in ihm. Endlich mal eine Frau, die nicht vor allem ihre Selbstständigkeit wie eine Fahne vor sich her schwenkte! Und auch keine von der Sorte, die sich an jeden heranschmiss und mit ihren weiblichen Reizen auftrumpfte. Diese Frau wollte anscheinend genau das, was er auch wollte: ein glückliches, harmonisches, liebevolles Leben zu zweit.
Dass sie schrieb, sie könnte kochen, registrierte er mit Wohlwollen, betonte aber vor sich selbst, dass dieses Detail nicht den Ausschlag für seinen positiven Eindruck gegeben hätte. Er dachte ein paar Minuten nach, las noch andere Zuschriften, die ihn weniger ansprachen. Dann schrieb er dieser Suse postwendend einen netten Gruß.

Das könnte sie sein

Auf eine Antwort musste er nicht lange warten, sie traf schon nach einer halben Stunde ein. Sie freute sich, dass Dieter ihr geantwortet hatte und erzählte, dass sie vor wenigen Monaten in eine eigene Wohnung umgezogen war. Suse wohnte auch in Mülheim. Ihr Schreiben klang unkompliziert. Es hinterließ bei Dieter nicht dieses flaue Gefühl im Magen, das er so oft gespürt hatte, wenn er begonnen hatte, mit einer neuen Frau zu korrespondieren.

Sie waren sich bald einig, dass es nicht sinnvoll wäre, sich wochenlang Mails hin und her zu schicken, wo man doch ohne hin in der gleichen Stadt wohnte. Suse schlug vor, sich bald zu treffen, irgendwo in einer Pizzeria, vielleicht in der am Hessenplatz. So würden sie ja sehen, ob sie miteinander klarkämen.

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6. Bruchstellen

Roman: Das war gestern, Ackermann!

Der erste Tag bringt nichts Gutes

Als Dieter nach dem Urlaub den ersten Tag in der Beratungsstelle war, wartete ein voller Terminkalender auf ihn. Er überflog die Liste und stellte fest, dass sich Paul angekündigt hatte. Seit einem Dreivierteljahr hatte er ihn nicht mehr gesehen.

Am frühen Nachmittag kam Paul. Der steckte dieses Mal in einer ganz speziellen Krise. Seine Außerirdischen hatten seine letzte Abhandlung über den Duft der Blumen zwar wohlwollend entgegengenommen, aber sie meinten, sie hätten jetzt auch noch ganz andere Fragen.
Sie wollten wissen, warum Menschen andere Menschen töteten, warum es so was wie Kriege unter Menschen gab und warum es in menschlichen Gesellschaften immer Arme und Reiche gäbe.
„Da kenne ich mich nicht aus, Dieter. Was soll ich denen sagen? Wenn sie mit mir nicht mehr zufrieden sind, werden sie mir den Auftrag entziehen. Was soll ich dann machen?“ Er klang verzweifelt. Paul hatte beim Sprechen die ganze Zeit in die Leere gestarrt, jetzt sah er Dieter direkt an.
„Kannst du mir nicht helfen, Dieter?“, fragte er unvermittelt.“ Du weißt über so was  sicher viel besser Bescheid!“
Dieter sah Paul irritiert an. Zum ersten Mal verunsicherte Dieter das, was Paul ihm erzählte. Es war ihm klar: Er konnte diese Fragen genauso wenig beantworten wie Paul. Wer konnte das schon?


„Pass auf, Paul“, sagte er schließlich zögernd. „Versuch mal, was aufzuschreiben, einfach, was dir dazu einfällt. Und wenn du meinst, das ist nicht gut oder gut genug, dann kommst du wieder her und wir reden darüber, okay?“
Damit war Paul einverstanden und verabschiedete sich zufrieden.

Paul hat einen neuen Auftrag

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