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Juni 2009
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Archive für Juni 2009

Bewältigungsstrategie 1: “Wir müssen doch unser Brot verdienen können”

Wie bewältigen die PraktikerInnen die Zumutungen prekärer Arbeitsplätze, die unzureichenden Geld- und Zeitressourcen für ihre Arbeit und die Deprofessionalisierung, die sich überall breit macht?
Manche merken überhaupt nichts davon, weil sie es gar nicht anders kennen und einfach davon ausgehen, dass es eben so ist, wie es ist und man doch nichts daran ändern könne. Auch das ist eine Bewältigungsstrategie.

Viele aber sehen sehr wohl, welchen unsinnigen und Klienten feindlichen Einschnitten und Einschränkungen ihre Arbeit unterliegt. Aber sie wehren sich nicht, weil sie wissen, wie schnell sie durch andere MitarbeiterInnen ersetzt werden können. Es ist heute nicht ungefährlich, den Mund aufzumachen. Das ist  nicht von der Hand zu weisen und durchaus verständlich. Aber wo ist die Grenze? Wo ist der Punkt erreicht, wo man das, was einem zugemutet und abverlangt wird, nicht mehr mit seinem Gewissen  vereinbaren kann?

Der aktivierende Staat deaktiviert

Gedanken zum Bildungsstreik

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Das ist eine These, die sich eine der Arbeitsgruppen überlegt hat, die derzeit im Seminar: “Wie man in sozialpädagogische Schläuche neoliberalen Essig füllt” an dem Thema “Aktivierender Staat und Jugendarbeit”  sitzt.

Mit Genehmigung der Väter und Mütter dieses Gedankens darf ich hier zu dieser These ein wenig weiterspinnen…
Wie könnte das gemeint sein?
Aktiviert werden sollen Menschen und damit auch die Jugendlichen, sich mit aller Kraft anzustrengen, irgendwie auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.Für die Jugendlichen, mit denen Soziale Arbeit zu tun hat, ist diese Aufforderung mitunter schon deshalb problematisch, weil die Berufs- und Ausbildungschancen für sie mehr als schlecht sind. Dennoch gilt: Sie müssen sich anstrengen, es ist ihr Ding. Wenn sie es nicht schaffen, sind sie selber Schuld.
Und für die Jugend an den Hochschulen? Wir haben es vor ein paar Tagen auf der Versammlung anlässlich des “StuRa Todes” gehört: Keiner hat Zeit für so was. Alle sind bis zum Hals belastet mit dem Bachelor-Studium. Und alle müssen sich schrecklich beeilen, um auf die paar Züge aufspringen zu können, die sie nach vorne, nach oben bringen sollen. Sie haben nicht einmal die Zeit, zu schauen, wohin diese Züge eigentlich fahren.

Der aktivierende Staat richtet seine lernende Jugend ab zu Menschen, die nichts anderes mehr im Kopf haben als ihre mehr oder weniger große oder kleine Chance, doch noch den Wurstzipfel zu erreichen. Der Unterschied ist, das unsere Klienten wohl kaum mehr bekommen werden, als eben diesen Zipfel. Unsere Studierenden bekommen vielleicht (und ich wünsche es ihnen) mehr von der Wurst. Aber die Kosten dieses Runs sind auch für sie beträchtlich.

  • Deaktiviert sind sie alle: fast keiner engagiert sich mehr für etwas, was jenseits seiner Nasenspitze und jenseits dieses Wurstzipfels liegt. Warum auch, ist doch jeder für sich und sein Wohl selber verantwortlich und damit auch immer Konkurrent gegenüber allen anderen.
  • Deaktiviert heißt vor allem auch: Der aktivierende Staat entpolitisiert die Menschen: für Politik haben sie keine Zeit mehr, aber auch nicht mehr das Wissen und die Klarheit darüber, dass viele der Probleme, mit denen Menschen sich täglich herumschlagen müssen, von Menschen gemacht sind, Folge politischer Entscheidungen sind und damit auch veränderbar.
  • Deaktiviert heißt auch:  Es bleibt neben dem Run nach der Wurst so vieles am Wege liegen, für das man auch Kraft brauchen würde, für das es sich lohnt, stehen zu bleiben, nachzudenken, hinzuschauen. Die Menschen verarmen, auch unsere Studierenden. Mit Persönlichkeitsentwicklung und humanistischer Bildung hat unser Bachelor-Studiersystem nicht mehr viel zu tun.

Was können wir tun?

Seit ein paar Jahren sprechen wir

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an unserer Hochschule  in den Seminaren zur Theorie der Sozialen Arbeit über Texte zur Ökonomisierung und zum aktivierenden Staat. Besonders die Studierenden, die bereits berufstätig sind und auch die, die gerade ihr großes Praktikum absolviert haben,sind mit dieser Thematik sehr ansprechbar. Es gibt spannende Diskussionen und die Liste der Geschichten über prekäre Arbeitsplatzbedingungen, über Zeitmangel für Beratungen, über befristete Projektfinanzierungen, mit denen sich Kinderschutzeinrichtungen mühsam über Wasser halten müssen,  hören gar nicht mehr auf. Galuske (2002, 2008)  empfiehlt Reflexivitätals Gegengift für die Zumutungen der Ökonomisierung und des aktivierenden Staates an die Praxis . Dafür tun wir inzwischen einiges. Aber mit Recht fragen die Studierenden immer wieder: Was können wir tun? Gehen wir nicht unter angesichts einer Praxis, die schon lange anders tickt? Müssen wir uns nicht anpassen, weil wir von unserer Arbeit leben müssen?
Dass es vielleicht einen Sinn machen würde, nicht als Einzelne zu kämpfen, spricht sich langsam herum. Es müsste so viel besser gelingen, störrischen Widerstand zu leisten, mit Forderungen nach Fachlichkeit und professionellem Arbeit die Träger und Geldgeber zu nerven und auf Arbeitsbedingungen zu bestehen, die eine gute Soziale Arbeit erst möglich machen. Es ist erstaunlich, wie unorganisiert und unpolitisch unsere Studierenden denken und handeln. Aber jetzt wollen sie mehr wissen und sich umsehen. Was kann man tun? Mit wem kann man sich zusammen tun? Wer unterstützt Soziale Arbeit in der Öffentlichkeit?

Auf eine mail-Anfrage einer Studentin an den DBSH , die wegen Informationsmaterial  angefragt hatte, kam keine Antwort. So was ist nicht gerade ermutigend. Besonders bei Leuten, die noch nicht wissen, wie lang der Atem sein muss, wenn man politisch etwas erreichen will. Da wir als ProfessorInnen der Meinung sind, dass Informationen zu den Möglichkeiten einer gewerkschaftlichen und berufsverbandspolitischen Organisation zum Studium dazu gehören, werden wir versuchen, im kommenden Semester eine Veranstaltung zu organisieren, zu der wir entsprechende VertreterInnen eingeladen werden. Ich bin gespannt, wie dort auf meine Anfragen reagiert wird.

der Streik der Erzieherinnen geht uns alle an

Erzieherinnnen streiken weiter

Darauf haben wir so lange gewartet! Endlich gehen die Vertreterinnen sozialer Berufe auf die Straße, um für bessere Arbeitsbedingungen und die gesellschaftliche Anerkennung ihrer Arbeit zu kämpfen.

Man kann sie nur unterstützen! Hier der aktuelle Stand:

Aus:

Sozial- und Erziehungsdienst   ver.di

Tarifverhandlungen ergebnislos abgebrochen

19.06.2009

Keine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe

Die Tarifverhandlungen für die 220.000 Beschäftigten der Sozial- und Erziehungsdienste sind nach einem fünftägigen Verhandlungsmarathon am Freitagnachmittag ergebnislos abgebrochen worden. Die Arbeitgeber hätten „heute die Verhandlungsgrundlage verlassen“, erklärte der Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) Frank Bsirske. Dies würden die Beschäftigten mit weiteren Arbeitskampfmaßnahmen beantworten.

Es habe keinerlei Bereitschaft für eine höhere Anerkennung und Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe gegeben, betonte Bsirske. Die tage- und nächtelangen Verhandlungen hätten bei der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) lediglich in einem von rund 50 Tätigkeitsfeldern ein Teilangebot hervorgebracht. Dies betreffe aber nur 20 Prozent der Erzieherinnen. Dabei würden Ledige ein Plus von 0,3 Prozent erreichen, während Verheiratete ein Minus von 3,6 Prozent erleiden würden – gegen-über dem Stand von 1990. 80 Prozent der Betroffenen gingen leer aus bzw. hätten Verluste von mehr als 1.000 Euro im Jahr.

Die Verhandlungen zu einem Gesundheitsförderungstarifvertrag seien in der Substanz keinen Schritt voran gekommen, kritisierte die Gewerkschaft. ver.di will einen individuellen Anspruch der Beschäftigten auf eine Gefährdungsanalyse des Arbeitsplatzes durchsetzen. „Die Arbeitgeber wollen sich von der Steinzeit ins Mittelalter bewegen. Aber wir brauchen Regelungen für die Neuzeit“, sagte Bsirske.

Der ver.di-Vorsitzende zeigte sich „enttäuscht von der mangelnden Bereitschaft“ der VKA, zu einem tragfähigen Ergebnis zu kommen: „Dieser Konflikt entscheidet auf Jahre hinaus über die Zukunft der Kinder und damit der Gesellschaft.“

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