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6.10.2009 von m.s..
ARBEITSGRUPPE II 25.9.09
KRITIK SOZIALER ARBEIT - KRITISCHE SOZIALE ARBEIT
Von dieser, von Helga Cremer-Schäfer und Fabian Kessl moderierten, Arbeitsgruppe hatte ich mir viel versprochen. Sowohl die Redaktion der Zeitschrift Widersprüche wie der Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit interessierten mich, fand ich doch dort in den letzten Jahren immer wieder Positionen, die mir vertraut waren und die mich überzeugen konnten.
Was dann aber “über die Bühne” ging war leider aus verschiedenen Gründen eine herbe Enttäuschung. Leider.
Das Eingangsstatement von Frank Bettinger über die Lage in der Sozialen Arbeit und ihrer Wissenschaft war noch nachvollziehbar und machte für die Thematik einen Sinn.
Was die Leute da vorne dann aber im weiteren Verlauf ‘rüberbrachten war eigentlich nur eine Klage und vielleicht auch Selbstanklage: Als kritische WissenschaftlerInnen versuchen sie, im bestehenden Betrieb und im Kontext einer sich selber genügenden und dem Gesetz des “immer origineller werden Müssens” unterworfenen Wissenschaft, kritische Beiträge zur Sozialen Arbeit zu leisten und haben dabei, wie sie selber sehen, einen zwiespältigen Erfolg. Sie sprachen vom “kalten Blick” der Rationalität, den sie zwangsläufig entwickelten, von einer gewissen Gleichgültigkeit nach außen und von der “Versenkung ins Besondere”, die dieses der Wissenschaftsszene verhaftet Sein mit sich brächte. Sie beklagten diesen Zustand auf der einen Seite und klagten gleichzeitig selbstkritisch - und wie mir schien ein wenig selbstgefällig - darüber, dass sie aus diesem Elfenbeinturm gar nicht heraus könnten, ja man hatte das Gefühl, auch nicht wirklich heraus wollten. 
Und genau diesen Zustand führten die Leute auf dem Podium dann befremdend deutlich dem Publikum vor Augen, in dem sie sich hemmungslos und gedankenlos einer für viele der Anwesenden unverständlichen Fachsprache bedienten und untereinander Interna aus ihren bisherigen Diskussions- und Kooperationszusammenhängen andeuteten, die keiner verstehen konnte. Mit der Zeit bekam ich den fatalen Eindruck, dass sich vor uns Leute getroffen hatten, die oft mit einander diskutieren und heute, weil sie einmal so schön drin sind, eine ihrer Diskussionen einfach vor Publikum weiterführten, völlig selbstvergessen und selbst überschätzend, so als würden allein schon ihre Diskurse für ein interessiertes Publikum gewinnbringend sein.
Das war denn auch ziemlich frustriert und enttäuscht. Ein Teilnehmer meinte, er verstünde das alles nicht, er hätte geglaubt, hier etwas darüber zu erfahren, was kritische Soziale Arbeit sei und wie man kritischer Sozialer Arbeiter werden könne. Viele, besonders Studierenden, fühlten sich von dem Geschehen regelrecht verarscht - so zu vernehmen beim Verlassen des Saales.
Und da half es auch nichts, dass die Podiumsleute deutlich zu machen versuchten, dass - leider - die Kritik der Theorie und die der Praxis auseinander laufe und man es bisher nicht geschafft habe, diese Trennung zu überwinden. Was leider bewiesen wurde.
Nicht verstanden habe ich von vorneherein ohnehin, warum nur WissenschaftlerInnen auf dem Podium saßen und Vertreter von “Projekten und Initiativen einer kritischen Sozialen Arbeit” nicht erkennbar waren.
Das Ergebnis dieser Arbeitsgruppe ging für mich nach hinten los: Sie vermittelte weder die Notwendigkeit kritischer Sozialer Wissenschaft und Arbeit noch machte sie dafür Mut und ganz sicher machte sie darauf keine Lust.
Geschrieben in BK SozA 09 Dortm., kritischer Blick, Diskussion | 4 Kommentare »