Man hat immer wieder versucht, mich mit dem Begriff „aktivieren“, in die Enge zu treiben.“
S. in Basel erzählte mir:
„Ich habe mich immer bemüht, meine KlientInnen konkret zu unterstützen, bei ihnen Lernprozesse in Gang zu setzen, sie nicht allein zu lassen in schwierigen Situationen. Aber immer warf man mir im Team vor, ihr würde paternalistisch arbeiten, würde meine Leute unselbständig machen, weil ich ihnen angeblich alles abnähme.
Durch Ihre deutliche Unterscheidung hier beim Vortrag und in Ihrem Buch zwischen einer sozialpädagogischen Motivierung und dem, was der neoliberale Staat unter Aktivierung versteht, weiß ich endlich, dass ich völlig richtig liege und deren „Aktivieren“ nicht das ist, was ich machen will.“
Tatsächlich trifft ein solcher Vorwurf heute Sozialarbeitende ziemlich heftig. Sie wollen auf keinen Fall die Menschen bevormunden, wollen nicht „kolonialisieren“, wollen selbstverständlich Hilfe zur Selbshilfe leisten. Doch die Verherrlichung der Vorstellung, dass Klienten eigentlich alles selbst hinbekommen, wenn man es ihnen nicht abnimmt, ist nicht nur psychologisch und pädagogsch falsch. Sie erzeugt außerdem eine Situation weit entfernt von Solidarität, Unterstüzungserfahrungen und zwischenmenschlichem Miteinander. Sie proklamiert nur das autarke Individuum. Wenn die neoliberale Soziale Arbeit behauptet, sie würde durch das Aktivieren Menschen motivieren, so liegt sie falsch. Motiveren ist ein Prozess, der intrinsische Motivation fördert. Aktivieren ist ein „Schubs“ und die unmittelbare Aufforderung, sofort selbst tätig zu werden. Es funktioniert dort, wo der Betroffene bereit und in der Lage ist, sich auf der Stelle in Bewegung zu setzen. Die anderen fallen hin, stürzen, bleiben hilflos oder unwillig stehen….
Liebe Melina, ganz spontan und auf die Schnelle: Wer mein neues Buc liest, wird dort gerade zu diesem Thema viel…