Überlastungsanzeigen bleiben ohne Folgen – der Senat reagiert nicht.

Beispiel 8:

Wie die neoliberale Politik die SozialarbeiterInnen und die KlientInnen einfach im Stich lässt. Soziale Arbeit hat keine Priorität.

Bericht der Mitglieder des RSD (Regionaler Sozialer Dienst) in einem Berliner Bezirk:

„Seit vielen Jahren kämpfen wir SozialarbeiterInnen im Sozialen Dienst um mehr Stellen, um eine Änderung der Stellenbemessung, um die Besetzung frei gewordener Stellen etc. Der Staat, hier in Gestalt des Senates, sieht die Notwendigkeit trotz einer Flut von Überlastungsanzeigen und Brand-Briefen, von Streiks und Petitionen nicht. Er sieht vielmehr tatenlos und ungerührt zu, wie ausgerechnet dieser Berufsstand eine der höchsten Burnout-Quoten zu verzeichnen hat. Es scheint ihn auch nicht weiter zu stören, dass ganze Abteilungen des Allgemeinen Sozialen Dienstes zeitweilig aus Überlastung geschlossen werden müssen und die Klientel in dieser Zeit keinerlei Zugang zu Hilfen und Unterstützung hat.

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Frühe Hilfe oder doch ein heimlicher Kontrollauftrag?

Beispiel 7:

Wie die neoliberalisierte Soziale Arbeit ihre als „Prävention“ verstandene Hilfeangebote einsetzt, um potentiell gefährdende KlientInnen von vorneherein im Auge zu behalten.

Sozialarbeiterin M. P. berichtet:

„Ich mache meine Arbeit gerne und habe oft auch den Eindruck, für die jungen Familien wirklich nützlich und hilfreich zu sein. Aber heute früh gerade war da wieder so ein Fall, bei dem ich das Gefühl nicht verliere, dass ich eigentlich eine Art Spionageauftrag habe. Wenn ich hier genau protokolliere, in welchem Zustand sich die Wohnung befand, wie das Kleinkind versorgt wird, wie die Mutter mit dem Kind umgeht, dann weiß ich ja: das hier ist noch nicht ganz so, wie es eigentlich sein sollte. Aber ich denke, die Mutter hat Potentiale, sie wird es packen. Daran werden wir ja arbeiten. Dennoch liegt dann mit meinem Bericht im Amt eine Art Steckbrief vor und aus meinem Hilfeangebot ist so etwas geworden wie eine ‚Gefährder-Meldung‘. In solchen Situationen denke ich darüber nach, dieses Arbeitsfeld wieder zu verlassen.“

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Keine Hilfeangebote für Menschen, deren Probleme noch nicht eskaliert sind.

Beispiel 6:

Wie die neoliberalisierte Soziale Arbeit Hilfe verweigert, wo sie gebraucht würde.

Eine MitarbeiterIn aus der Schulsozialarbeit erzählt:

„Neulich musste ich eine Mutter bitter enttäuschen: Ich hatte sie nach etlichen Elterngesprächen endlich dazu gekriegt, dass sie bereit war, sich wegen ihrer Erziehungsprobleme mit ihrem 12jährigen Sohn Hilfe zu holen. Sammy rastet zu Hause regelmäßig aus und wird aggressiv. Die Mutter steht hilflos davor und kann ihn nicht „runterkriegen“. Er hat sogar schon nach ihr geschlagen und sie beginnt, Angst vor ihrem eigenen Kind zu haben. Ich riet ihr, sich mit ihrem Problem bei der zuständigen Sozialarbeiterin im Jugendamt zu melden. Ich habe sogar die Kollegin dort mit Einverständnis der Mutter über den Wunsch der Frau informiert.     
Aber nach einem 1. Termin im Jugendamt rief mich die Kollegin an und meinte, sie könne in der Sache leider nichts tun. Ihre Vorgesetzte hätte sie wissen lassen, es gäbe viel dringendere Fälle, in denen das Amt unbedingt etwas tun müsse, weil dort eine akute Kindeswohlgefährdung drohe. „Mit solchen Sachen müssten die Klienten doch selbst klarkommen, dafür gibts keine Hilfe,“ hätte sie gesagt.

Die Mutter von Sammy ist enttäuscht und zieht sich jetzt auch vor mir zurück.“

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Ohne aktive Mitarbeit der KlientInnen gibts für sie nichts.

Beispiel 5:

Wie die neoliberalisierte Soziale Arbeit nur die „souveränen Kunden“ bedient und mit wenig motivierter Klientel nichts zu tun haben will.

Eine Sozialarbeiterin berichtet von einer Entscheidung des Amtes über ihren Familienhelfereinsatz:
„Auch in der Jugendhilfe wird Müttern oder Vätern vorgeworfen, sie seien einfach faul. Heute haben sie (gemeint ist die Einrichtungsleitung, die AmtsleiterIn, die Wirtschaftliche Jugendhilfe etc.) eine Familienhilfe nach 1,5 Jahren beendet, weil aus ihrer Sicht der erstrebte Erfolg nicht eingetreten ist.
Es hatte lange gedauert, bis Frau M. begriff, dass die Familienhilfe nicht dazu da war, sie ständig zu kontrollieren und ihr Dinge aufzuzwingen, die ihr unsinnig vorkamen. Mehrfach hatte sie versucht, mich loszuwerden und sich zu entziehen. Sie hatte sich sogar einmal ans Amt gewendet und dort vorgetragen, dass sie keine Hilfe brauche. Erst langsam fasste sie Vertrauen und sie begann nun, von sich aus, Fragen zu stellen und Erwartungen zu äußern.

Bei der Fallbesprechung erklärte ich, dass diese Familie Zeit braucht und gerade jetzt eine Phase begonnen habe, wo zumindest die Mutter anfängt, darüber nachzudenken, was sie eigentlich gerne anders haben oder auch machen möchte. Es wäre also unsinnig, die Hilfe ausgerechnet jetzt einzustellen. Aber man stellte fest, die Frau zeige keine Mitarbeitsbereitschaft. Somit könne sie auch nicht erwarten, dass man ihr hinterherlaufe. Diese Maßnahme sei also für sie nicht geeignet. Eine andere Hilfe wird es aber nicht geben.“

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Aktivierungsideologie macht selbst vor Menschen im Altersheim nicht Halt

Beispiel 4:

Wie in der neoliberalisierten Sozialen Arbeit nicht nur unsere Klientel, sondern alle Menschen umerzogen werden sollen zu eigenverantwortlichen, aktiven, nach dem Motto: ‚Nur die Aktiven sind in dieser Gesellschaft etwas wert und damit sind sie es auch wert, in sie zu investieren‘

Eine Sozialarbeiterin erzählt von ihren Erfahrungen in einem Seniorenheim:
„Die Menschen müssen sich nach den Plänen richten, nicht die Pläne nach den Menschen. Wer bestimmte Tätigkeiten nicht im vorgegebenen Zeitraum schafft, wird ausgeschimpft und auch beschuldigt. Ein alter Mann hat 20 sec. Zeit, um selbständig mit seinem Rollator zum Speisesaal zu kommen. Schafft er das nicht, wird er ausgeschimpft und er darf nicht mehr in den Saal, kriegt sein Essen im Zimmer. 20 Sekunden sind für seinen Weg bis in den Speisesaal eingetaktet. Mehr nicht. Das ist Aktivierung im Altersheim.

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Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute – schwarz auf weiß

Ich habe eine aktuelle Fortsetzung meines „Schwarzbuch Soziale Arbeit“ geschrieben. Es hat den Titel „Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute – schwarz auf weiß“ und ist eine genaue Analyse dessen, was derzeit in der Sozialen Arbeit insbesondere in der Praxis passiert. Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute: schwarz auf weiß | SpringerLink

Schwarz auf weiß bedeutet: Im Buch wird im Detail aufgezeigt, was die Neoliberalisierung bisher schon mit unserer Profession gemacht hat. Ich wende mich gegen die übliche Vorstellung , dass das „bisschen Neoliberalismus“ doch letztlich nicht weiter verändert an dem, was wir unter Sozialer Arbeit verstehen.

Das Buch enthält eine Fülle konkreter Beispiele, die ich im Zusammenarbeit mit Berliner SozialarbeiterInnen gesammelt habe.
Diese Beispiele werde ich zum Teil auch hier im Blog gesondert veröffentlichen.

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Schuldzuweisung und Individualisierung gesellschaftlicher Problemlagen

Beispiel 3:

Wie in der neoliberalisierten Sozialen Arbeit der Spieß gegen die Klientel gedreht wird

SozialarbeiterIn K. R. erzählt:

„Frau Bergmann hat vor einigen Wochen ihre Arbeit verloren.
Die Firma, bei der sie seit 7 Jahren als Chemielaborantin tätig war, hat aus „betriebsbedingten Gründen“ die Hälfte des Personals entlassen.         
Nun sitzt sie im Jobcenter und hofft, so eine neue Anstellung zu finden. Gefragt nach den Gründen ihrer Entlassung, schildert sie den Vorgang und äußert ihren Ärger darüber, dass man sie trotz ihrer langjährigen Firmenzugehörigkeit entlassen hat.
„Frau Bergmann“, äußert da ihr Fallmanager, „das sehen Sie aber ganz falsch. Überlegen Sie lieber einmal, woran es liegen könnte? Was haben Sie falsch gemacht, was hätten sie tun müssen, damit man sie behalten hätte? Haben Sie zu viele Tage gefehlt? Haben Sie auch nach 7 Jahren noch den nötigen Elan gezeigt? Haben Sie sich vielleicht im Kollegenkreis unbeliebt gemacht?“ Auf die verärgerte Reaktion von Frau Bergmann, sie sei doch wohl nicht schuld daran, dass es diese Entlassungen gab, meinte der Fallmanager nur: „Überlegen Sie lieber mal, was Sie in Zukunft besser machen können. Es liegt doch zuallererst an Ihnen, ob Sie Erfolg haben im Job!“

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Nur der Klient bekommt den Zuschlag, für den sich die Investition lohnt.

Beispiel 2

Wie in der neoliberalisierten Sozialen Arbeit die belohnt werden, die schon ziemlich fit sind und die im Stich gelassen werden, um die es in der Sozialen Arbeit eigentlich gehen müsste

Eine Jugendberufshelferin soll mit ihren 20 jugendlichen KlientInnen einen Kurs mit 10 Plätzen füllen. Sie geht ihre „Leute“ durch und entscheidet sich für diejenigen, die aus ihrer Sicht einen Kurs dieser Art besonders gut gebrauchen könnten, schon allein, weil es ihr Selbstbewusstsein stärken würde. Aber sie erhält die Anweisung, diese 10 Plätze an die Jugendlichen zu vergeben, die am ehesten erwarten lassen, dass sie erfolgreich bestehen. Nur in sie würde die Investition lohnen. Betriebswirtschaftlich konsequent gedacht.

Aber sozialpädagogisch? Müsste Soziale Arbeit sich nicht gerade für die einsetzen, die sich angeblich nicht lohnen, die aber dringend der Unterstützung bedürfen?

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Es ist noch viel schlimmer, … Beispiel 1 Arbeit in der Drogenszene

Mein Buch wird nun erst am 18. 8. erscheinen. In der Zwischenzeit habe ich immer wieder Kontakte mit praktizierenden SozialarbeiterInnen, die mir aus Ihrer Praxis erzählen.
Das ist für mich wichtig, denn je länger ich warte, eh mein Buch da ist und ich an den Reaktionen sehen kann, ob ich den Nagel auf den Kopf getroffen habe, frage ich mich immer wieder mal, ob ich die Lage nicht doch zu düster sehe, ob ich der Gegenwart nicht Unrecht getan habe und ob ich vielleicht doch die falsche Brille aufhatte beim Schreiben.

Aber was mir erzählt wird von Leuten aus der Praxis, die um das Anliegen meines Buches wissen, das zieht mir mitunter die Schuhe aus und macht mir immer wieder deutlich, dass es bitter nötig ist, endlich klar zu sagen, was in der Sozialen Arbeit heute passiert, bzw. was nicht mehr passiert. Und es stärkt meinen Eindruck, dass es ungemein wichtig ist, dass jemand dem Ganzen den Spiegel vorhält und die Potemkinschen Dörfer mal kurz zur Seite schiebt. Wir sind es unserer Profession Soziale Arbeit schuldig, sie nicht im neoliberalen Sparklüngel und in der Vermarktlichung verkommen zu lassen, wo einzig zählt, dass möglichst wenig Geld ausgegeben wird und nicht mehr ernsthaft reflektiert wird, wofür dieses Geld ausgegeben wird und warum es erforderlich ist – und wo aus einer Unterstützung von Menschen immer mehr eine reine „Sachbearbeitung“ geworden ist.

Aus diesem Grund werde ich vor ab einige der Praxisbeispiele hier veröffentlichen, die ich auch in meinem Buch zur Veranschaulichung verwendet habe. Zum Teil wurden die Beispiele im Rahmen der Befragung angeführt (über die hier in diesem Blog berichtet wurde). Zum Teil sind es Beispiele, die mir im Kontakt mit PraktikerInnen berichtet wurden.

Ich denke, dass diese konkreten Erfahrungen und erlebten Widersprüche schon einmal deutlich machen können, worum es in meinem Buch gehen wird.

Um die berichtenden SozialarbeiterInnen zu schützen, werde ich auch in den Fällen, wo ich die Namen kenne, diese nicht preisgeben und die Beispiele weitgehend anonymisiert weitergeben.

Beispiel 1: Spezialisierung statt Allzuständigkeit

Wie die neoliberalisierte Soziale Arbeit die Lebenswelt ihrer Klientel zerstückelt und damit ihre eigentliche Chance und ihr Alleinstellungsmerkmal verrät

Ein Streetworker und Drogenberater (34, männlich) viele Jahre Berufserfahrung, erzählt:
Das Angebot an unsere KlientInnen auf dem Kotti müsste eigentlich lauten„Hey du, ich bin Sozialarbeiter. Kann man dich unterstützen, brauchst du einen Sozialarbeiter? Mein Schwerpunkt liegt auf ***, aber als Sozialarbeiter stehe ich zur Verfügung, um dir zu helfen, egal was los ist. Wenn du also irgendwelche Sorgen hast, lass es mich wissen, und wir können gemeinsam schauen, wie wir deine Situation verbessern können.“
In der Praxis muss es inzwischen aber heißen:
„Wenn du aufenthaltsrechtliche Probleme hast, geh zu den Kollegen der AWO oder nach Kreuzberg zur KUB .“
„Hast du keine Unterkunft? Die Soziale Wohnhilfe hier in Mitte kann leider nichts für dich tun. Weil du im Oktober geboren bist, müsstest du nach Mahrzahn.„Wenn du suchtspezifische Hilfen wie Therapie, Entzug oder psychosoziale Betreuung erhalten möchtest, wende dich an die Drogenberatung usw.“


1 Kottbusser Tor ist die Bezeichnung für eine platzartige Straßenkreuzung und einen U-Bahnhof im Berliner Ortsteil Kreuzberg (Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg). Der Kiez rund um das Kottbusser Tor in Kreuzberg entwickelt sich immer mehr zum Drogen-Hotspot.

2 Kontakt- u. Beratungsstelle

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Seit gut 10 Jahren spielen in der Jugendhilfe die Kosten die Hauptrolle, nicht etwa die Erfordernisse für die Klientel

  • Eine inzwischen in Rente lebende ehemalige Sozialarbeiterin1, die viele Jahre in der Jugendhilfe und speziell Erziehungshilfe tätig war, äußert sich so:

„Ich habe zuerst in der damaligen Familienfürsorge bei der Stadt X. angefangen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch sehr viele Möglichkeiten, unsere Arbeit kreativ zu gestalten und waren im engen Kontakt mit den Familien. Außerdem waren viele Kolleg*innen gewerkschaftlich organisiert, sodass auch ein guter Zusammenhalt untereinander vorhanden war. 1993 bin ich dann zum Jugendamt in den Bereich der Hilfe zur Erziehung gewechselt und nach einer Umorganisation in unserem Jugendamt 1998 eine Bezirksleitung übernommen. Zwar ging damals schon die Diskussion um die Kosten der Hilfegewährungen los, aber letztendlich war die sozialpädagogische Auffassung maßgebend. Dieses Verhältnis hat sich dann aber in den letzten 20 Jahren peu à peu verkehrt und seit mindestens 10 Jahren spielen in erster Linie Kosten und Aufblähung der Verwaltungstätigkeiten eine Rolle (und natürlich Absicherung der Vorgesetzten bei Kindeswohlgefährdungen). In meiner Leitungsfunktion galt ich bei meinen Vorgesetzten als unbequem und lästig, in meinem Team war es allerdings völlig anders. Aber die Arbeitsanforderungen haben mich aufgefressen, sodass ich irgendwann mit Burnout ausgefallen bin, sodass ich längere Zeit krank war. Und diese Gelegenheit nutzen die Leitungskräfte natürlich, um mich aus der vorherigen Funktion zu entfernen. Für mich wurde eine neue Stelle geschaffen mit der Aufgabe, Kolleg*innen fachlich in der Fallarbeit zu unterstützen und zu begleiten. Das wurde insgesamt gut angenommen, machte mir Spaß und ich nutzte die Gelegenheit, um in den Gesprächen die Absurdität der praktizierten Verwaltungsverfahren immer wieder zu thematisieren, stellte jedoch fest, dass die Kolleg*innen die Hoffnung auf Veränderung innerhalb der Verwaltung nicht mehr haben und auch nicht dafür kämpfen, sondern sich recht schnell einen anderen Arbeitsplatz suchen.“

  1. Um meine Kontakte zu schützen, kann ich keine Namen angeben und muss die Aussagen anonymisieren. ↩︎

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