Was machen SozialarbeiterInnen anders als Laien?

Frage eines Zuhörers:

Und inwiefern unterscheidet sich die Praxis von Sozialarbeitenden von Care-Arbeit, wie sie beispielsweise in Familien oder Freundeskreisen geleistet wird?  Was ist das Spezifische an Sozialer Arbeit?  

Man könnte jetzt einfach sagen: dass hier Care-Arbeit professionell ausgeübt wird.  

Aber ich will das etwas genauer beschreiben:    

  • Laien verfügen in der Regel weder über den wissenschaftlichen und empirischen Hintergrund, noch haben sie die Voraussetzung, die Sachlage einer sozialen Lebenswelt-Problematik auf diesem Hintergrund angemessen und differenziert zu analysieren.
  • Darüber hinaus sind sie nicht geschult in der Entwicklung von Handlungsstrategien, die auf der Basis einer Fülle von vielen alternativen Möglichkeiten gezielt und für den Fall passgenau herausgefiltert werden.  
  • Professionelle SozialarbeiterInnen verfügen über viele unterschiedliche methodische Möglichkeiten und Kompetenzen und ihre Methodenwahl kann gezielt und passgenau erfolgen und ist nicht dadurch begrenzt, was jemand zufällig kennt oder beherrscht.
  • Sie verfügen außerdem über Vermittlungswissen in einem umfassenden und vertieften Maße das über „ich kenne da jemand“ weit hinausgeht.
  • Sie verfügen über ein Wissen zu rechtlichen Fragen und Zusammenhängen, dass in diesem Umfang und in dieser Breite bei Laien in der Regel nicht vorausgesetzt werden kann.

Und schließlich auch, – und das darf man nicht vergessen – handelt die professionelle SozialarbeiterIn immer auch im gesellschaftlichen Auftrage des Staates und unter Berücksichtigung seiner Gesetze und Regelungen muss – wenn auch nicht selten im Widerspruch zu ihnen.

Das hat Konsequenzen für ihre Rolle im Umgang mit der KlientIn:

Professionelle Soziale Arbeit –

  • ist nicht abhängig ist von Sympathie oder Antipathie, von Gegenleistungen jedweder Art, von persönlichen Verpflichtungen, sondern sie ist quasi einklagbar ist als gesellschaftlich verbrieftes Anrecht.
  • ist in der Lage, im Rahmen der professionellen Beziehungsarbeit einen emotionalen empathischen Zugang und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, bleibt aber durch ihre professionelle Distanz gleichzeitig davor bewahrt bleibt, im System des zu Beratenden zu verschwinden oder gebunden zu werden.
  • Damit ist sie nicht in der Rolle der Freundin und auch nicht in der Rolle der Anwältin, sondern – entsprechend ihrer Aufgabe – in der Rolle einer solidarischen Unterstützerin.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede studierte SozialarbeiterIn arbeitet automatisch professionell arbeitet. Das ist nur dann der Fall, wenn sie in ihrer Praxis die eben beschriebenen Qualitäten und Verhaltensweisen umsetzt.
Das Studium müsste allerdings die Grundlage dafür legen, dass eine SozialarbeiterIn genau so arbeiten kann und sich weiter in dieser Richtung qualifiziert.

Bestimmte Verhaltensweisen zum Beispiel stellen die Professionalität infrage:
Wenn sie sich auf die Rolle der Freundin, des Taxisfahrers etc. einlässt oder quasi zum Familienmitglied wird.
Wenn sie kein empathisches Verhalten umsetzen kann, vielleicht, weil sie Antipathie empfindet oder die KlientIn innerlich verurteilt.
Wenn sie die professionelle Distanz aufgibt und sich quasi anwaltlich bedingungenlos auf die Seite der Klientin stellt.
Wenn sie ihre Bindung an das staatliche Mandat verschweigt oder vertuscht, um das Vertrauen nicht zu verlieren.

Aber auch die äußeren Umstände und die Arbeisbedingungen, unter denen eine professionelle SozialarbeiterIn ihre Arbeit ausüben muss, kann ihre Professionalität infrage stellen. Professionelle Soziale Arbeit braucht Rahmenbedingungen, u.a. die Möglichkeit, methodenoffen, zieloffen und Ergebnisoffen an ihre Aufgabe heranzugehen und sie braucht die für den sozialpädagogischen Prozess erforderlichen Zeitkontingente.

Über m.s.

Ich war 18 Jahre Professorin für Soziale Arbeit an der FH Jena (Methoden, Hilfen zur Erziehung, Schulsozialarbeit). Davor war ich 18 Jahre in der Praxis. Studiert habe ich Psychologie in Münster und Soziale Arbeit in Frankfurt a.M. Bücher: Schwarzbuch Soziale Arbeit Engaging Hilfe zur Erziehung zwischen Professionalität und Kindeswohl Das kann ich nicht mehr verantworten Ambulante Hilfe zur Erziehung und Sozialraumorientierung
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