Mir flattert ein neuer Text von Meyer und Alsago auf den Schreibtisch, der mit klaren Worten und guten Argumenten die grundlegenden Veränderungen der Sozialpolitik in diesem Lande nachzeichnet, die sich hinter den Sparplänen der gegenwärtigen Regierung verbergen.
Es geht nicht nur darum, möglichst Geld einzusparen. Es geht darum, die Rolle des Sozialen , des Sozialstaates, der gesellschaftlichen Verantwortung für Menschen, die in dieser Gesellschaft mit Probeme und Ungleichheiten zu kämpfen haben, vollständig auf den Kopf zu stellen.
Die AutorInnen stellen folgende Entwicklungstendenzen im gesamten sozialen Bereich fest (und natürlich auch in der Sozialen Arbeit und speziell in der Jugendhilfe):
- von der Unterstützung zur Kontrolle
- vom Sozialen Angebot zum reinen Kostenfaktor
- von der pädagogischen Beziehung zur bloßen Intervention, die primär auf Gefahrenabwehr und Kontrolle zielt
- von der professionellen Nähe zur reinen Distanz
- von der pädagogischen Zuständigkeit zur sicherheitslogischen Intervention
- von der Stärkung professioneller Arbeit zu mehr Kontrolle und Ordnung
Sie konstatieren, dass die Grenze zwischen Hilfe und Kontrolle immer mehr verwischt.
Sie kritisieren die Tendenz, die fachlichen Qualifikationsanforderungen zu öffen, indem sie den Quereinstieg politisch forcieren.
Und sie kommen zu der Schlussfolgerung:
„Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der politischen Rolle Sozialer rbiet neu. Si ist nich nur Ausführunginstanz, sondern Teil öffentlicher Aushandlungsprozesse darüber, wie Gesellschaft mit Ungleichheit, Konflikten und Verletzbarkeiten umgeht.“ (Meyer und Alsago, 2026, S. 8).
Die AutorInnen sind der Meinung, dass die SozialarbeiterInnen damit vor einer Entscheidung stehen, die „nicht delegierbar“ ist. Sie können und müssen sich entscheiden, ob sie „Erfüllungsgehilfen “ eben dieser autoritären Politik sein möchten oder aber bereit sind „öffentlich zu widersprechen“.
Es ist für mich ein Vergnügen und eine große Genugtung, auf KollegInnen zu stoßen, die das gleiche Anliegen haben, dieselben Entwicklungen und Gefahren für unsere Gesellschaft und unsere Profession identifizieren und zu den gleichen Schlussfolgerungen und Forderungen kommen wie man oder frau selbst. In meinem Buch „Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute – schwarz auf weiß“ sind alle diese Punkte ebenfalls entwickelt und mit vielen Beispielen aus der Praxis belegt worden. Es tut sich was …
Liebe Mechthild Seithe, vielen Dank für die Veröffentlichung unseres Offenen Briefes und auch den Kommentar/die Ergänzung! Der Offene Brief steht…