Schwarzbuch bedeutet nicht schwarzsehen

Gestern 4 Stunden mit einer Kollegin aus Berlin diskutiert: wie könnte es weitergehen?

Wir waren uns einig, dass mein Buch erst einmal nur eine ziemlich umfassende und kanllharte Analyse der gegenwärtigen Verhältnisse in der Sozialen Arbeit ist, nicht mehr und nicht weniger.
Es gibt viel Zuspruch, immer wieder Stimmen, die ihre Freude und Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, dass da mal jemand wirklich die Wahrheit ausspricht.
Ich weiß aber auch: viele  empfinden diese Analyse auch als bedrückend, als Belastung, die es ihnen möglicherweise schwer maen könnte, weiter an ihrem Beruf Freude zu finden. Manche möchten das alles gar nicht so genau wissen und scheuen sich davor, die Wirklichkeit ungeschminkt sehen zu müssen. Sie sind froh, wenn es ihnen gelingt, dort wo sie stehen, in der gegenwärtigen Situation dennoch das Eine oder das Andere für ihre Klientel erreicht zu haben. Der Blick auf die gesamte Misere, verdirbt ihnen ihre Zufriedenheit?

Mein Schwarzbuch will nicht die Botschaft vermitteln, dass alles sinnlos geworden ist! Die Analyse dieses Buches ernst nehmen, bedeutet nicht: schwarzsehen, pessimistisch sein, resignieren, aufgeben.
Es geht nicht darum, bei der Beschreibung der Mißstände stehen zu bleiben. Der Analyse im Schwarzbuch sollten vielmehr  reale Handlungsschritte folgen:
gemeinsame Überlegungen, wie man sich verhalten, was man tun kann, welche Strategien zu erarbeiten wären, um der gegenwärtigen Entwicklung etwas entgegenzusetzen.
Die Analyse soll vor allem dabei helfen, dass wir uns aufraffen und eine Soziale Arbeit, wie sie unseren professionellen und ethischen Vorstellungen entspricht, neu gestalten und gesellschaftlich einfordern, im alltäglichen Kleinkrieg am Arbeitsplatz wie im gesellschaftlichen Diskurs.
Dazu gehört wohl auch, dass man sich daran machen muss, Soziale Arbeit und ihre sozialpädagogische Konzeption heute – in Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des aktivierenden Staates und der neosozialen Ideologie – neu zu  sehen, neu zu denken, neu zu bestimmen und die Ergebnisse und Forderungen offensiv ins Feld zu führen.

Über m.s.

Ich war 18 Jahre Professorin für Soziale Arbeit an der FH Jena (Methoden, Hilfen zur Erziehung, Schulsozialarbeit). Davor war ich 18 Jahre in der Praxis. Studiert habe ich Psychologie in Münster und Soziale Arbeit in Frankfurt a.M. Bücher: Schwarzbuch Soziale Arbeit Engaging Hilfe zur Erziehung zwischen Professionalität und Kindeswohl Das kann ich nicht mehr verantworten Ambulante Hilfe zur Erziehung und Sozialraumorientierung
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