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Dezember 2010
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Archive für Dezember 2010

Bericht 3. DiskussionsCafé

„Perspektive für SozialpädagogInnen – unter Wert verkaufen oder gleich Hartz IV“. Dies war das Thema des letzten Diskussionscafés, zu dem sich wieder Studenten in der FH Jena getroffen haben.

Die Entwicklung der Sozialen Arbeit ist in den letzten Jahren von höchst widersprüchlichen Entwicklungen gekennzeichnet. Auf der einen Seite kann ein hohes quantitatives Wachstum an Erwerbstätigen festgestellt werden, auf der anderen Seite verzeichnen verschiedene Arbeitsfelder massive Einbrüche. Die Zahl der Teilzeit- und befristeten Arbeitsverhältnisse steigt, immer mehr Tätigkeiten werden an unter prekären Bedingungen tätige „Selbständige“ ausgelagert und überall sind Bemühungen erkennbar, das Qualifikationsniveau der Beschäftigten abzusenken, um niedrigere Gehälter bezahlen zu können.

Durch befristete Arbeitsverträge entsteht jedoch eine Unsicherheit für den Arbeitnehmer, welche sich negativ auf seine Arbeit auswirken kann. Auch ein langfristiger Vertrauensaufbau zum Klienten ist in einem begrenzten Zeitraum schwer möglich. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer wirkungslosen Sozialen Arbeit führen, aus der keine positiven Effekte hervorgehen können. Häufig versuchen SozialarbeiterInnen doch noch das Beste aus der Situation zu machen, opfern sich für ihren Beruf und ihre Klienten auf und versuchen sich unentbehrlich zu machen. Letztendlich auch in der Hoffnung ihr Arbeitsverhältnis würde dadurch verlängert werden.

Auch Teilzeitstellen scheinen einen Boom zu erleben, obwohl die anfallende Arbeit nur mit Vollzeitstellen gedeckt werden könnte. In der Folge führt dies dazu, dass viele Teilzeitkräfte mehr arbeiten, was oftmals durch den Arbeitgeber schon eingeplant wird. Hier ist vor allem das Selbstbewusstsein der SozialarbeiterInnen gefragt, auf solche Missstände aufmerksam zu machen und dem Arbeitgeber darzulegen, dass eine wirkungsvolle Soziale Arbeit nur unter bestimmten (dies meint nicht nur zeitliche) Voraussetzungen möglich ist. Das heißt aktiv gegen Ausbeutungsmechanismen vorzugehen – nicht allein, sondern gemeinsam mit Kollegen.

Die Frage nach der Vergütung in der Sozialen Arbeit war eine weitere Diskussionsgrundlage des Treffens. Persönliche Erfahrungen der Diskussionsteilnehmer zeigten, dass klientenferne Tätigkeiten in der Praxis besser bezahlt werden als die Jobs, die näher am Klienten sind. Dies fördert nicht nur eine Zwei-Klassen Sozialarbeit, sondern führt auch zu einer Geringschätzung derer, die mit der schwierigsten Klientel arbeiten.

Laut Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezieht ein staatlich anerkannter Sozialarbeiter für eine Vollzeitstelle 2300 € brutto im Monat. Doch gerade Freie Träger haben oft eigene Haustarife, was auch eine geringere Vergütung bedeutet. In Thüringen liegt somit der durchschnittliche Bruttolohn eines Sozialarbeiters bei 1500 €. Zu Recht stellten sich hier die Diskussionsteilnehmer die Frage, ob dieser Lohn nach einem vierjährigen Hochschulstudium gerechtfertigt ist? Gerade in Bewerbungsgesprächen scheuen sich die meisten Bewerber den Punkt Vergütung anzusprechen, geschweige denn zu verhandeln. Doch die Gefahr in eine „Gehalts-Abwärtsspirale“ zu geraten ist groß und wirkt sich schließlich auch auf das gesamte Berufsfeld aus. Doch gerade im Bewerbungsgespräch kann und sollte man sich nicht unter Wert verkaufen und deutlich machen wo die eigenen Stärken liegen und welche Erfahrungen man hat. Arbeitgeber, die qualifizierte Kräfte brauchen, werden diese auch entsprechend bezahlen. Aushandlungsprozesse gibt es nicht nur in der Arbeit mit den Klienten. Warum nicht also auch im Bewerbungsgespräch?

Wie sich im Laufe der Diskussion herausstellte, war der Aspekt Geld nicht das einzige ausschlaggebende Kriterium eine Stelle anzunehmen. Vielmehr standen ein sicheres Arbeitsverhältnis und ein gutes Betriebsklima im Vordergrund. Die Diskussionsteilnehmer waren sich darüber einig, dass gute Soziale Arbeit nur geleistet werden kann, wenn Sicherheit bei den SozialarbeiterInnen besteht und ein gutes Miteinander im Team gegeben ist. Vor allem die Anerkennung der geleisteten Arbeit ist Motivation eine Tätigkeit langfristig auszuüben.

Bei all den Schwierigkeiten, die in der Praxis auftauchen, ist es nicht verwunderlich, dass viele Studenten Angst haben nach ihrem Studium keine Arbeit zu finden, oder auch in prekären Arbeitsverhältnissen zu landen. In der Diskussion bemerkten einige Teilnehmer, dass sie weniger gut bezahlte Jobs annehmen würden, um überhaupt Arbeit zu haben. Doch ist diese Angst der Studenten tatsächlich begründet? Aus den Zahlen der Agentur für Arbeit geht hervor, dass ein sehr großer Bedarf an SozialarbeiterInnen besteht. Viele Arbeitnehmer sind älter als 45 Jahre, so dass auch in Zukunft junge SozialarbeiterInnen gefragt sind. Weiterhin zeigt sich, dass drei Viertel der FH-Absolventen nach spätestens einem Jahr einen Arbeitsplatz vorweisen konnten. Jedoch sollte man sich bewusst sein, dass zwei Drittel der Stellen im Sozialen Bereich bundesweit nicht ausgeschrieben sind. Es ist also sehr hilfreich sich frühzeitig zu vernetzen und während des Studiums/Praktikums Kontakte zu knüpfen. Viele Studenten bekommen auf diese Weise ihren Berufseinstieg. Die Angst keine Stelle zu bekommen ist also unbegründet. Legt man diese Angst jedoch nicht ab, führt das schnell dazu prekäre Beschäftigungsverhältnisse anzunehmen und fördert somit Ausbeutung und sinkende Löhne.

Während der Diskussion wurde bei den Studenten deutlich, dass ein großer Bedarf an Aufklärungsarbeit bzgl. hochschulinterner Gremien, Berufsverbände, Tarifverträge, Arbeitsrecht etc. besteht. Vor allem auch der Aufbau einer Berufsidentität und Möglichkeiten der Mitbestimmung scheinen von großer Bedeutung zu sein, jedoch fehlt es auch hier an Transparenz und Informationen. An dieser Stelle sind insbesondere die Hochschulen und Professoren gefragt die nötigen Informationen frühzeitig zu vermitteln. Nur so können die Studenten von Beginn an sensibilisiert und informiert werden. Als eine gute Möglichkeit bietet sich das Mentoring an, welches dafür genutzt werden könnte. Dies kann letztlich nicht nur die Identitätsbildung des Einzelnen außerhalb der Fachhochschule, sondern auch der Profession Soziale Arbeit im Ganzen stärken.

Besuch bei der AKS in Dresden

Die AKS in Dresden hatte mich vor einigen Wochen im tiefen Schnee zu einer Veranstaltung ihrer Gruppe in die ev. FH Dresden eingeladen.

Es war für mich und die mit mir zusammen angereiste Studentin ein beeindruckendes Erlebnis.
Das Thema des Abends: Soziale Arbeit in einer kapitalistischen Gesellschaft. Ein schwarzer Blick“ hätte erwarten lassen können,  dass hier ein paar kritische Leute unter sich zusammen sitzen und ihre Wunden lecken.
Dem war ganz und gar nicht nicht so! Immerhin kamen über 50 Leute, Stühle mussten aus den Nebenräumen herein geschafft werden. Die Atmosphäre war solidarisch, gemütlich und gleichzeitig hell wach. Die Diskussion verlief lebhaft und bunt. Die Gruppe war sich durchaus nicht in allem Punkten einig. Aber alle Positionen wurden vorgetragen und miteinander diskutiert.Ich danke an dieser Stelle den Veranstaltern noch einma, dass ich diese Gelegeheit bekommen habe und mit diesem ermutigenden Eindruck wieder nach Hauzse feahren konnte!

Ich war im Kontext meines Schwarzbuches eingeladen worden. Der Veranstalter hatte mir im Vorfeld vier Fragen zugesandt, zu denen ich möglichst etwas sagen sollte. Dazu bin ich an diesem Abend nur in Ansätzen gekommen, denn es war viel wichtiger, dass die Teilnehmer sich äußerten und mit einander ins Gespräch kamen!

Dennoch möchte ich diese Fragen nicht einfach im Raume stehen lassen und werde mich deshalb hier im Blog dazu äußern.

zu Frage 1. Wie sieht heute moderne Sozialarbeit aus?

Modern im Sinne der herrschenden neosozialen Vorstellungen bedeutet: Erziehung und Verhaltensstraining für die einen und Verwalten und Sanktionieren für die anderen. Das heißt, voraussichtliche Versager herausfiltern….

Modern im Sinne einer heutigen, fachlich autonomen und ethisch an sozialer Gerichtigkeit ausgerichteter Sozialen Arbeit bedeutet für mich deshalb zwangsläufig: Sich gegen diese Einschränkungen wehren und die Begrenzung nicht akzeptieren, sich offensiv gegen die Teilung der Gesellschaft in erfolgversprechende und damit wertvolle und keinen Erfolg versprechende und damit wertlose Menchen aussprechen und dagegen anzuarbeiten, diese selektive Investition in Menschen als Weg brandmarken, der sozialdarwinistische Tendenzen aufweist und vielmehr die gesellschaftlichen Ursachen von individuellen Problemen deutlich aufzeigen und anprangern.

zu Frage 2. Was ist die Aufgabe kritischer Sozialarbeit heute?

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Man kann im Kleinen in glücklichen Inseln der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit noch gute Arbeit für Klienten machen. Aber man stößt auch hier bald an Grenzen! Moderne Sozialarbeit in diesem Sinn kann deshalb nur offensive Gegenwehr heißen! Das wäre also aus meiner Sicht die Aufgabe kritischer Sozialer Arbeit .

zu Frage 3. Was darf eine kritische Soziale Arbeit auf keinen Fall mitmachen? Wo liegen die Grenzen?

Soziale Arbeit muss in der Lage sein, bei ihrer Arbeit im Sinne der sozialpädagogischen Fachlichkeit vorzugehen (Ergebnis offen, Methoden offen). Dafür braucht sie z.B. entsprechende Zeitkontingente. Sie sollte sensibel sein für Prozesse, in denen Partizipation zum Formalismus oder gar zu einer Bringeschuld der Klienten wird.

Sie mus von ihrer wissenschaftlich und ethisch geleiteten autonomen Fachlichkeit ausgehen und sollte bei Aufgaben mißtrauisch sein, bei denen von einer fachfremden Instanz Wege und Ziele vorgegeben sind (z.B. Fallmanagement).

Soziale Arbeit sollte sich verweigern, wenn es darum geht, Menschen abzustempeln, zu sanktionieren auszusondern, abzuqualifizieren und ihnen für ihre Probleme im Sinne einer angeblichen Eigenverantwortung Schuld zu zu weisen.
Sie sollte sich Sanktionen und Methoden die Druck und Überredung anwenden verweigern.
Soziale Arbeit sollte sich keinen persönlichen oder strukturellen prekären Arbeitsbedingungen beugen (z.B. Stellen annehmen mit Unterbezahlung).

Aber all das, solche und andere Zumutungen sollte man nicht im Stillen bekämpfen sondern gelichzeitg öffentlich skandalisieren!

zu Frage 4. Bedeutet die aktuelle Aktivierungspolitik  für die Soziale Arbei ein Dilemma?

Ich denke ja, ein Dilemma insofern, als man sie weder ignorieren noch umgehen kann.
Wenn Soziale Arbeit sich nicht dagegen wendet, nicht deren eigentliche Ziele aufdeckt und anprangert, wird sie unweigerlich mit in diesen neosozialen Sog hineingezogen und reproduziert selber die Aktivierungspolitik.

 

zu Weihnachten ein paar Leute mit verräterischen Mützen

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Leider fehlt das Schaf “Soziales” in dieser Karikatur, aber das ist vielleicht schon  geschlachtet und zum Ausbluten aufgehängt?

Danke und erholsame Tage!

wintergruss-web.jpg     Ich nutze die Sitte, zu Weihnachten alle zu grüßen, die einem am Herzen liegen, um den LeserInnen dieses Blogs zu danken und gleichzeitig anzuregen, dass Sie sich auch mal selber per Kommentar einzubringen und z.B. von den alltäglichen Skandalen in unserer Arbeit, vor allem aber auch von gelungenen Versuchen, sich zu wehren, berichten und Einlass in unser “Spinnennetz” einzufordern.

Denjenigen, die mir wegen meines Schwarzbuches begeistert und kritisch geschrieben haben, gilt mein besonderer Dank. Ich freue mich über die Maßen darüber, dass dieses Buch offenbar etwas geschafft hat, was ich mir so gewünscht habe:
“Es ist so vieles darin gebündelt und in Worte gefasst, was mir in den vergangenen ca. 5 Jahren begegnet ist und mir zunehmend ein ungutes bis beängstigendes Gefühl gemacht hat,” so schrieb z.B. gestern ein Leser.

Ein gutes neues Jahr wünsche ich allen, die bereit sind, nicht mehr wegzuhören und sich etwas vorzumachen.
Deshalb schon heute eine Vorankündigung in eigener Sache:
Ich plane mit einer Sozialarbeiterin aus Berlin zusammen für den 17. und 18. Juni 2011 eine Tagung: “aufstehen, widersetzen, einmischen” - gemeinsame Wege aus der neosozialen Falle” in Berlin
Die Tagung soll vor allem den TeilnehmerInnen Gelegenheit geben zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion gemeinsamer Wege nach vorne.
Mehr Informationen kommen.

20 Jahre KJHG - ein Grund zum Feiern?

Letzte Woche war ich auf Einladung der AGJF Sachsen (Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten Sachsen) zu einer Tagung in Grimma.

Hier wurde des Jubiläums unseres KJHGs, oder wie man heute nur noch zu sagen pflegt, des SGB VIII, gedacht. Die Zuhörerinnen waren sich mit der Mehrheit der Vortragenden einschließlich mir einig, dass wir keinen wirklichen Grund haben, zu feiern.

Die Tagung stand unter folgender Fragestellung:
„Das KJHG, heute SGB VIII, eröffnet vielfältige sowie moderne, auf Entfaltung und Prävention ausgerichtete Handlungsmöglichkeiten für die Aufgaben und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. So sind 1990 die Macher des KJHG angetreten um soziale und individuelle Frage- und Problemstellungen bewältigen zu können. Nach 20 Jahren Wirksamkeit dieser Gesetzgrundlage in den neuen Bundesländern gilt es zu überprüfen, wie die vorhandenen Ansätze und Zielsetzungen des KJHG in der Praxis der Jugendhilfe umgesetzt wurden und werden“.

Hier das Fazit meines Beitrages:

  • Das KJHG wird in der gegenwärtigen Praxis in seinem Geist nicht ernst genommen und z. T. konterkariert.
  • Das Konzept der Lebensweltorientierung wird ad absurdum geführt.
  • Der aktivierende Staat nimmt die Begriffe auf (z.B. Aktivierung) und verändert und verfälscht sie. Viele fallen darauf herein und denken, jetzt endlich sei der Durchbruch der Lebensweltorientierung gelungen.
  • Die „Dienstleistungen“ kommen nicht selten unter Druck und Sanktionen zustande mit der Drohung, einer Strafe, bei unterlassener Mitarbeit.
  • Das KJHG gilt in der Praxis zunehmend als ein Luxus-Gesetz. Es ist ein Gesetz, keine Empfehlung, aber es wird gehandelt, als würde es Utopien beschreiben: Ein bisschen Soziale Arbeit reicht angeblich auch aus.

Im Ergebnis einer langen, gesellschaftlichen Diskussion waren im KJHG bereits Standards formuliert worden, die die Soziale Arbeit als eine sozialpädagogische Kraft ausgewiesen und sie auf hohe Fachlichkeit und humanistische Ethik verpflichtet haben.

Aus meiner Sicht geht es nun darum, 20 Jahre nach Inkrafttreten des KJHG, seine Konzepte und Zielsetzungen lautstark und gezielt gegen den Mainstream und gegen die Vorstellungen des aktivierenden Staates einzufordern und zu erkämpfen.

 

Fachlichkeit - Opfer der Ökonomisierung

Ein alltäglicher Fall:

Der Vater von zwei Kindern - Tochter 16, Leukämie, magersüchtig und vor allem voll in der Pubertät,  Sohn, 11, ADHS, nicht beschulbar - ist nach dem Tod seiner Ehefrau vor 2 Jahren ziemlich überfordert. Obwohl er emotional alles für seine Kinder gibt, bekommt er weder eine wirkliche Struktur in die Familie, noch ist er in der Lage, den Kindern in dieser Situation wirklich zu helfen.
Irgendjemand hat ihm von der Möglichkeit einer Familienpflegerin erzählt. Das Jugendamt ist bereit, Familienpflege nach § 2o KJHG zu gewähren.
Die Familienpflegerin, die dafür eingestellt wird, hat schon nach kurzer Zeit kalte Füße: Sie ist völlig überfodert mit der Situation. Sie sieht sehr wohl, dass hier mit Familienpflege nicht geholfen ist. Es wäre hier Sozialpädagogische Familienhilfe mehr als angebracht. Ein tapferer Versuch, das gegenüber der Teamleiterin zu thematisieren, führt immerhin zu einem tapferen Versuch, diese Rückmeldung an das Jugendamt weiterzugeben.

Was passiert?

Das Jugendamt blockiert und argumentiert,  der Vater wollte ja eine Pflegerin und außerdem sei dies ja wohl auch kostengünstiger.

Der Träger schweigt darauf hin, denn er möchte nicht an dem Ast sägen, auf dem er sitzt.

Der Fall wird in dieser Weise noch viele Jahre auf der Stelle stehen, die Biografien der Kinder werden weiter problematisch verlaufen und wohl auch immer problematischer werden

und: es entstehen sinnlose Kosten, die keinem entsprechenden Ergebnis gegenüberstehen.

Messmer spricht in solchen Fällen von einer Steigerung der Sozialkosten durch den Effekt der “Opportunitätskosten”,  die entstehen, wenn die Versuche, die Kosten zu dämpfen, zu suboptimalen Entscheidungsvorgängen geführt haben, die selber wieder Kosten verursachen, die hätten vermieden werden können.(vgl. Messmer 2007, Jugendhilfe zwischen Qualität und Kosteneffizienz ; vergleiche auch Seithe 2010, Schwarzbuch Soziale Arbeit, S. 98)

Unsere tägliche Tafel gebt uns heute….

Es weihnachtet sehr. Wir sitzen bei Schwägerin und Schwager im gemütlichen Wohnzimmer, nach einer üppigen Kaffeetafel und plaudern.

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“Was hälts du eigentlich von den Tafeln?”, fragt mich meine Schwägerin. Ich sage, was ich davon halte. Nichts. Ich schäme mich für unseren Staat, dass er so etwas notwendig macht. Meine Verwandtschaft ist leicht irritiert. “Aber da können sich diese Menschen doch einmal sattessen. Was soll daran falsch sein? ” Ich schäme mich für unsere Bevölkerung, die sich daran gewöhnt hat, dass jetzt Mildtätigkeit und Barmherzigkeit die Lücke füllen sollen, durch die sich der Sozialstaat verabschiedet hat…
“Warum gibt es Arme und Reiche, Mama”, fragte neulich ein Kind in einer Kita. Und die Erzieherin wußte die Antwort: Das hat der liebe Gott so eingerichtet, damit die Reichen sich in Liebe und Barmherzigkeit üben dürfen.”

Ich denke an das Zitat von Margalith:

„Eine Gesellschaft, in der die Bedürftigen ein Anrecht auf Unterstützung haben, ist grundsätzlich weniger entwürdigend als eine Gesellschaft, die auf Barmherzigkeit beruht“ (Margalith 1998, S. 276).

Transparenz mit Grenzen?!

Angeregt durch aktuelle politische Diskussionen habe ich über den eigenartigen Umgang mit Informationen nachgedacht.

Zum Beispiel höre ich öfter bei Kooperationspartnern verwunderte Nachfragen, wenn ich Klienten Information bzgl. Versorgungsstrukturen, gesetzlicher Regelungen oder Absprachen gebe.

Inhaltlich geht das alles in die Richtung, ob es denn gut sei, wenn “die” (gemeint sind Klienten) das alles wüssten usw usw.

Ich frage mich dann immer, warum denn nur?

Sollten wir nicht soweit sein, uns bewusst und konstruktiv mit den Machtstrukturen in der Sozialen Arbeit auseinander zu setzen und ist die Formulierung “verhandeln statt behandeln” nicht schon alt genug , um endlich in der Praxis angekommen zu sein?

Transparenz ist für mich ein Arbeitsprinzip, dass meiner Meinung nach keine Grenzen haben sollte- natürlich auf die Arbeitsinhalte bezogen. Ich denke nicht, dass ich das Recht habe Informationen für meine Klienten zu zensieren.

bei PISA nichts Neues

Als 2001 der erste PISA-Test Deutschland schockierte, war es am allerwenigsten diese Nachricht:
“In kaum einem anderen vergleichbaren Land ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulleistungen so groß.”
Und heute heißt es : “In Deutschland beträgt der Leistungsunterschied zweier Schüler mit einem ähnlichen Hintergrund im Extremfall über zwei Schuljahre - je nach dem, ob sie auf eine Schule mit einem sozial günstigen oder ungünstigen Umfeld gehen. In keinem anderen Land hat dieser Faktor einen derart starken Einfluss.”
Das bedeutet doch, in keinem der 65 Ländern ist die Gesellschaft so wenig darum bemüht, den Kindern eine Chance zu geben, die aus sozial benachteiligten Familien, aus problematischen Milieus kommen.  Unsere Schullandschaft reproduziert die bestehende soziale Ungleichheit seit Jahrzehnten und verschärft sie noch. Die Gesellschaft wird immer mehr gespalten. Demnächst oder auch heute schon gibt es die guten Migranten, die sich integrieren, deren Kinder aufgeholt haben und die, die sich zu denen gesellen, die  außen vor  bleiben.

Alle lächeln und freuen sich scheinheilig darüber, dass die SchülerInnen in Deutschland angeblich nun in der ersten Liga spielen.
Und wieso kümmert keinen dieses Armutszeugnis der hoch signifikanten Abhängigkeit von Milieu und Schulleistung? Die Bundesregierung spricht vom zukünftigen Bildungsland Deutschland. Es soll viel getan werden?

Für wen?

Und es zuckt sich doch was!

Hier nun endlich mal ein lange überfälliger Rückblick von meiner ersten DBSH Landesmitgliederversammlung.

Ich war zuerst ein wenig enttäuscht, weil im entsprechenden Bundesland von rund 90  Mitgliedern weniger als 10 anwesend waren.

Allerdings waren die Diskussion und die besprochenen Themen wirklich ansprechend und treffend. Da es bei dem Treffen auch um den Haushaltsplan ging, konnte sofort eine Projektgruppe zum Thema “mangelnde Reflexionsmöglichkeite” an Arbeitsplätzen gegründet und mit finanziellen Mitteln ausgestattet werden.

Ein paar mehr aktive Mitglieder könnten bestimmt noch mehr bewegen :)