Besuch bei der AKS in Dresden

Die AKS in Dresden hatte mich vor einigen Wochen im tiefen Schnee zu einer Veranstaltung ihrer Gruppe in die ev. FH Dresden eingeladen.

Es war für mich und die mit mir zusammen angereiste Studentin ein beeindruckendes Erlebnis.
Das Thema des Abends: Soziale Arbeit in einer kapitalistischen Gesellschaft. Ein schwarzer Blick“ hätte erwarten lassen können,  dass hier ein paar kritische Leute unter sich zusammen sitzen und ihre Wunden lecken.
Dem war ganz und gar nicht nicht so! Immerhin kamen über 50 Leute, Stühle mussten aus den Nebenräumen herein geschafft werden. Die Atmosphäre war solidarisch, gemütlich und gleichzeitig hell wach. Die Diskussion verlief lebhaft und bunt. Die Gruppe war sich durchaus nicht in allem Punkten einig. Aber alle Positionen wurden vorgetragen und miteinander diskutiert.Ich danke an dieser Stelle den Veranstaltern noch einma, dass ich diese Gelegeheit bekommen habe und mit diesem ermutigenden Eindruck wieder nach Hauzse feahren konnte!

Ich war im Kontext meines Schwarzbuches eingeladen worden. Der Veranstalter hatte mir im Vorfeld vier Fragen zugesandt, zu denen ich möglichst etwas sagen sollte. Dazu bin ich an diesem Abend nur in Ansätzen gekommen, denn es war viel wichtiger, dass die Teilnehmer sich äußerten und mit einander ins Gespräch kamen!

Dennoch möchte ich diese Fragen nicht einfach im Raume stehen lassen und werde mich deshalb hier im Blog dazu äußern.

zu Frage 1. Wie sieht heute moderne Sozialarbeit aus?

Modern im Sinne der herrschenden neosozialen Vorstellungen bedeutet: Erziehung und Verhaltensstraining für die einen und Verwalten und Sanktionieren für die anderen. Das heißt, voraussichtliche Versager herausfiltern….

Modern im Sinne einer heutigen, fachlich autonomen und ethisch an sozialer Gerichtigkeit ausgerichteter Sozialen Arbeit bedeutet für mich deshalb zwangsläufig: Sich gegen diese Einschränkungen wehren und die Begrenzung nicht akzeptieren, sich offensiv gegen die Teilung der Gesellschaft in erfolgversprechende und damit wertvolle und keinen Erfolg versprechende und damit wertlose Menchen aussprechen und dagegen anzuarbeiten, diese selektive Investition in Menschen als Weg brandmarken, der sozialdarwinistische Tendenzen aufweist und vielmehr die gesellschaftlichen Ursachen von individuellen Problemen deutlich aufzeigen und anprangern.

zu Frage 2. Was ist die Aufgabe kritischer Sozialarbeit heute?

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Man kann im Kleinen in glücklichen Inseln der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit noch gute Arbeit für Klienten machen. Aber man stößt auch hier bald an Grenzen! Moderne Sozialarbeit in diesem Sinn kann deshalb nur offensive Gegenwehr heißen! Das wäre also aus meiner Sicht die Aufgabe kritischer Sozialer Arbeit .

zu Frage 3. Was darf eine kritische Soziale Arbeit auf keinen Fall mitmachen? Wo liegen die Grenzen?

Soziale Arbeit muss in der Lage sein, bei ihrer Arbeit im Sinne der sozialpädagogischen Fachlichkeit vorzugehen (Ergebnis offen, Methoden offen). Dafür braucht sie z.B. entsprechende Zeitkontingente. Sie sollte sensibel sein für Prozesse, in denen Partizipation zum Formalismus oder gar zu einer Bringeschuld der Klienten wird.

Sie mus von ihrer wissenschaftlich und ethisch geleiteten autonomen Fachlichkeit ausgehen und sollte bei Aufgaben mißtrauisch sein, bei denen von einer fachfremden Instanz Wege und Ziele vorgegeben sind (z.B. Fallmanagement).

Soziale Arbeit sollte sich verweigern, wenn es darum geht, Menschen abzustempeln, zu sanktionieren auszusondern, abzuqualifizieren und ihnen für ihre Probleme im Sinne einer angeblichen Eigenverantwortung Schuld zu zu weisen.
Sie sollte sich Sanktionen und Methoden die Druck und Überredung anwenden verweigern.
Soziale Arbeit sollte sich keinen persönlichen oder strukturellen prekären Arbeitsbedingungen beugen (z.B. Stellen annehmen mit Unterbezahlung).

Aber all das, solche und andere Zumutungen sollte man nicht im Stillen bekämpfen sondern gelichzeitg öffentlich skandalisieren!

zu Frage 4. Bedeutet die aktuelle Aktivierungspolitik  für die Soziale Arbei ein Dilemma?

Ich denke ja, ein Dilemma insofern, als man sie weder ignorieren noch umgehen kann.
Wenn Soziale Arbeit sich nicht dagegen wendet, nicht deren eigentliche Ziele aufdeckt und anprangert, wird sie unweigerlich mit in diesen neosozialen Sog hineingezogen und reproduziert selber die Aktivierungspolitik.

 

Über m.s.

Ich war 18 Jahre Professorin für Soziale Arbeit an der FH Jena (Methoden, Hilfen zur Erziehung, Schulsozialarbeit). Davor war ich 18 Jahre in der Praxis. Studiert habe ich Psychologie in Münster und Soziale Arbeit in Frankfurt a.M. Bücher: Schwarzbuch Soziale Arbeit Engaging Hilfe zur Erziehung zwischen Professionalität und Kindeswohl Das kann ich nicht mehr verantworten Ambulante Hilfe zur Erziehung und Sozialraumorientierung
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