Roman: Das war gestern, Ackermann!

Paul in Not
Seine Aussprache mit Suse hatte Dieter ein wenig erleichtert. Wenigstens diesen Druck, diese Verantwortung und dieses dauernde schlechte Gewissen spürte er nicht mehr. Das war wichtig gewesen, so würde er eher die Kraft für eine Lösung und einen Neuanfang seiner Berufssituation haben.
Die Arbeit ging ihm noch immer schwer von der Hand, vor allem aber sträubte sich alles in ihm, diese nichtssagenden und hinterhältigen Zahlen auszurechnen. Denn ob er es wollte oder nicht, der Kollege hatte recht: Er war jetzt einer von denen, die dafür sorgten, dass an den falschen Ecken gespart wurde, dass Stellen nicht besetzt werden konnten, dass die Mitarbeiter den größten Teil ihrer Arbeitszeit und Kraft in Dokumentationen und Niederschriften stecken mussten, statt mit den Menschen zu arbeiten. Seine Zahlen kamen ihm vor wie eine Schar von Kriegern, die, sobald sie seinen Schreibtisch verlassen hatten, brutal über seine Kollegen und die Mitarbeiter der EWV herfielen.
Dennoch ging es ihm jetzt ein wenig besser. Er wusste noch nicht, was er tun sollte, aber er war festentschlossen, etwas zu tun.
An einem Donnerstagvormittag erhielt Dieter einen Anruf von Frau Springer, seiner ehemaligen Sekretärin in der Lebensberatungsstelle.
„Es geht um Paul Heisinger“, leitete sie ein. „Herr Ackermann, ich muss ihnen etwas erzählen. Ich habe das Gefühl, dass Sie das erfahren sollten. Aber bitte, sagen Sie niemand, dass ich deswegen bei Ihnen angerufen habe.“
Überrascht und mit einem mulmigen Gefühl im Bauch hörte Dieter zu.

„Herr Heisinger kam gestern Morgen in unsere Beratungsstelle. Er wollte einen Termin mit Ihnen auszumachen. Er war ja sehr lange nicht mehr da gewesen. Aber jetzt brauchte er offenbar dringend Hilfe, dass konnte ich sehen.
Ich erklärte ihm, dass Sie nicht mehr in der Lebensberatung tätig sind. Herr Heisinger wurde nervös. Er verstand das nicht. Er fragte immer lauter, wie er Sie erreichen könnte. Inzwischen waren auch Stefan und Herr Hiltrup zu mir ins Büro gekommen. Vermutlich hatten sie seine laute Stimme gehört. Aber keiner wollte ihm Auskunft geben.“
Frau Springer holte tief Luft und wartete offenbar auf eine Reaktion von Dieter. Als der nichts sagte, fuhr sie fort:
„Da hat sich Herr Heisinger zu mir ins Sekretariat gesetzt und dort den ganzen Tag gewartet. Es war für mich sehr belastend. Was hätte ich ihm sagen können! Auch die Kollegen konnten ihn nicht davon überzeugen, dass er besser gehen sollte.




nche sagen, über Soziale Arbeit könne man keine Romane schreiben, die sei doch viel zu langweilig…
„Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute“ ist ein Buch, auf das ich schon lange gewartet habe, weil genau diese Entwicklung seit…