Corinna wieder allein zu Haus

ein alltäglicher Fall:

Corinna musste im Heim untergebracht werden. Zu Hause herrschte das blanke Chaos. Die Mutter war nicht in der Lage, für ihr Kind zu sorgen.

Corinna machte sich im Heim gut. Deshalb sah niemand ein Problem darin, sie nach 2 Jahren zu ihrer Mutter zurückzuschicken, zu der immer noch ein intensiver Kontakt bestand. Die Mutter hatte das Blaue vom Himmel versprochen: Alles würde jetzt besser und alles würde gut.Und wenn Klienten so motiviert sind, dann ist ja alles o.k.? Zumal man enorm Geld spart, wenn die inzwischen 12Jährige wieder zu Hause leben kann.

Nach 2 Jahren ist das Zeitfenster wieder für Corinna also wieder zu und das Kind kommt wieder nach Hause –  leider, ohne dass was passiert ist und ohne, dass die Mutter sich anders verhält. Sie stellt die von ihr geforderte Ordnung in der Wohnung und im Alltag nicht her, obwohl das Jugendamt es verlangt. Sie begreift nicht, was das Kind braucht und dass es sie braucht.
Das Jugendamt ist sauer und empört und versucht es mit Druck.  Es gibt einige halbherzige Versuche, aber es klappt nicht.
Die MitarbeiterInnen im Jugendamt runzeln die Stirn zucken mit den Schultern. Die eine Hälfte der MitarbeiterInnen möchte das Mädchen erst einmal wieder zurück ins Heim bringen. Die andere Hälfte ist der Meinung, dass die Mutter ihre Chance gehabt hat und nun sehen muss, wie sie und dass sie mit ihrer Aufgabe fertig wird.

Wer eigentlich fragt sich: warum macht sie es nicht? Warum schafft sie es nicht?
Wer hilft ihr, es zu lernen?
Wer hilft ihr, es zu schaffen?

Und wer erkennt die Lage, wenn es wirklich nicht geht, und rettet das Kind langfristig?

Was ist hier Aufgabe der Sozialen Arbeit?  Was könnte sie wirklich, wenn die Köpfe befreit wären von der Schere der Ökonomie im Kopf und von der Vorstellung, dass Menschen zu funktionieren haben und man sie nur anschubsen muss, damit sie es endlich tun.

Über m.s.

Ich war 18 Jahre Professorin für Soziale Arbeit an der FH Jena (Methoden, Hilfen zur Erziehung, Schulsozialarbeit). Davor war ich 18 Jahre in der Praxis. Studiert habe ich Psychologie in Münster und Soziale Arbeit in Frankfurt a.M. Bücher: Schwarzbuch Soziale Arbeit Engaging Hilfe zur Erziehung zwischen Professionalität und Kindeswohl Das kann ich nicht mehr verantworten Ambulante Hilfe zur Erziehung und Sozialraumorientierung
Dieser Beitrag wurde unter alte Blogbeitrage veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.